Die Eisdecke – die ideale Metapher für Risiko

Sobald die Temperaturen unter null fallen, bildet sich auf Wasser eine Eisdecke. In stehenden Gewässern schneller als in fließenden. Mit der Zeit bilden sich immer mehr Eiskristalle und die Eisdecke wird immer dicker. Die Daumenregel besagt, dass eine einzelne Person eine Eisdecke von mindestens 5 cm Dicke betreten kann. Ab ca. 18 cm können Autos auf´die Eisfläche. Vom Ufer aus erkennt man weder die Tragfähigkeit noch die Tiefe des darunterliegenden Wassers. Ob und wo es sicher ist ist reine Spekulation. Damit ähnelt eine Eisdecke einem Risiko.

Man kann sich zwar Eisdecken und Risiken vorstellen, aber es bleibt stets eine Schätzung, ob es zu dem Eintritt des Schlimmsten kommt oder nicht. In beiden Beispielen sind die folgenden Aspekte zu bedenken.

  • Eintrittswahrscheinlichkeit
    In allen Fällen beträgt die Eintrittswahrscheinlichkeit bei 100%, sobald es zum Schlimmsten kommt und das riskante Vorhaben scheitert, was auch eigentlich keine Vorhersage mehr ist – sei es das Überqueren eines zugefrorenen Sees oder der Bau eines neuen Flughafens. Eine zuverlässige Vorhersage ist möglich, wenn man sich gar nicht erst in diese Gefahr bringt. Dann ist die Eintrittswahrscheinlichkeit 0%. Die restlichen Vorkommnisse lassen sich weder zeitlich noch räumlich zuverlässig vorhersagen. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als je nach dem vorhersehbaren Fall entsprechende Gegenmaßnahmen vorzubereiten. Absicherungen können auf der Eisdecke ein Sicherungsseil oder eine bereitliegende Leiter sein, mit der man aus der Gefahrenzone herauskommt. Im Business werden entsprechende Maßnahmen aufgesetzt, um die Eintrittswahrscheinlichkeit zu senken. Alternativ stehen Ressourcen bereit, um im Krisenfall gegenzusteuern, in dem die Schadensdauer verkürzt und der Schaden verkleinert wird.
  • Möglicher Schaden
    Die Folgen, die durch ein nachteiliges Ereignis entstehen, unterscheiden sich nach ihrer Schadenshöhe. Ein entsprechendes Vorkommnis kann im schlimmsten Fall das Leben kosten – indem man im Wasser ertrinkt, weil man nicht mehr in dem benötigten Zeitfenster nach Luft schnappen kann; oder wenn man sich im Geschäft verspekuliert, weil man die Zeichen der Zeit falsch deutet, dadurch mit seinem Versandhandel das Internet verschläft und schließlich das gesamte Unternehmen Konkurs geht. Kommt es zu keinem Unfall, dann spielt die Größe des möglichen Verlustes keine Rolle. Der tatsächliche Schaden, der zwischen diesen beiden Extremen auftreten kann, ist schwer vorhersagbar, da man meistens die tatsächlichen Konsequenzen nicht erkennt. Wie groß die Vorbereitungen für den Eventualfall sind, hängt von dem Spielercharakter der Entscheider ab – mehr oder weniger Seil und Leiter auf der Eisdecke oder Rückstellungen im Business.

Der Umgang mit der Dicke der Eisdecke und den Risiken des Geschäfts belastet. Einerseits wird man durch ein Seil behindert und durch den Transport der Leiter belastet. Andererseits werden Ressourcen für den Fall der Fälle geblockt und stehen damit dem Tagesgeschäft nicht mehr zur Verfügung. In beiden Fällen gilt: Vorbereitung sichert die Viabilität.

Fazit: Der Umgang mit einem zugefrorenen Gewässer und der Umgang mit geschäftlichen Risiken haben ähnliche Fragestellungen. Zum Einen muss geschätzt werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es zu einem Vorfall kommt. Zum Anderen muss die mögliche Schadenshöhe veranschlagt werden. Beides sind Schätzungen, die möglicherweise daneben liegen. Von außen betrachtet gibt die Eisfläche keinen Hinweis auf mögliche Gefahren. Genau, wie das Tagesgeschäft keine Indikatoren liefert, dass es zu einem überraschenden Einbruch kommen kann. Es ist unverantwortlich, wenn keinerlei Vorannahmen getroffen werden, weil man dann von dem schädlichen Ereignis überrascht wird – man bricht im Eis ein oder erleidet schlimme, geschäftliche Verluste. Diese Ähnlichkeiten machen die Eisdecke zur idealen Metapher für ein Risiko.

The Ice cover – the ideal metaphor for risk

As soon as the temperatures fall below zero, an ice cover forms on water. In standing waters faster than in wild ones. Over time, more and more ice crystals arise and the ice cover is getting thicker. The rule of thumb indicates that a single person can enter an ice cover of at least 5 cm. About 18 cm is sufficient for cars to go onto the ice surface. From the shore you can neither see the bearing capacity nor the depth of the underlying water. Whether and where it is safe is pure speculation. In this respect the ice cover is similar to a risk.

Although it is possible to imagine ice covers and risks, it always is only estimation whether the worst will happen or not. In both examples, the following aspects should be considered.

  • Probability
    In all cases, the probability of occurrence is 100% as soon as the worst happens and the risky initiative fails, which actually is no longer a prediction – be it crossing a frozen lake or building a new airport. A reliable prediction is possible, if you even do not put yourself in that danger. Then the probability of occurrence is 0%. The remaining incidents can not be predicted reliably in terms of time or space. There is no choice but to prepare appropriate contingency plans depending on the foreseeable case. Hedges on the ice cover can be a safety rope or a prepared ladder, which bring you out of the danger zone. In business, appropriate measures are put in place to reduce the occurrence probability. Alternatively resources are prepared to counteract in the event of a crisis by shortening the damage duration and reducing the damage.
  • Possible damage
    The consequences of an adverse event differ according to their level of damage. An incident can in the worst case cost the life – by drowning in the water, because you can not breathe in the required time frame; or when you lose in business due to wrong speculations, because you have misinterpreted the signs of the times, ignored the Internet with your mail-order business and eventually the entire company faces bankruptcy. If there is no incident, then the potential size of the loss does not matter. The actual damage that can occur between these two extremes is hard to predict, because most of the time you cannot see the real consequences. The size of contingency preparation depends on the player in the decision maker – more or less rope and ladder on the ice cover or provisions in the business.

Dealing with the thickness of the ice cover and risks burdens. On the one hand, you are hampered by a rope and burdened by the transport of the ladder. On the other hand, resources are blocked in case of the worst and thus are no longer available for daily business. In both cases, preparation ensures viability.

Bottom line: Dealing with frozen waters and with risks consists of similar issues. On the one hand, it has to be estimated what the probability of an incident is. On the other hand, the possible amount of damage has to be assessed. Both are estimates that could be wrong. From the outside, the ice surface gives no indication of possible dangers. Exactly as the daily business does not provide indicators that it can come to a surprising slump. It is irresponsible when no presuppositions are made, because then you will be surprised by the harmful event – you break in the ice or suffer serious business losses. These similarities make the ice cover the ideal metaphor for a risk.