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Digitale Transformation – das Ende der Technokraten

Im Geschäftsleben fühlen sich Entscheider frei von den kleinen Einflussfaktoren. Und doch können die Flügelschläge von winzigen Unternehmungen einen Sturm erzeugen. Immer mehr Computerpower ermöglicht zunehmend komplexere Berechnungen dieser Mikroeinflüsse, die als Grundlage für Entscheidungen genutzt werden. Vor allem unentschiedene Top-Manager, die sich mit Entscheidungen schwertun, verstecken sich gerne hinter derartigen Berechnungen. Die Grundlage für eine Entscheidung ist für sie nicht die überzeugende Vorausschau oder das Gespür für ein gutes Geschäft, sondern das Ergebnis einer Berechnung, die auf Basis von Vorannahmen zu den sich ergebenden Variablen führt. Was die technokratischen Entscheider übersehen ist die Tatsache, dass diese Art von Entscheidung im Rahmen der digitalen Transformation die Computer übernehmen und damit das Ende der Technokraten einläutet.

Die folgenden Begründungen ergeben sich aus ihrer Weltsicht, die fern von Vision und Bauchgefühl den entscheidenden Teil des Erfolgs aus dem Blick verlieren.

  • Sachzwänge als Rahmenbedingungen
    Die zwingenden Notwendigkeiten sind Begründungen für eine Entscheidung, auf die Entscheidungsträger keinen Einfluss haben. Sie fühlen sich dadurch zu Entscheidungen gezwungen, die sie eigentlich nicht treffen wollen, sondern müssen. Grundlage bietet das Berichtswesen, das die Schwachstellen mithilfe von Kennzahlen sichtbar macht. Diese Form der Externalisierung ist typisch für jemand, der sich nicht verantwortlich fühlt für sein Tun.
  • Technischer Fortschritt als Ziel
    Die Effekte der Herrschaft von Sachverständigen zeigte sich bisher vor allem in totalitären Staaten. Die Planwirtschaft setzte auf strikte Vorgaben und die Zuweisung von Sachmitteln durch Fachleute, die am grünen Tisch Lösungen ausarbeiten und entscheiden, ohne die Betroffenen zurate zu ziehen oder ihre Fähigkeiten einzusetzen. Die selektive Wahrnehmung und der Semmelweis-Reflex verhindern, dass diese Nerds eine ganzheitlich begründbare Wahl treffen.
  • Gerechtigkeit als blinder Fleck
    Die Logik der messbaren Sachverhalte überlagern den Blick auf das Zusammenspiel von quantitativen UND qualitativen Variablen, die sich in komplexen Wirkungsnetzen zeitverzögert gegenseitig beeinflussen. Vor allem subjektive Aspekte, wie Gerechtigkeit, sind schwer greifbar und werden von Fachleuten ausgeblendet, da sie sich nur schwer in eine Formel einbauen lassen. Durch die digitale Transformation lässt sich mehr berechnen, allerdings braucht die Maschine dann keine technokratischen Entscheider mehr, denn entscheiden kann der Algorithmus – besser, schneller und zuverlässiger.
  • Rationalisierung als Begründung
    Seit die digitale Transformation in den Siebzigern begonnen hat, veränderte sich das Bild eines Unternehmens. Während Henry Ford alles dafür getan hat, um die gesamten Aspekte der Wertschöpfung vertikal zu integrieren, werden die Aktivitäten heutzutage nicht nur auf verschiedene Unternehmen, sondern sogar weltweit verteilt und eine möglichst geringe Fertigungstiefe angestrebt. Der Mensch als Akteur wird sukzessive von Maschinen abgelöst. Die verbleibenden Aufgaben werden so günstig wie möglich an Dritte vergeben. Technokraten agieren wie Sportsüchtige, die nicht aufhören können leistungsfähiger und gleichzeitig fitter zu werden, bis zum Zusammenbruch. Und das, obwohl sie damit an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.
  • Der Mensch als statistisch-technische Funktion
    Auch wenn die Befindlichkeiten der Mitarbeiter und Führungskräfte sich nur schwer in Zahlen fassen lassen, bieten Statistiken Abhilfe – beispielsweise, um die persönliche Motivation bei der Arbeit zu beschreiben: In der Schweiz waren den Mitarbeitern in 2016 drei Gesichtspunkte am wichtigsten: ein gutes Verhältnis zu den Kollegen, eine spannende Tätigkeit und günstige Arbeitszeiten. Es ist bequemer die Maßnahmen aus derart errechneten Ergebnissen abzuleiten, als mit den eigenen Mitarbeitern zu sprechen, was sie für richtig halten. Entscheider, die ihre Entscheidungen mit Formeln berechnen, sind so anachronistisch, wie der Pferdekutscher vor über einhundert Jahren.

Fazit: Heutige Entscheider stecken in einem Korsett aus Compliance, allgemeiner Verfügbarkeit von Daten und unüberschaubarer VUCA. Sie vergessen dabei den entscheidenden Teil des Erfolgs – die Menschen. Alles erfolgt so schnell überall, dass die durchdachte Reaktion nicht mehr möglich ist. Die umfassende Aufgliederung und Untersuchung eines Sachverhalts in seine Bestandteile lässt sich auch nicht mit einem besonderen Kraftakt erledigen. Die digitale Transformation automatisiert die meisten Routinetätigkeiten – und Achtung! Es werden auch die technokratischen Entscheider bald nicht mehr gebraucht, da in Zukunft die Mitarbeiter selbst entscheiden, weil sie näher am Kunden und dem tatsächlichen Geschehen sind. Was bleibt, ist die übergreifende Steuerung des Unternehmens, die sich nicht mehr an eine Formel delegieren lässt, die eine vorbereitete Entscheidung trifft. Der intuitive Unternehmer, der sich auf sein Bauchgefühl verlässt und der ethischen Werten verpflichtet ist, löst damit die Technokraten ab, die durch ihr Korsett unfähig sind zu entscheiden. Die digitale Transformation, die als das letzte Mittel zur Vermeidung von Personalkosten angesehen wird, ersetzt ihre Förderer durch entsprechende Software und leitet das Ende der Technokraten ein.

Die EINE Absicht hinter jeder Strategie

Geschäftliche Unternehmungen sollten eigentlich nie ohne eine klare, für alle nachvollziehbare, Absicht aufgesetzt werden. Dieser Zweck gibt allen Aktivitäten eine Richtung. Die profanste ist es zu gewinnen. Allerdings muss die Absicht nicht immer daraus bestehen, der Erste, der Schnellste, der Größte zu sein, oder der Zwang unentwegt zu wachsen. Die Stoßrichtung könnte auch ein fitteres Unternehmen oder die bessere Ausnutzung der bestehenden Mittel oder zufriedenere Mitarbeiter sein. Einigt man sich nicht auf eine Stoßrichtung, kann durch gleichzeitig unterschiedliche Anstrengungen aller Beteiligten, jeglicher Erfolg unterminiert werden. Deshalb ist die von allen Seiten betrachtete Absicht eine wichtige Voraussetzung auf dem Weg in die Zukunft.

Die Absicht findet sich irgendwo zwischen Wachstum und Schrumpfung (horizontale Achse) und zwischen der schrittweisen Änderung erster Ordnung und der radikalen Änderung zweiter Ordnung (vertikale Achse). Vereinfacht ergeben sich die folgenden Absichten.

  • Konsolidieren
    Das aktuelle Geschäft robuster zu machen klingt nicht sehr spannend. Dabei ist die Sicherung der Viabilität auf Basis der vorhandenen Mittel eine gute Maßnahme um die Zukunft zu erleben. Dazu können die bestehenden Angebote entwickelt, besser platziert oder beworben werden. Zusätzlich kann weiter auf die gewählte Wertdisziplin (Kunden, Produkt- oder Prozessorientierung) gesetzt werden.
    Solange der Umsatz über gute Aussichten verfügt, ist das ein vernünftiger Ansatz.
  • Aktivieren
    Das Geschäft lässt sich zukunftsfähig machen, indem man die bestehenden Kernaspekte, die Angebote, Abläufe und Fähigkeiten, in Schwung bringt und das bestehende Können mobilisiert. Hierfür werden das Corporate-Image aufpoliert, die Kultur beschrieben oder das unternehmerische Bewusstsein der Mitarbeiter aufgefrischt.
    Es geht darum, eingefahrene Wege mit der derzeitigen Palette verstärkt zu verwenden.
  • Erweitern
    Werden angrenzende Geschäftsfelder erkannt und entschlossen erschlossen, entstehen neue Arbeitsinhalte, -formen und Wirkungsfelder. Dies wird möglich durch kontinuierliche Gestaltung, übergreifende Zusammenarbeit und das Verschieben der Grenzen der End-to-End Abläufe.
    Das nähere Umfeld des eigenen Geschäfts ist leicht erreichbar und bietet direkte Kontakte für die Erweiterung des eigenen Sortiments.
  • Neuerfinden
    Beim Verlassen der Komfortzone des bisherigen Marktes eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Neue Geschäfte können erschlossen und bisher unbeachtete Partner gefunden werden. Am Ende ändern sich dadurch die Bausteine des Geschäfts. Alles beginnt mit radikalem BPR, der Erfindung neuer Sortimente und die Eröffnung völlig neuer Kundengruppen.
    Getrieben werden solche Entwicklungen durch Persönlichkeiten, die eine klare Vorstellung haben, was sie für die Kunden noch tun können.
  • Konzentrieren
    Wenn der unternehmerische Körper an Übergewicht leidet und die Einnahmen den aktuellen Betrieb nicht mehr abdecken, ist eine durchdachte Verdichtung der Tätigkeiten unausweichlich. Das Ganze soll nicht in die Tiefe gerissen werden – z.B. Schließung von Betrieben, Verluste oder Pleite. Dies wird möglich durch den Verzicht auf die Aufgaben, die keinen Beitrag mehr leisten, weil sie veraltet oder einfach nicht mehr nachgefragt werden. Dabei werden Aufgaben outgesourct, die nicht zum Kerngeschäft gehören.
    Überflüssige Geschäfte und Routinen wuchern vor sich hin, wenn man den Handlungsbedarf nicht bemerkt und sich nicht frühzeitig darum kümmert, die Kapazitäten zu verlagern.
  • Stilllegen
    Sind alle Maßnahmen ausgeschöpft, kommt es früher oder später zum wirtschaftlichen Kollaps. Im Interesse aller Beteiligten ist die geordnete Aufgabe oder Herauslösung einzelner Bereiche oder Standorte der letzte Weg, wenn dadurch den Mitarbeitern ein sicherer Übergang in neue Aufgaben ermöglicht werden kann.
    Durch die frühzeitige Auflösung finden externe Unternehmer möglicherweise Wege, das Geschäft unter anderen Prämissen weiterzuführen.

Fazit: Es mag befremdlich wirken, dass die Absichten sich für immer auf die beschriebenen sechs Richtungen verdichten lassen. Sobald sie sich mit der Auswahl der Richtung beschäftigen, werden Sie schnell feststellen, dass nervenaufreibende Diskussionen durch gemeinsame Pläne abgelöst werden. Die eindeutige Absicht sollte jeder Führungskraft und jedem Mitarbeiter klar sein und die Bereiche sollten sich in einer gemeinsamen Richtung ausrichten. Es ist die EINE Absicht, die hinter jeder wirksamen Strategie steckt.

Spiegelneuronen – Autostart für Veränderung

Im Gegensatz zur Speicherung von Daten in einem Computer besteht unser Lernen in der Anhäufung von Erfahrungen, die sich zunehmend durch die Verknüpfung von Neuronen im Gehirn aufgrund von ähnlichen Erkenntnissen verankern. Je mehr wir wissen, desto leichter wird es, etwas Neues zu lernen. Die spannende Frage ist, wie die Aktivierung der ersten Neuronen beginnt, solange es noch keine Anknüpfungspunkte gibt. Vielleicht sind es die Spiegelneuronen, die die ersten Speicherungen ermöglichen, selbst wenn bisher keine Aktivierung besteht.

