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Das Digitale – Lapis Philosophorum des 21. Jahrhundert

In einer Zeit, in der die Menschen hin und her gerissen waren zwischen der materiellen und der ideellen Welt, befanden sich Alchemisten auf der Suche nach dem Mittel der Mittel, dem Stein der Weisen. Er sollte das Unedle durch Transmutation aus Basismetallen und kranken Lebewesen ziehen und so Gold oder das ewige Leben ermöglichen. Die Alchemisten schafften es jedoch auch unter Folter nicht, echtes Gold zu erzeugen. Trotzdem suchen bis heute viele nach einem Mittel, um die Welt zum Guten zu wenden. Derzeit sprechen sie vom Digitalen.

Wie beim Stein der Weisen werden Hoffnungen bei den heutigen Entscheidern geweckt, die aber besondere Vorteile für die heutigen Alchemisten bieten. Dabei bedeutet die digitale Transformation vor allem dramatische Veränderungen im Ablauf.

  • Verzögerungen wirken stärker als vorher
    Wer bisher auftretende Unpünktlichkeiten nicht in den Griff bekommen hat, wird bei der digitalen Transformation zusätzlich Schwierigkeiten haben. Abläufe, die zu lang dauern, Stapel von Aufträgen, die stetig wachsen, und Liefertermine, die nicht eingehalten werden, führen jetzt schneller zu Problemen. Solange Teile des Ablaufs außerhalb von Rechnern stattfinden, belasten unterschiedliche Geschwindigkeiten der Erledigung, unnötige Extraaktivitäten und aufwendige Nacharbeit einen zuverlässigen Fluss – selbst mit einem hohen Grad an Digitalisierung. Zukünftig erwarten die Beteiligten, dass Ergebnisse fast augenblicklich vorliegen.
  • Fehlerquellen erzeugen schwerer wiegende Folgen
    Die heutige Komplexität bietet eine Vielzahl von Fehlerquellen, die sich nur schwer zu der eigentlichen Ursache zurückverfolgen lassen. Erreicht eine Lieferung nicht ihren Bestimmungsort, weil die Anschrift nicht stimmt oder die falschen Artikel geliefert werden, dann entsteht beim Kunden Frust. Erstens kommt seine Bestellung nicht rechtzeitig an und zweitens fühlt er sich vor allem schlecht bedient – natürlich aufgrund fehlender, persönlicher Wertschätzung. Die Digitalisierung bietet eine Verbesserung durch die Automatisierung von einfachen Routinetätigkeiten. Dies erfordert jedoch, dass man seine Prozesse kennt. Der Launch von IT-Systemen war schon immer schwierig. Mit der Digitalisierung werden klare Abläufe noch schneller und wichtiger und damit die Einführung noch schwieriger.
  • Mängel schaden intensiver
    Besonders unangenehm sind die kleinen Macken, die den Ablauf stören, wie eine wenig intuitive Benutzeroberfläche, Produkte und Dienstleistungen, die kleine Fehler aufweisen sowie ein unbequemer Weg, um den Mangel beheben zu lassen. Schlechte Antwortzeiten der Webseite, übertriebene Prüfungen der Eingaben oder unklare Ansprechpartner verleiden den Kunden weitere Geschäfte. Die Digitalisierung wird den Anteil der IT an der Wertschöpfung erhöhen und alles beschleunigen. Behebt man die Mängel nicht, ist der Kunde weg – für immer.
  • Vorausschau funktioniert nicht mehr
    Die gute Nachricht ist, dass sich die möglichen Kunden zukünftig überall finden – weltweit. Alle sind nur noch einen Klick entfernt und erwarten prompte Lieferung. Dies verändert das gesamte bisherige Denken – zehn Stunden Hotlines reichen nicht mehr; viele neue Regelungen und Gesetze müssen berücksichtigt werden; ein oder zwei Sprachen genügen nicht mehr in der Oberfläche und in der Hotline. Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Die digitale Transformation erfordert einen neuen Blick auf die Kunden – Wie groß ist die Zielgruppe? Wo sitzen die Kunden von morgen? Wann sind sie aktiv? Wie schnell müssen wir liefern? Eine vorausschauende Planung wird unmöglich, besonders weil gar keine Zeit mehr bleibt, um zu reagieren.
  • Kundenloyalität ist mit einem Klick weg
    In Ermangelung eines persönlichen Kontakts wird es auch schwerer sich auf die Kunden einzustellen. In der Folge bleiben sie nur noch solange loyal, bis der nächste Klick ein günstigeres Ergebnis liefert. Die digitale Transformation erfordert eine neue Form der Kundennähe. So können beispielsweise völlig neue Leistungen den Kunden einen Zusatznutzen bieten, der sie motiviert wiederzukommen. Beispiele sind die Historie der vergangenen Käufe oder persönliche Empfehlungen abhängig von dem eigenen Kaufverhalten. Vorstellbar sind zusätzliche Leistungen, wie der Zugang zu einem exklusiven Netzwerk oder die Bereitstellung von besonderen Informationen. Damit hat die digitale Transformation einen fundamentalen Einfluss auf das bisherige Geschäftsmodell.