Die Spiegelneuronen liefern die Reflexe, über die ein Baby bereits kurz nach der Geburt verfügt. Nimmt man Minuten nach der Geburt ein Baby auf den Arm und streckt die Zunge heraus, passiert etwas Erstaunliches: Das Baby streckt ebenfalls die Zunge heraus. Diese Fähigkeit der Nachahmung könnte die genetische Voraussetzung für unser Lernen sein. Was bedeutet diese Fähigkeit für uns?

  • Wir können völlig Neues lernen
    Wer einmal eine völlig andersartige Sprache gelernt hat, kennt den Effekt. Für buchstabengewohnte Menschen wird das Erlernen von zeichenbasierter Kalligrafie, wie Chinesisch oder Japanisch, zu einer zusätzlichen Hürde – die „unlesbaren“ Zeichen, deren Aussprache sich nicht aus der Schreibung ableiten lassen, sondern gelernt werden müssen. Nachdem allerdings die Grundlage in der Verschaltung der Neuronen durch regelmäßiges Nachmachen und Üben geschaffen ist, wird es stetig leichter, das Netz der Neuronen mit zusätzlichen Zeichen zu erweitern.
    Das Gleiche gilt in allen anderen Lebensbereichen. Sobald wir eine neue Arbeitsweise übernehmen sollen, fällt es erst einmal schwer uns von den alten Mustern zu lösen sowie das Neue anzunehmen und zu verstehen. Die Betroffenen müssen dabei ihre bestehenden Vernetzungen neu verschalten. In diesen Fällen braucht es Vorlagen, die die Lernenden nachahmen können. Dabei helfen Geschichten, die erzählt werden, oder Rollenspiele, die vorgeführt werden – oder Artikel, Bücher, Podcasts oder Videos. Mit diesen Startimpulsen wird den Betroffenen das Lernen erleichtert.
  • Gemeinsames Lernen ist produktiver
    Das Futter für die Spiegelneuronen findet sich im persönlichen Umfeld. Es braucht eine Quelle an der man sich orientieren und die man nachahmen kann. In der Grundschule lernte man früher das Malen, indem die Schüler um den Lehrer herum standen und ihm beim Malen eines Baums voll von weißen Blüten aus Deckweiß zuschauten. Auf diese Weise wurden die Spiegelneuronen mit Verhaltensmustern versorgt, die dann beim eigenen Malen weiter verstärkt wurden. Zusätzlich hatte man die Möglichkeit, sich bei den Nachbarn weitere Tricks abzuschauen.
    Im Geschäftsleben werden derartige Lernsituationen durch Übungen geschaffen, in denen die Teilnehmer Aufgaben im Team lösen. Diese Art des dynamischen Lernens in Business Exercises knüpft an den bestehenden Erfahrungen der Teilnehmer an und nutzt die Möglichkeit, voneinander zu lernen.
  • Denkbeschränkungen sind kontraproduktiv
    Da es sich beim Lernen zu großen Teilen um eine unterbewusste Aktivität handelt, sind alle Arten von Denkbeschränkungen schädlich für den Fortschritt. Es darf keine Denkverbote, Kritik, Wertungen oder Ähnliches beim Lernen geben. Im Gegenteil. Die Teilnehmer sollten animiert werden Ihren Intuitionen zu folgen, Gedanken von Anderen weiterzuspinnen und Undenkbares, Unmögliches und Unsinniges einbringen zu können, denn das nutzt die bestehenden Verschaltungen im Gehirn aller Teilnehmer, die erweitert werden sollen. Auf diese Weise erzeugen die Beteiligten etwas Größeres, als sie in Summe alleine zuwege gebracht hätten.
    Alles, was es dafür braucht, sind Regeln, die das Wissen, die Erfahrungen und Meinungen zulassen – z.B. wie die Regeln im Brainstorming oder Design Thinking.
  • Spontanität zulassen
    Streckt das Baby nach der Geburt die Zunge heraus, wenn es jemanden die Zunge herausstrecken sieht, so handelt es sich nicht um eine bewusste Aktivität des Babys, sondern um das Sichtbarwerden eines angeborenen Reflexes. Erwachsen haben wir uns daran gewöhnt, mit Beschränkungen zu leben. Dies führt dazu, dass wir nicht mehr spontan sind – weil wir gelernt haben Kritik und Maßregelungen aus dem Weg zu gehen. Möchte man große Fortschritte ermöglichen, sollte man die natürlichen Impulse der Anwesenden zulassen, die durch die Spiegelneuronen hervorgerufen werden.
    Im Alltag beschränken sich Teams, indem sie sich gegenseitig ausbremsen oder bestätigen, der Meinung der Mehrheit folgen und ihre Ideen zurückhalten aus Angst vor einer schlechten Rückmeldung. Aus diesem Grund sollten die Teilnehmer einer Veranstaltung ermutigt werden, sich offen auszutauschen. Zusätzlich kann man durch anonyme Techniken, wie schriftlichen Äußerungen auf Metaplankarten, die eingesammelt und dann besprochen werden, die Hürde für die Teilnehmer absenken.
  • Aber … Auf kognitive Verzerrungen achten
    Arbeitende Spiegelneuronen sind jedoch nicht nur von Vorteil. Durch sie schleichen sich auch Automatismen in unsere täglichen Entscheidungen ein – die sogenannten Bias. So haben beispielsweise Gruppen die Tendenz, schlechtere Entscheidungen zu treffen, weil sie sich an die Gruppenmeinung anpassen, obwohl sie es besser wissen. Oder der Halo-Effekt, bei dem man seine Erwartungen von bekannten Eigenschaften einer Person ableitet, obwohl diese Rückschlüsse irreführend sein können. Spiegelneuronen wirken, auch wenn es nicht immer von Vorteil ist.
    Für die Praxis erfordert das ein sensibles Hineinhören in das Geschehen. Durch gezielte Störungen, indem beispielsweise eine Antithese in den Raum geworfen wird, besteht die Möglichkeit derartige Gruppeneffekte zu verringern.

Fazit: Wir lernen am Besten in der Gruppe. Dabei helfen Spiegelneuronen, die es ermöglichen uns unterbewusst an Menschen anzupassen, die um uns herum in einer ähnlichen Situation sind. Dies passiert in Sitzungen, Workshops und anderen Veranstaltungen. Wir können dadurch Startschwierigkeiten überwinden, die auftreten, wenn man etwas Neuem ausgesetzt wird, das man mit seiner Erfahrung noch nicht verbinden kann. Unsere Spiegelneuronen machen das Lernen im Team zu einer Autobahn der Veränderung. Dafür darf es keine Denkbeschränkungen geben und spontane Ideen, die noch kein Allgemeingut sind, sollten gefördert und wertgeschätzt und nicht mit Killerphrasen unterdrückt werden. Es ist jedoch geschickt, wenn man die unerwünschten, kognitiven Verzerrungen, die sich ergeben, im Auge behält. Unsere Spiegelneuronen sollten genutzt werden bei weitreichenden Neuerungen, denn damit ermöglichen sie einen Autostart für Veränderung.

Zeit des radikalen Wandels

Im Alltag profitieren wir von den Sachverhalten, die wir kennen und für die wir uns ein Repertoire an Verhalten erarbeitet haben. Je nach Veranlagung verunsichern uns Veränderungen mehr oder weniger. Damit wir von kommenden Ereignissen nicht zu sehr überrascht werden, versuchen wir die Zukunft vorherzusehen und uns darauf vorzubereiten. Zu diesem Zweck betrachten wir Stellgrößen, die wir sonst eher zufällig bemerken. Diese Frühaufklärung stellt Zusammenhänge her, die aus kleinsten Einflüssen bestehen. Diese Ideen unterstellen aufgrund ihrer feinen Granularität Genauigkeit. Es gibt jedoch Zeiten, in denen die Veränderungen nicht nur in den Feinheiten sichtbar werden, sondern in den großen Umbrüchen. Wenn dann noch viele, weitreichende Umwandlungen gleichzeitig stattfinden, sind wir in einer Zeit des radikalen Wandels.

Wir scheinen jetzt in einer solchen Zeit angekommen zu sein. Darum werfen wir einen kurzen Blick auf die STEP-Einflüsse, in denen diese gleichzeitigen Veränderungen sichtbar werden.

  • Sozio-kulturelle Einflüsse
    Die Welt ist überschaubarer und leichter erreichbar geworden. Gleichzeitig schafft diese Nähe eine neue Vielfalt, der sich oft widersprechenden Sichtweisen. Schleichend haben sich die Kräfte verlagert, die lange Zeit über das Weltgeschehen bestimmt haben, hin zu den aufstrebenden Regionen in Asien und Afrika. Ein einfaches Beispiel ist die neue Seidenstraße, die im Moment die eingefahrenen Routen der Wirtschaft abzulösen. Sie ermöglicht es China seine gut ausgebildeten Menschen, die durch ein über Jahrtausende bewährtes Wertesystem zusammengehalten werden und mit einem geschichtlich fundierten Selbstbewusstsein ausgestattet sind, global aufzustellen. Dieser Umbruch, den man seit Jahren kommen sehen konnte, verschiebt den Schwerpunkt vom Atlantik zum Pazifik und löst damit das Gefüge der letzten siebzig Jahre ab. Die Gesellschaften, die über Jahrhunderte zugunsten der alten Welt ausgenutzt wurden, lösen sich von alten Gepflogenheiten und lassen das Pendel in Richtung Süden und Osten schwingen. Wir erleben die ersten soziokulturellen Auswirkungen mit der zunehmenden Wiederbelebung der Nation und den hysterischen Maßnahmen sich mit Handelshemmnissen nach außen abzuschotten. Die bestehenden Bestimmungen gelten nicht mehr und die neuen werden woanders gemacht. Unternehmen, NPOs und NGOs sowie die globalen Einrichtungen müssen sich neu ausrichten.
  • Technologische Einflüsse
    Vierzig Jahre nach der Einführung des PCs hat die Informationstechnik (IT) alle Bereiche durchdrungen. Zeitgleich wurde damit ein Netz aufgebaut, das es uns ermöglicht mit einem Klick mit jedem beliebigen Punkt der Erde verbunden zu sein – sofern der erforderliche Strom und ein Zugang zum Netz verfügbar sind. Die aktuelle Welle der digitalen Transformation ist dabei nichts weiter als ein zusätzlicher Versuch, den Stellenwert der IT zu erhöhen – Big Data, Künstliche Intelligenz, Erweiterte Intelligenz, Automatisierung, Robotik, 3D-Druck Während in der Vergangenheit darüber lamentiert wurde, dass die Belegschaft gezwungen war, unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten, beschweren sich heute die gleichen Gruppen, dass ihnen durch die Automatisierung bei der Herstellung von Gütern und der Durchführung von Dienstleistungen die Lebensgrundlagen geraubt werden. Die neuen Entwürfe sind zu sehr mit den Tools beschäftigt, anstelle ganzheitliche Lösungen zu schaffen, die den Menschen weiterhin Aussichten bieten, ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Virtualisierung, d.h. die Abbildung der materiellen Welt im Rechner, erzeugt völlig neue Möglichkeiten Geschäfte zu machen. Vor allem der einfache Zugang zu Märkten für Alle, egal wo sie sich befinden, braucht ein neues Verständnis von Arbeit. Alte Fähigkeiten werden durch bisher wenig bekannte ersetzt – von der Durchführung einer Tätigkeit hin zur Überwachung; von der Verarbeitung von Wissen hin zur Erzeugung; von der Auswertung von Daten hin zur Interpretation. Dieser Umbruch betrifft jeden Einzelnen. Die Fertigkeiten und Fähigkeiten müssen neu vermittelt werden, damit alle bei diesem Umbruch beteiligt sein können.
  • oEkonomische Einflüsse
    Seit am 24. Dezember 1968 das Photo Earthrise von William Anders aufgenommen wurde, sollte uns eigentlich bewusst sein, dass wir in einem endlichen System leben. Ein solches, abgeschlossenes System kann nicht wachsen, ohne sich aus seiner Umwelt oder einem anderen System Energie zuzuführen. Und trotzdem versuchen heute noch Entscheider andere Länder auszunutzen, indem sie meinen Steuern erheben, Währungskurse beeinflussen oder Beschränkungen aller Art als Trumpf ausspielen zu können. Der hierfür missbrauchte Nationalstolz, der die Bevölkerung in den Wettbewerb treibt mit dem Rest der Welt, gefährdet den Frieden und lässt alte Konflikte wieder aufleben. Wenn der wirtschaftliche Erfolg auf dem Verlust von Anderen beruht, sollten sich die Entscheider bewusst machen, dass es in EINER Welt keine Anderen mehr gibt. Dies bedeutet, dass das Währungssystem vereinheitlicht gehört, die Verteilung von Arbeit und Einkommen das Überleben aller sichert und man die Gründe für das Wirtschaften neu ausrichtet. Wachstum ist kein wirkliches Ziel für ein geschlossenes System, sondern Viabilität.
  • Politische Einflüsse
    Die Virtualisierung der Welt hat die politischen Grenzen verschwinden lassen. Die Abgrenzung verläuft nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Extremen und Normalen oder zwischen unterschiedlichen Religionen oder zwischen Kulturen. Das alte Motto ist einfach: Wir haben recht, Die Anderen liegen falsch. Von jedem Punkt der Welt kommt man mit einem Klick in eine Region, in der völlig andere Regeln und Gesetze gelten. Der Blick durch das Fenster des Bildschirms fühlt sich eigentlich ungefährlich an, da man sich ja weiterhin im eigenen Rechtsraum zu befinden scheint. So kann man etwas im Ausland bestellen, aber sobald die Lieferung die Landesgrenze überschreitet, gelten die nationalen Gesetze. Das führt dazu, dass bestimmte Güter auf einmal nicht erlaubt sind oder zusätzliche Zölle anfallen. Zwischen Ländern und innerhalb von geregelten Wirtschaftszonen gelten darüber hinaus weitere Bestimmungen, die nur von Experten verstanden werden. Obwohl derartige Regeln alle betreffen, werden sie hinter verschlossenen Türen verhandelt und verabschiedet, wie man bei TTIP gesehen hat (Dank Trump sollten die Verhandlungen im Moment pausieren). Neben der Wirtschaft hat die Politik die weitreichenden Befugnisse, die sich durch nichts weiter als einer Wahl begründen. Solange die Machtblöcke der Welt miteinander im Wettbewerb liegen, können Autokraten die erreichten Vereinbarungen infrage stellen und jederzeit aufkündigen. Es braucht ein anerkanntes, zeitgemäßes, globales Koordinationszentrum.

Fazit: Wir brauchen keine feinjustierten Messpunkte, um zu erkennen, dass wir uns in einer Zeit des Umbruchs befinden, die alles Bisherige auf den Kopf stellt. Die großen Umbrüche sind mit dem bloßen Auge erkennbar. Die neue Aufteilung der Welt passt nicht mehr zu den gegebenen Gesellschaften. Der Computer und die Vernetzung lassen die Grundlagen alten Wirtschaftens verpuffen. Dadurch ändert sich die Art des Wirtschaftens wesentlich. Und die Masse der Arbeitnehmer macht sich Sorgen, womit sie morgen ihr Geld verdienen. Gleichzeitig stecken die Politiker in dem Dilemma einer globalen oder nationalen Politik, was die Rechten hinter den Öfen hervorlockt. Ein Jeder-für-sich wird die Gefahr von internationalen Konflikten heraufbeschwören, die selbst die Idylle der westlichen Welt in Schutt und Asche legen kann. Der Erste Weltkrieg hat die Massenvernichtungswaffen gebracht. Der Zweite Weltkrieg brachte die Atomwaffen. Der dritte Weltkrieg findet wahrscheinlich schon eine Weile in der Virtualität statt – wer glaubt denn, dass nur Russland Computer zur Destabilisierung einsetzt. Was braucht es eigentlich noch, um den Umbruch zu bemerken. Das bedeutet für ALLE Beteiligten, dass sie sich mit diesen Veränderungen beschäftigen müssen. Unternehmen, die derzeit keine Antworten auf diese Umbrüche parat haben und sich nicht darauf aktiv vorbereiten, handeln verantwortungslos. Neue Ansätze werden benötigt für die Gesellschaft, den Einsatz der Technologien, die Geschäfte und für die Vertreter der Bevölkerung.
Jetzt  I S T  die Zeit des radikalen Wandels.

Der Knopf – die ideale Metapher für eine Schnittstelle

Eine der größten Entdeckungen der Menschheit, neben dem Faustkeil und dem Feuer, war die Nadel. Einzelne Pelzstücke zu passender Kleidung zu vernähen, schützte nicht nur gegen die Kälte, sondern machte auch den persönlichen Unterschied im Rang sichtbar. Diese stabile Nahtstelle hielt getrennte Stoffkanten dauerhaft zusammen – was nicht immer gewünscht war. Aus diesem Grund wurde die Naht flexibler, indem man die Teile temporär verschnürte. Heute gibt es unterschiedliche Verbindungen: Haken, die man mit einer Öse verbindet und Druckknöpfe sowie die am verbreitetsten, die Lochknöpfe, flache Scheiben, die man durch entsprechende Löcher steckt. Nicht nur Kleidung erfordert flexible Verbindungsstellen, sondern auch Beziehungen zwischen Systemen aller Art – Menschen, Artefakten und Software.

Alle Verbindungen bauen auf ähnlichen Bausteinen auf, wie das Verknöpfen.

  • Festgelegte Verbindungsstelle
    Möchte man zwei offene Enden oder Teile von Geweben oder Häuten miteinander verbinden, so kann man sie verkleben, verschweißen, vernähen, zusammenheften, verflechten, verknoten, verknüpfen, verschnüren, verstöpseln, verhaken, reißverschließen, zusammenstecken, verwickeln oder, für unser Beispiel, verknöpfen. Der Knopf ist dabei ein zuverlässiger Ansatz, der sich leicht umsetzen lässt. In der Wirtschaft werden Abläufe und IT-Schnittstellen durch festgelegte Übergabepunkte, Abstimmungsrituale sowie Verträge verwirklicht, die sich jederzeit abschließen und kündigen lassen. Das geht, wenn es abgestimmte Übergabepunkte gibt – Orte oder Anschlüsse.
  • Abgestimmte Regeln
    Schnittstellen funktionieren nur, wenn die einzelnen Bausteine, der Knopf und das Loch, zueinanderpassen. Der zu große Knopf, der nicht zum Knopfloch passt, kann keine Verbindung herstellen. Das zu große Knopfloch wird den Knopf nicht zuverlässig halten. Im Geschäft sind die Schnittstellen noch empfindlicher. Die Abstimmung ist die Voraussetzung, damit eine Schnittstelle in der IT oder in den Abläufen ihren Zweck erfüllt. Das geht, wenn an der Schnittstelle gemeinsame Regeln herrschen – ein bestimmtes IT-Protokoll oder eine gemeinsame Sprache.
  • Gemeinsames Ziel
    Allen Verbindungen ist die Tatsache gemeinsam, dass sich zwei oder mehrere Teile zu einer Einheit zusammenschließen, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Die Kleidung soll einen schützen, die Ladestation soll das Elektromobil aufladen, ein Joint Venture möchte gemeinsam einen Markt erobern oder zwei Parteien wollen zusammen regieren. Die so verbundenen Einheiten teilen dadurch ein gemeinsames Schicksal mit Rechten und Pflichten, die nur solange gelten, wie sie verbunden sind. Das geht, wenn jeder seinen Zweck erfüllt – in einer Wirtschaftsgemeinschaft oder in einer Partnerschaft.
  • Absehbarer Zeitraum
    Trotz der natürlich innewohnenden Vergänglichkeit von Beziehungen, können Teile fester oder lockerer miteinander verbunden sein. Sofern die Teile für einen längeren Zeitraum aneinandergefügt bleiben sollen, sind langlebige Lösungen zu empfehlen, wie kleben, schweißen, verknüpfen und vernähen. Ist nur ein temporärer Zusammenhalt angestrebt, sind alle Arten von flexiblen Verbindungen die richtige Wahl, wie Haken, Reißverschlüsse und Knöpfe. Die Schnittstellen im Geschäft sind immer mit Aufwand verbunden, der sich auszahlen muss. Angestrebt endgültige Zusammenschlüsse beseitigen von Anfang an solche Nahtstellen, indem sie sich neu aufstellen, redundante Umfänge auflösen und in der Folge die Vereinigung nur noch mit vielen Nachteilen rückgängig machen können. Temporäre Bündnisse bauen auf formfreie Vereinbarungen auf, die die vorübergehende Arbeitsgrundlage darstellen. Das geht, wenn die Gruppen sich die Dauer der Beziehung im Vorhinein bewusst machen – ein Merger kann immer rücküberführt werden oder eine zeitweilige Beziehung kann sehr lange bestehen.

Fazit: Es gibt immer mehr Gelegenheiten, zu denen einzelne Gruppen miteinander verbunden werden sollen. Während früher das Zusammenspiel auf lange Zeit angelegt war, muss man heute mit immer mehr kurzlebigen Zusammenschlüssen umgehen. Der aktuelle Trend hin zu Plattformen ist ein gutes Beispiel der Dynamik in den Beziehungen – globale Netzwerke, Teilen von Wissen mit Wettbewerbern, temporäre Mitgliedschaften. Gleichzeitig können sich diese jederzeit auflösen und bedarfsorientiert wieder zusammenschließen. Die dafür notwendigen Mechanismen müssen einerseits zuverlässig arbeiten und sich andererseits jederzeit wieder lösen lassen. Ein gutes Beispiel für eine solche Verbindungsstelle ist der Knopf, der sicher verbindet und sich jederzeit wieder lösen lässt. Das macht den Knopf zur idealen Metapher für eine Schnittstelle.

 

Was anders sein kann, ist tatsächlich anders

Die unzähligen Parallelwelten, die durch die Digitalisierung und Vernetzung möglich werden, konstruieren für sich eigene Wirklichkeiten, die vom Zielpublikum willig aufgenommen werden. Beim Beobachten schauen die unterschiedlichen Gruppen aus verschiedenen, sich oft widersprechenden Blickwinkeln auf die gleiche Situation. Ein Foto liefert ein sachliches Abbild der Wirklichkeit und wir glauben, dass was wir sehen, so ist, wie es scheint. Dabei ist jede Aufnahme das Ergebnis der Auswahl des beabsichtigten Bildausschnitts. Wer würde hinter der Frau, die im Hochformat alleine auf der Straße steht, eine Demonstrantin vermuten. Wird der Bildausschnitt etwas erweitert, entsteht eine neue Situation. Das Gleiche passiert bei dem Austausch von Inhalten. In dem, was gesagt wird, steckt vor allem die Unmenge an Ungesagtem. Das macht alles, das anders sein kann, tatsächlich anders – für jeden einzelnen Betrachter.

Da sich heute jeder Zugang zum Internet verschaffen kann, entweder über einen Post in einem Diskussionsforum oder einem Blogbeitrag oder in der eigenen Webseite, finden alle Blickwinkel ihren Weg in die Öffentlichkeit. Und dabei gilt: Nichts geht mehr ohne, dass jemand etwas Negatives in den Taten oder den Aussagen von Anderen findet und diese entsprechend neu auslegt.