Fazit: Wie bereits in den früheren Jahrhunderten zeigt sich, dass der Stein der Weisen, das Digitale, immer noch einen falschen Glanz erzeugt. Dabei wäre es heute möglich, durch eine entsprechende Vorbereitung von der digitalen Transformation zu profitieren. Verzögerungen, Fehler, Mängel, die fehlende Vorausschau und die bröckelnde Kundenloyalität lassen sich durch die Überarbeitung des Geschäftsmodells verbessern. Die digitale Transformation erfordert dabei nicht nur IT-Systeme, sondern die Veränderung aller Bereiche des Unternehmens. Auf diese Weise wird das Digitale zum Lapis Philosophorum des 21. Jahrhunderts.

Die Brücke – die ideale Metapher für Übergang

Der Hauptgrund für eine Brücke ist die Überwindung einer schwer zu bewältigenden Kluft, wie einem Fluss, einem Meer oder einem Tal. Meistens sollen damit Wege verkürzt, erleichtert oder einfach ermöglicht werden. Die natürlichen Schwierigkeiten sind jedes Mal anders und brauchen einen anderen Typ oder eine angepasste Variante von Brücke. Die längste Brücke ist mit 36 km die Hangzhou Wan Daqiao, die die Hangzhou-Bucht an der Ostküste Chinas überspannt. Die höchste Brücke befindet sich auch in China, die Beipanjiang-Brücke in Guizhou, mit einer Höhe von 565 m.
Die Abgründe, die im Business überbrückt werden, stehen den physischen Brücken in nichts nach. Es geht bei diesen geschäftlichen Herausforderungen um Übergänge von Alt nach Neu, die viele Mitarbeiter und interne Regelungen betreffen. Die Brücke ist eine naheliegende Metapher für derartige Übergänge.

Bei der sicheren Überquerung der bedrohlichen Abgründe helfen die folgenden Bedingungen.