  • Richtig gibt es nicht mehr
    Sobald ein Nationaldenkmal in Flammen steht, schafft das unzählige Handlungsoptionen, die weder notwendig noch unmöglich sind. Diese Kontingenz wird von Einzelnen aufgenommen und aus allen denkbaren Gründen ausgeschlachtet. Kümmert man sich sofort um das Beheben der Schäden, die das Feuer angerichtet hat, kommen die Fragen hoch, warum man sich nicht um andere brennende Themen kümmert. Bleiben die Menschen untätig, dann wird ihre Untätigkeit beklagt. Diese besondere Form von Double Bind, die dazu führt, dass man immer etwas falsch macht, wenn man sich für etwas engagiert, wird langfristig die Bereitschaft sich für etwas einzusetzen bremsen.
    Wir müssen aus diesen opportunistischen Schuldzuweisungen heraus und mal wieder lernen, die Leistungen anderer einfach mal wertzuschätzen als das, was sie sind, eine wirksame Tat.
  • Dagegen sein geht immer
    In jeder richtigen Handlung stecken heute viele Argumente dagegen. Macht man etwas, dann kommt die Frage hoch, wieso nicht etwas anderes oder noch anderes. Werden die Brandschäden mit Steuermitteln behoben, dann werden dringend benötigte Steuergelder verschwendet. Stiften die Menschen freiwillig ihr Geld, dann steht irgendwer auf und redet ihnen ein schlechtes Gewissen ein, da sie sich nicht für andere soziale Projekte engagieren – obwohl wir das nicht unbedingt wissen. Den Anderen immer das Schlechte zu unterstellen übersieht, dass wir nach den gleichen Regeln beurteilt werden. Egal, auf welche Seite wir uns stellen, finden sich schnell Zeitgenossen, die einem diesen Standpunkt vorwerfen.
    Für den Weg aus diesem Teufelskreis braucht es eigenständige Persönlichkeiten, die sich mehr ihren ethischen Werten verbunden fühlen, als irgendeinem Fraktionszwang.
  • Substanzlosigkeit durch Gegnerschaft kaschieren
    Populisten sind darauf spezialisiert sich Gehör zu verschaffen, indem sie stets die Aktivitäten der Gegner kritisieren. Auf der einen Seite Stärke durch Einfuhrzölle simulieren und andererseits Europa zu beschimpfen, die dann das Gleiche machen und damit nationale Arbeitsplätze bei Harley-Davidson gefährden. Auf eigene Ideen gibt es keine Hinweise. Braucht es auch nicht, da die Pro-Aktiven den Stoff liefern, den die Trittbrettfahrer für ihre Interessen ausbeuten.
    Irgendwie müssen wir es wieder schaffen uns von den Manipulationen opportunistischer Bewegungen zu lösen, bevor alles sich verschärft und die mentalen Mauern gefährlich werden.
  • Angriff ist die beste Verteidigung
    Die Anschlussfähigkeit der Aussagen führt zu einem längeren Hin und Her der Argumente. Wird man beschuldigt sich undemokratisch zu verhalten, dann ist die beste Verteidigung darauf hinzuweisen, dass man selbst undemokratisch behandelt wird. Wie man in der Tatsache sehen kann, dass bestimmte Parteien, die nicht in Gremien des Bundestags gewählt werden, dies als undemokratisch bezeichnen. Der politische Diskurs verkommt. Politiker spulen ihre auswendig gelernten Botschaften ab, ohne Rücksicht auf den Gesprächsverlauf. Und Journalisten können offensichtlich ein Gespräch nicht mehr moderieren.
    Während jedes öffentliche Gespräch nur noch eine Wahlkampfrede für die eigene Zielgruppe ist, sollten wir auf diese Gespräche verzichten. Die Protagonisten müssen wieder miteinander sprechen, anstelle zu ihrem Wahlvolk.
  • Alle sehen nur, was sie sehen können
    Es ist sehr schwer in den Nachrichten nach Wirklichkeit zu suchen, da sie immer eine Konstruktion des Beobachters sind, die sich nicht versachlichen lassen. Man kann zu Trump stehen, wie man will, aber seine Pressesprecherin Kellyanne Conway hat die richtige Formulierung gefunden – alternative Fakten. Bereits die radikalen Konstruktivisten haben es auf den Punkt gebracht: „Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, ist unsere eigene Erfindung.“
    Die Aufgabe ist es jetzt einen Weg zu finden, mit dem die unterschiedlichen Sichten wieder in die Lage versetzt werden, sich auszutauschen.

Fazit: Die allgemeine Verfügbarkeit von Daten schafft ein neues Universum der Möglichkeiten, die alle für sich lebenswert sind oder nicht – je nach Betrachtungswinkel. Was dabei immer mehr verloren geht, ist es, den gemeinsamen Nenner zu finden, um miteinander bestehen zu können. Wenn nichts mehr so sein kann, wie es ist, sondern stets Angriffsfläche für Beanstandungen ist, dann entstehen sich selbstverstärkende Konflikte, die sich schwer auflösen lassen. Wenn es Richtig nicht mehr gibt, immer jemand dagegen ist, Substanzlosigkeit durch Gegnerschaft kaschiert wird, Angriff die beste Verteidigung ist, sowie der letzte Ausweg die Zweifel an dem Wahrheitsgehalt ist, dann verlieren alle Kraftanstrengungen für etwas ihren Antrieb. Dann werden Gespräche zu Monologen mit Dritten, anstelle zu Dialogen mit dem Gegenüber. Wir müssen raus aus diesem Teufelskreis, der zu einer immer aggressiveren Auseinandersetzung mit Andersdenkenden führt. Aktives Zuhören und eine vorauseilende Wertschätzung entspannen den Gedankenaustausch und verbessern das Verständnis der anderen Meinung. Und dabei gilt: Was anders sein kann, ist tatsächlich anders.

Der eine Gedanke vor jedem Strategieren

Alle Aktivitäten brauchen einen Kompass, an dem sie sich ausrichten können. Der erste Gedanke von vielen Strategen ist es zu gewinnen. Allerdings muss das nicht immer bedeuten, dass man der Erste, der Schnellste, der Größte ist, oder dass man unentwegt wachsen muss. Die gewünschte Stoßrichtung ist vielleicht ein fitteres Unternehmen oder die bessere Ausnutzung der bestehenden Mittel oder zufriedenere Mitarbeiter. Die gewählte Ausrichtung kann durch gleichzeitig unterschiedliche Richtungen unterminiert werden. Deshalb ist die Stoßrichtung eine wichtige Grundlage für die Vorbereitung auf die Gestaltung der Zukunft.

Die gemeinsame Richtung findet sich zwischen Wachstum und Schrumpfung (horizontale Achse) und schrittweiser Änderung erster Ordnung und der radikalen Änderung zweiter Ordnung (vertikale Achse). Die folgenden Optionen ergeben sich.

  • Konsolidieren
    Das aktuelle Geschäft robuster zu machen klingt nicht sehr spannend. Dabei ist die Sicherung der Viabilität auf Basis der vorhandenen Mittel eine gute Vorbereitung auf die Zukunft. Dazu können die Angebote entwickelt, besser platziert und beworben werden. Oder die gewählte Wertdisziplin (Kunden, Produkt- oder Prozessorientierung) beharrlich verfolgt werden. Solange der Absatz gute Aussichten hat ist das ein vernünftiger Ansatz.
  • Aktivieren
    Werden die bestehenden Kernaspekte, die Angebote, Abläufe und Fähigkeiten, ausgebaut, begünstigt das das Geschäft. Hierfür werden das Corporate-Image aufpoliert, die Kultur beschrieben und das unternehmerische Bewusstsein der Mitarbeiter aufgefrischt. Es geht darum, eingefahrene Wege mit der derzeitigen Palette besser auszulasten.
  • Erweitern
    Werden angrenzende Bereiche erkannt und ausgebaut, entstehen neue Arbeitsinhalte, -formen und Marktbereiche. Dies wird möglich durch kontinuierliche Gestaltung, unterschiedlichste übergreifende Zusammenarbeit und das Verschieben der Grenzen der End-to-End Abläufe. Bei näherem Hinsehen finden sich beispielsweise weitere Einnahmequellen im Kundenkontakt.
  • Neuerfinden
    Beim Verlassen der Komfortzone eröffnen sich andersartige Möglichkeiten. Neue Geschäfte können erschlossen und dabei allgemeine Aufgaben geteilt werden. Am Ende ändern sich die Bausteine des Geschäftsmodells. Das Ganze beginnt mit radikaler Umgestaltung der Abläufe, der Erschließung neuer Sortimente und der Eröffnung völlig neuer Kundengruppen. Getrieben werden solche Entwicklungen durch Einzelpersonen, die eine klare Vorstellung haben, was sonst noch denkbar ist.
  • Konzentrieren
    Wenn der unternehmerische Körper an Übergewicht leidet und die Einnahmen die aktuellen Ausgaben nicht mehr abdecken ist eine durchdachte Verdichtung der Tätigkeiten unausweichlich, wenn nicht das Ganze in die Tiefe gerissen werden will. Dies wird möglich durch den Verzicht auf bestimmte Aufgaben, der Bündelung des Kerngeschäfts z.B. in dem regelmäßige Abwicklungen outgesourct werden. Überflüssige Geschäfte und Routinen entstehen, wenn man nicht bereit ist sich frühzeitig darum zu kümmern.
  • Stilllegen
    Sind alle Fitnessmaßnahmen ausgeschöpft, kommt es früher oder später zum wirtschaftlichen Kollaps. Im Interesse aller Beteiligten ist die geordnete Aufgabe oder Herauslösung einzelner Bereiche oder Standorte der letzte Weg, wenn dadurch den Mitarbeiter ein sicherer Übergang in neue Aufgaben ermöglicht werden kann. Durch die frühzeitige Auflösung finden externe Unternehmer möglicherweise Wege, das Geschäft unter anderen Prämissen weiterzuführen.

Fazit: Es mag befremdlich klingen, dass die gemeinsame Ausrichtung sich für alle Fälle auf sechs mögliche Richtungen verdichten lässt. Sobald Sie die Abklärung der Stoßrichtung vorgeschaltet haben, werden Sie schnell feststellen, dass Grundsatzdebatten durch gemeinsame Pläne ersetzt werden. Die eindeutige Absicht sollte klar und alle Bereiche sollten in eine Richtung ausgerichtet sein. Vor jedem Strategieren braucht es den einen Gedanken.

Mindmap 2.0 multipliziert Ihre Wirksamkeit

Früher wurden wir auf unser Berufsleben dadurch vorbereitet, dass wir Lesen und Schreiben, die Grundrechenarten und Geometrie sowie Musik, Kunst und Sport im Frontalunterricht erlernten. Selten wurden Gruppenarbeiten und Planspiele eingesetzt oder mit Computern und grafischen Darstellungen gearbeitet. Beispiel eines Ansatzes ist die Mindmap. Damit können alle Arten von Ideen, Gliederungen und Skizzen erstellt werden: z.B. Brainstormings, Strategien, Zielhierarchien, Geschäftsentwicklungen, Projektpläne, Protokolle, Problemlösungen, Reden, Zeitmanagement usw. Die Wirksamkeit des Mindmapping lässt sich multiplizieren, indem man IT-basierte Werkzeuge nutzt: wie Mindmanager, XMind, iMindMap, iThoughts und andere.

Im Internet finden sich neben den Tipps und Tricks auch immer wieder Regeln für das Mindmapping. Die folgenden Anregungen sollen vor allem den Einsatz von IT-Werkzeugen ermöglichen.

  • Alles ist möglich
    Tatsächlich erübrigen sich alle gebräuchlichen Regeln, wenn man seine Mindmap mit einem IT-Programm erstellt. Die jetzt umsetzbare Größe übersteigt die Grenzen eines Blatt Papiers bei Weitem. Das gilt auch für die Anzahl Zweige und die Anzahl der Detaillierungsebenen, wie für die Beschriftung und die anderen Medien (s.u.). Die Entwicklung einer Mindmap kann alleine oder im Team mithilfe eines Beamers oder Großbildschirms durchgeführt werden, oder sogar in virtuellen Videokonferenzen mit weltweit verteilten Teilnehmern. Je nach Anzahl der Teilnehmer erhöht sich der Aufwand für die Abstimmung der Zweige in der resultierenden Map.
  • Nutze die Medien
    Während man herkömmlich bei den papier-basierten Mindmaps auf das Schreiben, Zeichnen und Kleben von Bildern beschränkt ist, kann man werkzeugbasiert multimedial unterschiedlichste Objekte einbinden – Texte, Bilder, Videos, Links, Office-Dateien usw.
  • Jeder Beitrag zählt
    Arbeitet man auf Papier, dann ist die Überarbeitung, d.h. vor allem die Vereinfachung, etwas umständlich. In einer IT-basierten Mindmap können die Zweige beliebig umgehängt werden, inklusive aller daran hängenden Unterzweige. Dies unterstützt den üblichen Brainstorming-Ansatz, bei dem jeder Beitrag ohne Diskussion einfach erfasst wird. In getrennten Arbeitsgruppen können so Maps erarbeitet werden. Die abschließende Eingliederung erzeugt ein abgestimmtes, gemeinsames Ergebnis.
  • Höre auf Deinen Bauch
    Eine praktische Eigenschaft ist das nachträgliche Gliedern der Zweige. Die grafische Darstellung fördert dabei das intuitive Bearbeiten der Inhalte. Man kann Zweige unter andere hängen und sich durch das neue Gebilde inspirieren lassen. Das visuelle Denken folgt nicht einfach der bewussten Logik. Durch den grafischen Aufbau arbeitet das Unterbewusstsein bei der Ausrichtung mit. Im Interesse eines geschickten Ergebnisses sollte man stets auf seinen Bauch hören, auch wenn man nicht immer die Logik dahinter verstehen kann.
  • Mache etwas daraus
    Softwaretools leben von ihren Nahtstellen in die Welt. Der Mindmanager bietet beispielsweise Anbindung an Microsoft-Produkten: MS-Excel, MS-Word, MS-Powerpoint und sogar MS-Project. Dies bedeutet, dass die erfassten Inhalte in der Folge weiter genutzt werden können. So lassen sich die Vorgänge eines Projekts, inklusive Terminen und Abhängigkeiten, mit dem Mindmanager planen und anschließend in das Format MS-Project übertragen.

Fazit: Tool-gestütztes Mindmapping, wie Mindmap 2.0, erweitert die Nutzung dieser Vorgehensweise. Damit können beliebig umfangreiche Mindmaps, multimedial erstellt werden. Gleichzeitig können offene Ansätze bei der Erarbeitung genutzt und im Folgenden zu einem stimmigen Gesamtbild zusammengefasst werden. Durch die grafische Darstellung werden auch unterbewusste Bereiche des Denkens genutzt. Am Ende lassen sich alle erfassten Umfänge in klassischen Office-Tools weiterverwenden. Damit multipliziert Mindmap 2.0, d.h. der Einsatz von softwaregestütztem Mindmapping, die Wirksamkeit des Mindmappings.

Agilität könnte eigentlich schon lange angewendet werden

Wenn die Belegschaft unabhängig von Rang und Reputation, jederzeit und überall, Zugriff auf alle benötigten Daten hat und am Ort des Geschehens sofort entschieden wird, spätestens dann werden althergebrachte Einrichtungen obsolet. Die inthronisierten Entscheider, die den Kontakt zum Geschäft verloren haben, die Weisungsketten, in denen die eigentlichen Entscheidungen verwässert und zu spät getroffen werden sowie die Anträge zur Beantragung von Anträgen, die unnötige Aufgaben generieren und den eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen, passen nicht mehr in die Zeit. Das erklärt die Sehnsucht nach neuen Formen der Zusammenarbeit. Die Umsetzung ist schwierig, da der gewünschte Zustand geprägt ist von Selbstorganisation, die erlaubt sein muss – was einen Großteil der Aufgaben der Entscheider überflüssig macht. Diese Selbstständigkeit braucht keine neuen Strukturen, sondern ein neues Mindset. Und sobald diese Grundeinstellungen bei den Führungskräften und den Mitarbeitern gegeben wären, könnten sie sich auch in althergebrachtem Rahmen entfalten. Agilität könnte eigentlich schon lange angewendet werden.

Das Mindset ist jedoch eine persönliche Eigenschaft, die vor allem während der Ausbildung in Richtung eines opportunistisch willigen Befehlsschemas geformt wird. Was immer schon Agilität verhindert hat, sind Menschen, die Führungskräfte und die Mitarbeiter gleichermaßen, denen das entsprechende Mindset fehlte, z.B.

  • das Vertrauen, dass alle am gleichen Strang ziehen;
  • das Team-Lernen, das die gemeinsamen Fähigkeiten erweitert;
  • das Feedback, das wertschätzende Verbesserungsvorschläge liefert;
  • die Kultur, die auf ethischen Werten nicht auf Paragrafen aufbaut;
  • das intrinsische Commitment, das jedes Teammitglied verbindlich in Schwung hält.

Die folgenden Eigenschaften haben Agilität unterminiert.

  • Mikromanagement
    Dies ist keine formale Anforderung der Führung, sondern der intrinsische Druck Einzelner, sich in jede Einzelheit einmischen zu müssen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es darum geht, das Beste zu wollen oder ob die Einmischung in die Feinheiten aus fehlendem Selbstvertrauen stattfindet.
  • Fehlerintoleranz
    Allen sollte bewusst sein, dass alles immer besser gemacht werden kann. Aus diesem Grund sollten alle Ergebnisse gefeiert werden. Ab wann man von einem Fehler sprechen kann, hängt vom Betrachter ab. Besonders störend für das Team sind die Personen, die mit eigenen Fehlern großzügig umgehen und mit Fehlern von anderen Perfektionismus bis zur Aggression betreiben.
  • Schuld- statt Lösungssuche
    Bei der Arbeit wird an der Betonung von Mängeln und andauernden Vorhaltungen erkennbar, ob es um die Suche nach Schuldigen oder um die Suche nach einer Lösung geht. Agilität wirkt, wenn Lösungen erzielt werden. Am Ende bestimmen die Rückmeldungen der Kunden über die Güte.
  • Unentschlossenheit
    Eine Voraussetzung von Agilität ist die entschiedene Vorgabe von klaren Zielen. Durch die entsprechende Smartifikation von Zielen schafft man eine bestmögliche Klarheit. Schwierig wird es, wenn die Entscheider sich nicht entscheiden können und zwischen unterschiedlichen Zielen hin und her oszillieren.
  • Double Binding
    Die Welt ist nicht Schwarz oder Weiss, sondern Grau in unendlichen Schattierungen. Das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen, ist in diesen Graubereichen immer möglich. Gefährlich sind die Double-Binder, Leute, die sich zwei Varianten wünschen und am Ende kritisieren, wenn eine Lösung nicht so perfekt ist, wie sie es sich vorgestellt haben, unabhängig von der Perfektion der anderen Lösung – und natürlich vice versa.
  • Energiefresser
    Agilität lebt von dem eigenen Schwung und den erworbenen Fähigkeiten. Energiefresser haben gelernt, andere für die eigenen Interessen auszunutzen. Dadurch lasten sie anderen ihre eigenen Aufgaben auf, indem sie Unterstützung einfordern und unentwegt andere aus ihrem Rhythmus bringen.

Agilität ist in Zukunft ein Muss, da die Reaktionszeiten gegen null gehen. Es ist nicht mehr möglich, bei jedem Schritt nach Führung und Hilfe zu rufen. Das Geschäft gewinnt der Mitarbeiter an der Schnittstelle zum Kunden genau in dem Moment, wenn der Kunde da ist.

Fazit: Häufig wird neuer Wein in alten Schläuchen als etwas Schlechtes angesehen. In dem Fall von Agilität ist es jedoch eher Ausdruck des jahrzehntelangen Unvermögens die Fähigkeiten der Mitarbeiter so nutzen zu können, wie es die Mitarbeiter eigentlich gerne hätten. Die Hürden auf dem Weg dorthin sind einzelne Mitarbeiter, die durch den entsprechenden Auftrieb in führende Positionen gelangt sind. Sie stören durch ihr Mikromanagement, Fehlerintoleranz, Schuld- statt Lösungssuche, Unentschlossenheit, Double Binding und grenzenlosem Energieappetit. Vor irgendwelchen strukturellen Veränderungen braucht es die Entwicklung des erforderlichen agilen Mindsets, z.B. Vertrauen, Team-Lernen, Feedback, Kultur und intrinsisches Commitment. Dann erzeugt Agilität seine Wirkung – obwohl es eigentlich schon lange angewendet werden könnte.

Der Wilde Westen – die ideale Metapher für das Internet

Von jeher ist die Freiheit ein Kernthema der Diskurse – persönlich, gesellschaftlich, politisch, ethisch, wirtschaftlich, künstlerisch usw. Wollen wir nicht alle zwanglos unsere Interessen verfolgen, ohne dass wir durch Gesetze, Vorschriften, Richtlinien oder Ähnlichem davon abgehalten werden. Die neuen Möglichkeiten des Internets mit egal wem, egal wo und egal wann in Kontakt treten zu können haben den Begriff der Veröffentlichung, die Besitzstände der Kreativen und die etablierten Medien über Nacht ad absurdum geführt. Betrachten wir die Verantwortlichkeit und fragen wir uns, warum die Anbieter von Plattformen, d.h. die Betreiber einer Webseite, die nichts weiter als öffentlichen Speicherplatz für Daten und Navigation bereitstellen, für die dort abgelegten Inhalte haftbar gemacht werden. Eigentlich ist das so, als wäre eine Telefongesellschaft verantwortlich für die Telefonate, die Kriminelle führen, um Betrügereien durchzuführen, oder als würde man ihnen zur Last legen, dass Terroristen übers Telefon Attentate abstimmen. Die neue EU-Richtlinie bezüglich des Urheberrechts im digitalen Binnenmarkt hat eine Fülle von Problemen und Interessen sichtbar gemacht. Das Ganze erinnert stark an die Zeiten des Wilden Westens, als bei der Besiedelung ein rechtsfreier Raum dazu führte, dass sich die Stärkeren einfach gemacht haben, was sie wollten.

Am Ende ging es schon immer um den Zugriff auf wertvolle Vermögenswerte – im Wilden Westen fruchtbares Land und heute kostbare Daten, wie Texte, Bilder, Videos, Formeln usw. Die Schwierigkeiten ergeben sich aus den ähnlichen Hoffnungen der Protagonisten im Wilden Westen und im Internet.