  • Klare Anforderungen
    Klarheit entsteht durch die Beschreibung der konkreten Anforderungen und vor allem der Erwartungen der entscheidenden Stakeholder. Am einfachsten lassen sich die physischen Daten ermitteln, wie Länge, Breite, Höhe oder die Tragkraft – auch wenn manchmal die Entschiedenheit fehlt, sich festzulegen. Am wichtigsten sind jedoch die Hoffnungen der Entscheider, die schwer zu greifen sind. Dazu gehören die Vorstellungen, was getan werden soll, was dabei herauskommen soll und welche Folgen sie vorhersehen. Es ist unerlässlich die Anforderungen zu kennen, da sie am Ende die Messlatte für den gelungenen Übergang darstellen.
  • Beschriebene Topografie
    Eine Brücke wird bestimmt durch den Start- und Zielpunkt. Die Beschreibung der Gegebenheiten wird zwar das gesamte Gebiet beinhalten, jedoch nicht immer mit den benötigten Einzelheiten. Dies gilt für Übergänge aller Art. Die Ausgangssituation beschreibt das Fundament, auf dem die eine Seite für die Überquerung ruht. Im geschäftlichen Umfeld ist dies die alte Welt mit ihren Problemen – der hierarchische Aufbau, die veraltete IT oder unzeitgemäße Abläufe. Der Bestimmungsort beschreibt den festen Sockel auf der anderen Seite. Im Geschäft ist das der Zustand mit seinen angestrebten Vorteilen – agile Formen der Arbeit, moderne IT, end-to-end Betrieb.
  • Tragfähige Rezepte
    Der zu überquerende Abgrund entscheidet darüber, welcher Brückentyp zum Einsatz kommt – Hängebrücke, Schrägseilbrücke, Bogenbrücke, Plattenbrücke, usw. Abhängig von den Anforderungen wird der Brückentyp gewählt. Manchmal reicht eine Seilbahn für die Überquerung. Sollen jedoch eine große Anzahl von Menschen und schwergewichtige Fahrzeuge den Übergang überwinden, dann ist eine stabile Konstruktion erforderlich, die auf absehbare Zeit alle sicher auf die andere Seite bringt. Das Gleiche gilt bei Veränderungen in Unternehmen, wenn die Belegschaft sich auf die neuen Erfordernisse des Geschäfts umstellen muss. Dies trifft alle Mitarbeiter im Mark, da umgedacht und auf neue Weise gehandelt werden muss.
  • Entschiedene Umsetzung
    Der Wechsel von der einen auf die andere Seite ist gefährlich und riskant. Er gelingt nur, wenn er entschieden verfolgt wird. Es reicht nicht, sich eine Brücke überzeugt zu wünschen. Man muss die erforderlichen Schritte in Angriff nehmen. Dies braucht genügend finanzielle und zeitliche Mittel sowie ausreichend geeignete Mitarbeiter. Solche Vorhaben sind langfristig zuverlässig, wenn bei der Umsetzung nicht zu Ungunsten der Qualität gespart und auf die erforderliche Sorgfalt verzichtet wird. Scheitert das Vorhaben, dann hat das gravierende Folgen für die Beteiligten – bei der ersten Überquerung oder später, wenn sich beispielsweise, aufgrund von minderwertigem Material, die Lebensdauer drastisch verkürzt.
  • Eingebaute Wartung
    Nichts währt ewig. Darum müssen von vorneherein Maßnahmen eingebaut werden, die sich aus den Anforderungen ergeben – der erwarteten Belastung und geplanten Lebensdauer. Brücken verfügen dazu über Dehnungsfugen, dehnungsfähigen Asphalt oder Mechanismen zur Dämpfung der Schwingungen. Die regelmäßige Beobachtung des Übergangs ist eine zusätzliche Maßnahme, um frühzeitig Schwierigkeiten erkennen und gegensteuern zu können. Im Business erfordert das fortwährende Status-Checks der Aktivitäten im Rahmen der Transformation.

Fazit: Der Übergang von der einen auf die andere Seite eines Abgrunds braucht klare Anforderungen, die beschriebene Topografie, tragfähige Rezepte, eine entschiedene Umsetzung und die entsprechende Wartung. Immer neue Abgründe erfordern immer größere und höhere Brücken. Man hört jedoch auch immer wieder von Brücken, die verfrüht das Ende ihres Zyklus erreichen, weil die vorgesehene Auslastung die ursprünglichen Schätzungen weit übersteigt. Im Übergang von Alt nach Neu müssen sich die Entscheider einer ähnlichen Situation stellen. Vor allem die anstehende Digitalisierung wird so manches Unternehmen an seine Grenzen führen. Die Brücke bietet für diese Übergänge von Alt nach Neu die ideale Metapher.