  • Wirtschaftliche Interessen
    Der Wettlauf in den Westen wurde angetrieben durch die Aussicht auf ein neues Leben – zuerst die Jäger und Sammler, die sogenannten Trapper, dann die Siedler in ihren Planwagen, die Squatters und Rancher, und schließlich die Farmer, die dokumentierten Besitz erwarben. Das Geld lag quasi auf der Prärie.
    Auch das Internet begann 1989 mit einer einfachen Idee – Peer-to-Peer-Vernetzung im World Wide Web, Hyperlinks und standardisierte Protokolle. Parallel zu den Computern in jedem Haushalt, eroberten viele Softwareanbieter die Märkte der Browser-, E-Mail- und Anwendungsprogramme. Wer erinnert sich schon an die Zeit vor FANG (Facebook, Amazon, Netflix und Google).
    Dem Wilden Westen und dem Internet gemeinsam ist der Ausblick auf ein einträgliches Geschäft. Die wirtschaftlichen Absichten beuten ungeregelte Bedingungen des neuen Wirtschaftssektors aus.
  • Vermeintliche Grenzenlosigkeit
    Geschürt wurde die Hoffnung der amerikanischen Siedler durch die schiere Grenzenlosigkeit des Landes. Mit drei Kilometern pro Stunde bewegten sich die Trecks Richtung Westen. In Ermangelung von Besitzurkunden besetzten die Siedler das vermeintlich niemandem gehörende Land, zogen ihre Zäune und postulierten damit einen Besitzanspruch. Die eigentlichen Bewohner, die amerikanischen Ureinwohner, denen der Begriff Landbesitz unbekannt war, wurden de facto enteignet und in Reservaten eingepfercht.
    Auch das Internet war zu Beginn grenzenlos. Mit der Möglichkeit multimediale Inhalte hinterlegen und abrufen zu können, entwickelten sich langsam neue Geschäftsideen. Die ersten Tauschbörsen lehrten den Inhaltsanbietern der Film- und Musikindustrie das Fürchten. Mit den viablen B2C-Ansätzen (z.B. Freemium, Long Tail, Pay per Use) eroberten sich die Konzerne den Markt zurück. Heute binden sich die Anwender mit regelmäßigen, monatlichen Zahlungen fest an Anbieter, wie Netflix und Spotify.
    In den über zwanzig Jahren World Wide Web wurden die Urheber völlig vergessen. Die Erzeuger gehen leer aus, obwohl sie die Inhalte erstellen, die die Plattformanbieter durch Werbung und Ähnlichem zu Geld machen.
  • Fehlende Regeln
    Unser Bild vom Wilden Westen ist geprägt von bewaffneten Gesetzlosen, die Banken und Postkutschen überfallen und friedliche Bürger terrorisieren. Gleichzeitig sprechen Richter lokales Recht und Sheriffs sichern die Einhaltung nach Gutdünken. Die latente Gesetzlosigkeit hat sich aus der Ferne von der offiziellen Gerichtsbarkeit ergeben. Es galt das Recht des Stärkeren.
    Schon früh hat sich im Netz eine ähnliche Regellosigkeit gebildet, die dem neuen Medium und der fehlenden Erfahrung geschuldet ist. Das beginnt mit dem unentgeltlichen Zugang und der Wiederverwendung von Inhalten und geht bis zu dem anonymen Mobbing in sozialen Netzen. Jedoch hätte sich das Internet ohne die Offenheit, zwar mit den guten und schlechten Folgen für bestimmte Personen, nicht so schnell weltweit verbreitet.
    Unterschiedliche Kulturen und Rechtssysteme haben die Einführung von verbindlichen Rechten und Pflichten behindert. Vor allem für die Generationen Y und Z ist die Notwendigkeit die Schöpfer von Inhalten zu vergüten schwer zu verstehen, da sie auf die Inhalte offensichtlich umsonst zugreifen können.
  • Rücksichtslose Ausbeutung
    Vor der Besiedelung des Westens zogen Millionen von Büffeln durch die Prärie. Den amerikanischen Ureinwohnern lieferten die Bisons Nahrung, Kleidung und die Grundlagen für die Herstellung von Werkzeugen und Zelten. Die Jäger dieser Zeit töteten nur so viele Bisons, wie sie alltäglich brauchten. Die Büffel wurden schließlich für die Massenproduktion von Stiefeln und zur Versorgung der Arbeiter bei dem Bau der Eisenbahn fast vollständig ausgerottet.
    Zu Beginn des Internets tummelten sich überall Computernerds, die die Einsatzmöglichkeiten ausloteten. Mit der Vernetzung lösen sich die geografischen Entfernungen auf und jede angeschlossene Region der Welt ist mit einem Mausklick Teil des Ganzen. Die Digitalisierung der Bücher, Musik und Filme ermöglicht das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Produkten, ohne dass die Urheber dies kontrollieren können. Nutznießer sind nicht nur die üblichen Vertriebe, sondern auch Plattformen, die ihre Vorteile aus Anwenderdaten und Vermittlungsprovisionen ziehen.
    Heute umgehen Anbieter im Internet die Vorgaben der Kultur-, Logistik-, und Tourismusbranchen – Amazon verdrängt lokale Buch- und Schallplattenläden nicht als Buchhändler, sondern als Logistikanbieter; Uber bietet Personentransporte außerhalb der gesetzlichen Regelungen; Airbnb vermittelt private Übernachtungen ohne die Verpflichtungen der Hotelbranche.

Fazit: Die wirtschaftlichen Interessen, die vermeintliche Grenzenlosigkeit, fehlende Regeln und die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen ähneln sich bei der Erschließung des Wilden Westens und beim World Wide Web. Das macht den Wilden Westen zur idealen Metapher für das Internet.

P.S.: Es ist wichtig, dass die Inhalteanbieter ihren wirtschaftlichen Anteil erhalten und gleichzeitig die Anwender einen Zugang zu Informationen behalten – ohne Überbürokratisierung, d.h. ohne den Regelwahn, der das eigentliche Arbeiten behindert. Dabei muss die Vergütung von geistigem Eigentum sichergestellt sein, da es ansonsten keine neuen Inhalte mehr gibt.

Die Fahnenstange – die ideale Metapher für die Endlichkeit der Möglichkeiten

Mit einer zunehmend digitalen Welt der Dienstleistungen wird es immer schwerer, die Begrenzungen der Tätigkeiten auszumachen. Diese neuen Merkmale unserer Arbeitswelt haben keine Abmessungen, keine Flächen, kein Gewicht, keine Temperatur – kurz sie lassen sich nicht mit den üblichen Geräten messen. Was bleibt sind Eigenschaften wie Dauer, Geschwindigkeit, Freundlichkeit, Verfügbarkeit des Services – z.B. die Zubereitung einer Mahlzeit inkl. Getränk 2-3 Minuten; Lieferung einer Pizza 30 Minuten; Freundlichkeit der Telefonberatung (Anzahl Sterne); 24/7 Bestellservice. Und wie werden Leistungen der Mitarbeiter gemessen? Zählen wir die Tastenanschläge, die ein Ingenieur bei der Entwicklung eines neuen Produkts macht – wenn Denken ein wichtiger Teil der Arbeit ist? Oder die Anzahl Folien, die ein Mitarbeiter pro Stunde erzeugt – wenn oft nur kopiert wird? Oder die Anzahl Pizzas, die geliefert werden – wenn manche sehr weit unterwegs sind? Es fehlen allgemeine Messgrößen, die uns bei der Verteilung der Aufgaben unterstützen. Durch diese Auflösung der materiellen Eigenschaften in der virtuellen Welt verlieren wir unsere Orientierung und das Gespür für die Begrenztheit der Möglichkeiten.

Dabei ist auch die virtuelle Welt beschränkt. Wir haben nicht grenzenlos Zeit oder Budget oder Ideen. Um uns diese Grenzen greif-barer zu machen, liefern die Eigenschaften eines Fahnenmasts eine passende Metapher für die Aspekte einer Dienstleistung.

  • Die Stange
    Die Größe des Handlungsspielraums wird durch die Länge des Fahnenmasts symbolisiert. Hier zeigen sich bereits Sonderfälle – wenn es sich beispielsweise um eine Teleskopstange handelt, die unterschiedlich lang ausgefahren werden kann. Oder modulare Stangen, die man durch anschraubbare Erweiterungen verlängern kann.
    Auf ähnliche Weise sind Dienstleistungen in der Lage die Möglichkeiten durch eingebaute Puffer oder künstliche Zusatzbausteine zu bestimmen – die Höhe des Budgets oder die Verlängerung eines Services.
  • Der Ausleger
    Der Zweck des Mastes ist es ein weithin sichtbares Zeichen zu setzen.. Bei Windstille könnte die Fahne zusammenfallen. Für diesen Fall steht ein Ausleger zur Verfügung, der die Fahne zu jeder Zeit sichtbar hält. Ein gutes Beispiel wurde auf dem Mond platziert – auch wenn die Fahnen durch die UV-Strahlung zwischenzeitlich weiß gebleicht sein sollten.
    Der Einsatz von IT kann eine Dienstleistung auch zu ungewöhnlichen Zeiten anbieten – wenn eine geringe Anzahl von Kunden den Einsatz von Mitarbeitern unwirtschaftlich macht, liefern Webseiten einen virtuellen Ladentisch.
  • Die Kordel
    Um die Flagge auf eine beliebige Flughöhe zu bringen nutzt man eine Kordel. Normalerweise wird die Flagge bis zur Spitze gezogen oder andernfalls eingezogen – außer: In besonderen Fällen wird Halbmast gehisst.
    Ein wichtiger Vorteil der virtuellen Welt ist Skalierbarkeit, die einfach den Service an die vereinbarten SLAs anpasst – sobald eine bestimmte Antwortzeit nicht mehr gegeben ist, erweitert man die Rechnerleistung solange, bis die gewünschten Antwortzeiten erreicht sind.
  • Die Klampe
    Um die Flaggenhöhe zu halten, muss die Kordel festgebunden werden. Hierzu haben Seilsysteme schon immer Klampen genutzt. Das sind besondere Haken, an denen die Kordel verknotet wird. Die Klampe markiert oft den tiefsten Punkt der Fahne.
    In der virtuellen Welt fehlen physische Haken, an denen man sich orientiert. Aus diesem Grund werden hier Richtlinien vergeben, die durch ein Regelwerk oder eine Governance festgelegt werden.
  • Die Spitze
    Das Ende des Fahnenmasts ist an der Spitze erreicht. Ohne ein passendes Erweiterungsstück geht es hier nicht weiter. Die Macht des Faktischen bestimmt, dass die Fahne hier nicht höher gezogen werden kann.
    Befindet man sich in der nicht-materiellen Welt, sind diese natürlichen Grenzen verschwunden. Zumindest sind die Beschränkungen schwer zu ermitteln – wann Mitarbeiter am Limit arbeiten oder eine Leistung noch besser (was immer das heißt) erledigt werden kann. Dieses Mehr-Geht-Nicht können die Mitarbeiter selbst nicht bestimmen.
  • Der Sockel
    Unbeachtet bleibt das Fundament, das den Mast aufrecht hält. Dies ist der tiefste Punkt, an dem die Klampe befestigt werden könnte. Auch hier ist das Ende des Fahnenmasts erreicht.
    Das „untere“ Ende der virtuellen Welt lässt sich in Ermangelung von räumlicher Ausdehnung schwer bestimmen – werden Erwartungen nicht erfüllt, kann das zu bodenlosem Reputationsverlust führen, der sich schwer beheben lässt. Deshalb müssen die Grenzen einer Dienstleistung so beschrieben sein, dass keine falschen Hoffnungen geweckt werden.

Fazit: Die physische Welt liefert einem, im Gegensatz zur virtuellen Welt der Dienstleistungen, klare Grenzen durch ihre Stofflichkeit. Die Fahnenstange ist ein Artefakt, das dies veranschaulicht – die Stange als der Möglichkeitsraum, der Ausleger als Stabilisator, die Kordel als Einstellmittel, die Klampe als zusätzliche Einschränkung, die Spitze als obere und der Sockel als untere Grenze. Den Dienstleistungen fehlen solche Referenzpunkte. Sie müssen künstlich festgelegt und messbar gemacht werden. Da der Mast die wichtigen  Aspekte liefert, kann man sich an diesem Beispiel orientieren. Das macht die Fahnenstange zur idealen Metapher für die Endlichkeit der Möglichkeiten.

Die Krux des richtigen Zeitpunkts

Heutige Unternehmer sind einer wesentlich volatileren Welt ausgeliefert. Vielleicht ist das der Grund, dass sie auf der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt sind. In der Vergangenheit war die Entwicklung von Neuheiten weit fortgeschritten, wenn das Marketing aufgesetzt wurde. Heute beginnen Start-ups mit ihrer Vermarktung, sobald eine Idee auf einer Seite sowie ein Businessplan das Unternehmen und die ersten drei Geschäftsjahre beschrieben vorliegen. Dadurch können Investoren frühzeitig Geldmittel für die Entwicklung der Idee bereitstellen. Die Krux ist, dass sich in diesem Moment das zukünftige Angebot noch in einem vagen Zustand befindet. Alle müssen sich die Frage stellen: Wann ist der richtige Zeitpunkt um mit welchem Detaillierungsgrad am Markt sichtbar zu werden.

Im Rückblick, mit den tatsächlichen Auswirkungen vor Augen, sind alle schlauer und wissen, warum etwas (nicht) geklappt hat. Für Gründer sind jedoch vorab Anhaltspunkte für den Reifegrad ihrer Neuerung hilfreich. Neben einem realistischen Businessplan sollte das Produkt und/oder die Dienstleistung so beschrieben sein, dass der Anwendungskontext, die Leistung, die Gestaltung und etwaige Extras klar skizziert sind.

  • Anwendungskontext
    Jedes Angebot ist für einen oder mehrere Anwendungsfelder vorzubereiten. Das reicht von den thematischen Einsatzgebieten, über die geographischen Einsatzorte, bis hin zu den entsprechenden Zielgruppen und den jeweiligen Anwendungsfällen. Eine Schlagbohrmaschine findet eher keine Anwendung in einem Operationssaal. Eine Software mit einer chinesischen Oberfläche wird sicher kein Renner in Europa. Eine Kletterausrüstung bringt dem Leichtathleten nichts. Und nur im Notfall, wenn kein Skalpell zur Hand ist, wird ein Chirurg den Luftröhrenschnitt mit einem Küchenmesser vornehmen. Welche Bedingungen sind zu berücksichtigen? Welche Zielgruppe wird anvisiert? Welches sind die üblichen Anwendungsfälle?
    Darum: Verdeutlichen Sie mindestens einen Anwendungskontext mit seinen Bedingungen.
  • Leistung
    Eine Leistung kann ein Produkt oder eine Dienstleistung oder ein Mix aus beidem sein. Beschreiben Sie die Eigenschaften bzw. den Nutzen sowie die erforderlichen Inputs und erzeugten Outputs. Die Leistung setzt sich zusammen aus dem praktischen, symbolischen und wirtschaftlichen Nutzen. Sie sollten ohne eine ausreichende Beschreibung der Leistung, raus aus dieser nichtssagenden Werbeschleife. Es bringt nichts, von dem besten und einfachsten Produkt oder der freundlichsten und schnellsten Dienstleistung zu sprechen. Welche technischen Eigenschaften hat das Produkt? Welche Aufgabe erfüllt die Dienstleistung? Wie unterstützen Form, Farbe und Haptik die Anwendung? Was erleichtert den Anwendern den Einsatz? Welche Extras werden bereitgestellt – Beratung, Kundendienst, Finanzierung? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden? Was sind beispielhafte Ergebnisse?
    Darum: Beschreiben Sie das Produkt und die Dienstleistung so, als wäre sie bereits lange am Markt.
  • Gestaltung
    Die Gestaltung der Leistung ist entscheidend für die Abnahme durch die Kunden. Es gibt keine Leistungen, ohne dass sie gestaltet werden müssen, da sie alle Teil der realen Welt sind. Ein hässliches Gerät wird sich nicht durchsetzen. Eine befremdliche Nutzeroberfläche stößt ab. Die fehlende Einordnung zu einer Stilrichtung liefert zwar ein Alleinstellungsmerkmal, aber die Kunden müssen sich erst einmal daran gewöhnen. Wie wollen Sie wahrgenommen werden (z.B. bestes Produkt, kundennahe Einzellösung oder günstigste Leistung)? Welche Erinnerungen lassen sich mit der Leistung verknüpfen? Welche Gliederungen (z.B. Stil, Inhalt) sind möglich? Wie eindeutig möchten Sie sich positionieren?
    Darum: Gestalten Sie die Leistung so, dass die gewünschte Zielgruppe erreicht und überzeugt wird.
  • Verpackung
    Die Verpackung hat bestimmte Aufgaben zu erfüllen – was Sie in den vielen Unboxing-Clips bei YouTube verfolgen können. Die Verpackung sollte von vorneherein bedacht werden. Sie dient zum Schutz, zur Lagerung und zum Transport. Mit der entsprechenden Gestaltung dient sie als Werbefläche und fördert zusätzlich den Verkauf. Bei Dienstleistungen sind Verpackung das Layout des Ladengeschäfts, die Bekleidung der Mitarbeiter und die Ergonomie der Webseite. Welche Verpackung benötigt das Produkt? In welchem Rahmen werden die Dienstleistungen präsentiert?
    Darum: Erstellen Sie eine angemessene Verpackung für das Produkt und die Dienstleistung.
  • Extras
    Heute gehören zu allen Angeboten ergänzende Bestandteile, wie Zubehör und Extras, die zusätzliche Kaufanreize bieten. Immer komplexere Leistungen brauchen immer mehr fachliche Beratung und Unterstützung. Nachhaltige Kundenbindung wird durch informative Newsletters und eine lebendige Online-Community gefördert. Die besondere Garantie und günstige Finanzierungen runden das Angebot ab. Welche Extras können Sie ergänzend anbieten? Wie können Sie die Kunden geschickt beraten? Welche Gadgets können darüber hinaus angeboten werden?
    Darum: Das vervollständigte Sortiment sollte von Anfang an entsprechende Extras einplanen.

Auch wenn dieser Aufwand sehr hoch erscheint, so sollten Sie sich bewusst machen, dass es sehr schwer ist, ein Marketing für etwas zu entwickeln, das noch nicht im Einzelnen beschrieben werden kann. Die Krux dabei ist die Frage, wann Sie ausreichend vorbereitet sind. In jedem Fall spricht viel dagegen, frühzeitig, mit der ersten Idee, oder sehr spät, wenn alles fertiggestellt ist, mit dem Marketing zu beginnen. Wollen die Leute mehr Details wissen, ist es sehr wahrscheinlich zu wenig. Winken sie aufgrund von zu viel Information ab, dann ist es wohl zu viel.

Fazit: Die Tendenz der Start-ups frühzeitig ihre Webseiten zu entwickeln und die entsprechenden Marketingmaßnahmen zu planen ist ungeschickt, da sich noch viel ändert und in der Folge angepasst werden muss. Der erste Schritt ist in jedem Fall die Vorbereitung des Produkts und/oder der Dienstleistung: Beschreibung des Anwendungskontextes, der Leistung, der Gestaltung und Verpackung sowie der Extras. Die Krux des richtigen Zeitpunkts bleibt. Hauptsache, Sie werden nicht zu früh oder zu spät aktiv.

Den eigenen Rhythmus finden

Wie viel Veränderung Einem Respekt abverlangt, ist für jeden anders. Es beginnt mit den kleinen Schwankungen, die die verinnerlichte Routine abfälschen. Der Schreibtisch, den jemand aufgeräumt hat. Der tägliche Weg zur Arbeit, der durch eine Baustelle versperrt ist. Es sind die Modifikationen, die vertraute Gewohnheiten verunmöglichen. Die Einführung eines neuen IT-Systems oder die Neuverteilung der Aufgaben, die ein anderes Vorgehen erfordern, weil die alten nicht mehr gültig sind. Und dann gibt es noch die grundsätzlichen Umwälzungen, die alle Aspekte des Lebens betreffen. Der Ausstieg aus dem aktuellen Leben, wenn man auswandert oder seinen bisherigen Berufsweg verlässt. Unabhängig davon, wie stark die Umwälzungen sind, müssen alle mit einem eigenen Rhythmus auf den Wandel reagieren.

Da der Wandel einen unentwegt mit unterschiedlicher Stärke fordert, ist es hilfreich eine Routine zu entwickeln, die das Momentum der Veränderung so lange erhält, bis man sich an die neue Routine gewöhnt hat. Dabei kann man die folgenden Ansätze nutzen und jeweils mit etwas Besonderem zelebrieren.

  • Der erste Schritt
    Die Veränderung beginnt erst, wenn man sich tatsächlich in Bewegung setzt. Dabei ist der erste Schritt hin zu dem Neuen entscheidend, um den Wandel zu starten. Auch wenn dieser erste Schritt klein und unbedeutend erscheint, ist dieser Quantensprung der Anfang, egal wie lang der Weg ist.
  • Der erste Tag
    Es ist sinnvoll den ersten Tag zu feiern, den man nach dem ersten Schritt hinter sich gebracht hat. Nicht die Flinte ins Korn geworfen zu haben, macht den ersten Tag zu einem wichtigen Fortschritt in Richtung Veränderung. Bemerkt man dann bereits erste Ergebnisse, ist die Fortsetzung am folgenden Tag sichergestellt.
  • Die erste Woche
    Nach einer Woche zeigen sich die ersten Anzeichen der neuen Routine. Das Neue ist jetzt bereits mehrfach angewendet, auch wenn es noch nicht in Fleisch um Blut übergegangen ist. Die Tücke liegt im Detail, das in der Folge erkannt und bewältigt wird.
  • Der erste Monat
    Je nach dem Umfang sind nach einem Monat bereits viele Aspekte der Änderung bekannt. Die Hürden des ersten Tages sind vergessen. Es ist viel eingeübt, was daran erkennbar wird, dass man die erlangten Fähigkeiten gar nicht mehr bewusst wahrnimmt.
  • Das erste Quartal
    Nach drei Monaten befindet man sich bereits im alltäglichen Fluss. Die Aufgaben werden routiniert ausgeführt. Die Folgerichtigkeit früherer Vorgehen wird abgelöst von den neuen Fertigkeiten und Schlüssen, die einem jetzt zur Verfügung stehen.
  • Das erste Halbjahr
    Nach einem halben Jahr ist man vollständig eingearbeitet. Die eigenen Werte und Überzeugungen wurden angepasst. Die Überraschungen, die jetzt aus dem Nichts erscheinen, finden sowieso statt, egal wie eingeübt man ist. Vergangene Ansätze fallen einem schwer, da man sich gar nicht mehr in das Alte hineindenken kann.
  • Das erste Jahr
    Nach einem Jahr sind die Erinnerungen ans Alte verblasst. Alte Vorgänge lassen sich nur noch schwer rekonstruieren. Die Erinnerungen daran erzeugen ein ungutes Gefühl, da sich das Neue bewährt hat. Am Horizont ist bereits der nächste Wandel erkennbar.

Jeder hat seine ganz persönliche Herangehensweise an Umgestaltungen. Dies reicht von bloß nichts anders machen, bis hin zu jede Veränderung ist willkommen. Die Rituale, die man sich einfallen lässt, um die Veränderung zu verkraften, bestimmen die Schwierigkeiten, mit denen man umgehen muss. Da der Wandel vor allem im Kopf stattfindet, reicht es umzudenken. Schafft man das nicht, dann kostet die Umstellung mehr Kraft, als wenn man das Neue offen annimmt.

Fazit: Die Umsetzung von Veränderungen stößt von Natur aus auf Widerstand. Vor allem, wenn die Betroffenen keine Gelegenheit haben, sich mental darauf einzulassen. Für die einzelnen Betroffenen ist es hilfreich, die Metamorphose zu feiern. Und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Um die Neuerungen in dem eigenen Kopf ansprechend zu verankern, findet man am besten seinen Rhythmus: der erste Schritt; der erste Tag; die erste Woche; der erste Monat; das erste Quartal, das erste Halbjahr; das erste Jahr. Über die Zeit werden Abweichungen zum Normalzustand.

Warum soll ich?

Im Egotop der eigenen, kleinen Wohnung wird alles bestimmt von den Interessen des einen Bewohners. Er muss sich mit niemandem abstimmen, muss nicht permanent auf andere Rücksicht nehmen und kümmert sich erst, wenn er dazu in Stimmung ist. Im Soziotop einer Wohngemeinschaft begegnen sich unterschiedliche Lebensstile, Einstellungen und Geschmäcker. Die gefühlte Verpflichtung sich um den gemeinsamen Wohnraum zu kümmern kann bei allen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Im Bad und der Küche stoßen die verschiedenen Empfindlichkeiten aufeinander. Ein Workaround ist heute die Beschilderung von Lebensmitteln und Getränken mit dem eigenen Namen, in der Hoffnung, seine persönlichen Einkäufe bei Bedarf wiederzufinden. Das Schicksal schlägt zu, wenn es ums Geschirr geht. Sobald der erste schmutzige Teller stehen bleibt, sammeln sich in Lichtgeschwindigkeit weitere gebrauchte Teller, Gläser, Messer, Gabeln und Löffel an. Warum sollte man sich denn darum kümmern?

Familiäre und kulturelle Unterschiede führen zu ungleichen Reizschwellen, die, sobald sie überschritten werden, dazu führen, dass sich jemand kümmert, weil der persönliche Leidensdruck zu groß wird.

  • Beauftragung
    Der offizielle Anstoß ist eine temporäre Zuordnung der Aufgabe. Sobald jemand verpflichtet wird eine Angelegenheit zu erfüllen, beispielsweise im Geschäftsleben in Form einer Stellenbeschreibung oder einem direkten Befehl, wenn die Befugnisse ausreichen, um die geforderten Ergebnisse in der bestimmten Qualität zu liefern, bleibt dem Zuständigen nur wenig Freiraum, um sich zu drücken.
    Die formalisierte Beauftragung mit der klaren Beschreibung der Aufgabe ist der gängige Weg.
  • Karrieregründe
    Aus der Übernahme von unbeliebten Aufgaben können sich für die Zuständigen karrieristische Vorteile ergeben, die ausreichen, um sich beherzt der Tätigkeit zu widmen.
    Die kalkulierte Beauftragung nutzt den Ehrgeiz und schafft eine Win-win-Situation.
  • Interesse
    Der intrinsische Reiz sich einer Aufgabe zu widmen ergibt sich auf natürlichem Weg, wenn die Inhalte ein bestimmtes Interesse befriedigen. Und jede Aufgabe kann interessant sein – auch allgemein unbeliebte Routinetätigkeiten.
    Die intrinsische Übernahme einer Aufgabe aufgrund einer Passion fördert das Wohlbefinden des Auftragnehmers.
  • Gemeinsinn
    Ein besonderer Drang ergibt sich aus dem altruistischen Antrieb Aufgaben zu erledigen, um die Welt dadurch zu verbessern.
    Der altruistische Tatendrang eine Aufgabe zum Wohl der Gesellschaft zu erledigen stärkt das Selbstwertgefühl des Ausführenden.
  • Langeweile
    Sobald die innere Uhr immer langsamer läuft, die Zeit nicht vergehen will, einem die Decke auf den Kopf fällt und man nichts Besseres zu tun findet, dann ist Langeweile schlimmer, als jede ungeliebte Aufgabe.
    Die zerstreuende Erfüllung von sonst reizlosen Aufgaben vertreibt dem Durchführenden die Zeit.
  • Leidensdruck
    Wenn die aktuelle Lage so unangenehm ist, dass der Leidensdruck über den persönlich akzeptablen Grenzwert steigt, dann führt das schnell zur Beseitigung des störenden Missstands.
    Die kurative Übernahme einer Aufgabe erfolgt selbstständig, um die akuten „Schmerzen“ durch die Erledigung der Aufgabe zu beheben.

Fazit: Es gibt Aufgaben, die die aktive Bearbeitung erfordern. Die Gründe sich darum zu kümmern, sind vielfältig. Sie reichen von einer temporären Beauftragung, bauen auf Interesse, kalkulierte Karrieregründe und altruistischen Gemeinsinn, bis hin zur Vermeidung von Langeweile und der Behebung eines persönlichen Leidensdrucks. Die Verschiedenheit der Charaktere führt meistens zur Erledigung der Aufgabe. Die erste ist im Extremfall die letzte Möglichkeit – die Beauftragung. Mit der Beantwortung der Frage „Warum sollte ich?“ startet die Umsetzung – früher oder später.

Die einfache Formel für einen Text

Sie haben sich dafür entschieden, Ihr „Hallo Welt“ schriftlich auf den Weg zu bringen. Der fertige Text schwebt bereits vor Ihrem inneren Auge. Allerdings erfordert der Weg aus Ihrer Vorstellung aufs Papier oder in den Computer Leitplanken, die Sie auf der Spur halten. Im Gegensatz zu dem Gehalt eines Textes folgt der formale Aufbau einer überraschend einfachen Formel.

Die folgende Struktur liefert einfache Hinweise für Blogbeiträge, Artikel oder Buchkapitel – auch für Sie.

Ordnen Sie Ihren Inhalt!

Sie wissen, was Sie schreiben wollen. Sie haben Ihren persönlichen Stil. Sie tauschen sich immer wieder mit Anderen aus. Dies sind ideale Voraussetzungen, um Ihren Text auszuarbeiten. Die Aufgabe besteht jetzt darin, Ihre Gedankengänge zu organisieren. Machen Sie sich bewusst, was Sie bewirken wollen, welche Botschaften Sie haben, in welcher Reihenfolge Sie Ihr Argument entwickeln, indem Sie eine Skizze anfertigen.

Spüren Sie Ihre Zielgruppe auf!

Die Ausrichtung auf eine bestimmte Zielgruppe ist entscheidend für die Wirkung Ihres Textes. Sie haben schon eine Vorstellung Ihrer Leser? Sie erahnen, was sie interessiert? Sie kennen deren Jargon? Mit diesen Vorstellungen finden Sie passende Wörter, wählen einen Textton und fördern, dass die Leser bis zum Ende des Textes durchhalten und schlussendlich sich mit Ihrem Text auseinandersetzen. Mit PERSIE wird eine Art Dialog mit dem Leser möglich, der neue Einsichten auslöst.

Nutzen Sie die Signalwirkung des Titels!

Beim Titel entscheiden die meisten Leser innerhalb von ein bis zwei Sekunden, ob sie weiterlesen oder nicht. Das gilt nicht mehr nur im Web, sondern genauso bei einem Printmedium. Die Überschrift sticht aus dem Fließtext heraus und vermittelt auf einen Blick, was sich der Leser erhoffen kann. Dies gilt vor allem für die Schlagzeile eines Artikels. Darüber hinaus verschaffen Absatz-/Kapitelüberschriften einen schnellen Zugang zu dem Gedankenfluss. In wenigen Worten formulieren Sie hier Lösungen, Nutzen und Anreize, die der Zielgruppe neue Perspektiven bringen.

Starten Sie mit einem Einblick!

Ziehen Sie Ihren Nutzen aus einer Einleitung, die das geweckte Interesse weiter verstärkt. Mit dieser Vorspannung, der Einleitung, können Sie beim Leser einen Rahmen erzeugen, der den späteren Hauptteil eingängiger macht. Sie etablieren einen nachvollziehbaren Kontext, bereiten auf die Kernbotschaften vor und liefern jedem Einzelnen Gründe weiterzulesen. Antizipieren Sie die wesentliche Fragestellung Ihrer Zielgruppe und fordern Sie die Leserschaft durch skeptische Aussagen heraus.

Vermitteln Sie den Durchblick!

In Ihrem Hauptteil entfalten sich Ihre eigentlichen Botschaften und Erklärungen. Dieser Teil ist der umfangreichste und erfordert einen Spannungsbogen, der die Leser in seinem Bann hält. Dies wird durch Absatztitel (s.o.) möglich, die dem Leser einen Überblick bieten und die Neugier immer wieder anstachelt. Zusätzlich sollten Sie darauf achten, dass die Inhalte den Lesern Erklärungen, Möglichkeiten und Vorteile eröffnen sowie die übergreifende Botschaft verdeutlichen.

Enden Sie mit einem Ausblick auf mehr!

Achten Sie darauf, dass Sie den Leser nicht abrupt zurücklassen, nachdem Ihr Argument schlüssig abgeschlossen ist. Stellen Sie sicher, dass Ihre Botschaft noch nachwirkt, indem Sie mit einem Ausblick einen Nachhall erzeugen. Nach dem Text ist vor dem Text. Fassen Sie den Lesern die neuen Einsichten zusammen und erzeugen Sie eine Brücke zu weiteren Themen – es ist von Vorteil, wenn Sie den nächsten Text bereits vor Augen haben und darauf verweisen können.

Fazit: Sie werden sich bereits mit den obigen Themen beschäftigen. Und irgendwie sind die genannten Punkte jedem klar. Nichtsdestotrotz hilft es, wenn man sie von Zeit zu Zeit auffrischt. Natürlich haben Sie Ihren Inhalt vor Augen. Und sie wissen, für wen Sie schreiben. Sie kennen die Signalwirkung eines Titels. Und wahrscheinlich nutzen Sie eine Einleitung, um Ihre Botschaften wirksam zu framen sowie einen Ausblick über den Tellerrand hinaus zu liefern. Zugleich ist es immer wieder hilfreich, sich die obigen Variablen, die zusammen die einfache Formel bilden, bewusst zu machen. Nicht zu vergessen die weiteren gestalterischen Elemente, die die Wirksamkeit eines Textes noch steigern können, wie beispielsweise das Seitenlayout, die Schriftgröße und -formate sowie Visualisierungen aller Art.

Unbeabsichtigte Auswirkungen

Die meiste Arbeitszeit beschäftigen wir uns mit routinemäßigen Aufgaben, die getan werden müssen, aber weder eine Herausforderung noch einen Spaßfaktor darstellen. Da sie weder schwierig noch besonders aufwendig sind, werden sie nebenbei und ohne Eifer entschieden und abgearbeitet. Jemand besorgt USB-Sticks für die Mitarbeiter, die den Speicher vervierfachen und die nur noch einen Bruchteil kosten. Mit dem billigeren Hersteller aus China lassen sich abhängig von der benötigten Stückzahl einige Euros sparen. Das danach die Mitarbeiter regelmäßig ihre Daten verlieren oder den Stick nicht verbinden können, dadurch Kundengespräche scheitern, in der Folge wichtige Verträge nicht zustande kommen und am Ende der Umsatz des Unternehmens dramatisch einbricht, steht in keinem Verhältnis zu den 1250 Euros, die gespart wurden. Es ist die alte Geschichte, dass man sich durch kurzsichtige Einsparungen die Grundlage für den Geschäftserfolg zerstören kann – genau wie der Vorgesetzte, der einen Mitarbeiter abschießt, obwohl der Mitarbeiter der Grund für die eigene Position darstellt.

Entscheidungen erzeugen meistens nicht nur die angestrebten Ergebnisse, sondern man zahlt für dafür auch mit unbeabsichtigte Auswirkungen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

  • Blindheit
    Im Extremfall kann man sich gar keine Konsequenzen vorstellen – weder die gewollten und schon gar nicht die ungewollten. Dies ergibt sich aus einer kontextfreien Abwägung einer Entscheidung: Wähle ich die Lösung A oder die Lösung B? Da hinter einer Entscheidung ein Interesse steht wird leicht vergessen, dass auch Folgen entstehen können, die das Ergebnis nachträglich belasten.
    Aus diesem Grund sollten Sie bei einer Entscheidung nicht nur fragen, was Sie mit der einen oder anderen Alternative ermöglichen, sondern auch, ob unerwünschte Konsequenzen vorliegen, die Sie unter keinen Umständen erleiden möchten.
  • Banalisierung
    Die Vereinfachung einer Entscheidungssituation ist die ungewollte Herbeiführung der genannten Blindheit für die ungewollten Auswirkungen. Dies wird möglich, indem man mit Generalisierungen, Stereotypen und Mehrdeutigkeiten, die Einflussgrößen so vergröbert, sodass die Erkenntnisse beliebig werden. Diese Popularisierung macht zwar die Entscheidungen nachvollziehbarer, aber verbessern die Entscheidung in keiner Weise.
    Aus diesem Grund sollten Entscheidungen nicht banalisiert werden. Es gibt keine Gewähr, dass die gemachten Prognosen eintreten. Allerdings verbessern sich die Voraussagen, wenn man die Entscheidungsparameter angemessen berücksichtigt.
  • Begriffsstutzigkeit
    Eine weitere Variante, die zu einer Form von Blindheit führt, ist der Mangel an Verständnis, der durch zu wenig oder zu viel Information entsteht. Wie soll man vernünftig eine Entscheidung treffen, wenn man die Gegebenheiten nicht ausreichend kennt? Der Schmetterlingseffekt hat uns zwar beigebracht, dass man nie genug wissen kann, um eine zuverlässige Vorhersage abgeben zu können. Das bedeutet jedoch nicht, dass man auf mehr Klarheit verzichten sollte, um Entscheidungen besser treffen zu können.
    Aus diesem Grund sollte man stets die eigene Sicht hinterfragen. Liegen die wichtigen Informationen vor? Ist meine Sicht widerspruchsfrei? Habe ich alles verstanden? Da man aber nie alles überblicken und verstehen kann, bleibt immer ein Restrisiko, das jedoch mit mehr Klarheit sinkt.
  • Beschleunigung
    Unangenehme Entscheidungen werden oft übers Knie gebrochen. Man agiert mit der Einstellung: Wenn man schon nicht weiß, was für Ergebnisse sich ergeben, dann sollte man die Entscheidung wenigstens schnell treffen. Und das, obwohl diese Form der Hetze zu mehr ungewollten Auswirkungen führt.
    Aus diesem Grund sollte JEDER Entscheidung eine angemessene Dauer zugebilligt werden. Im Geschäftsleben gibt es selten Situationen, die in Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Der gesunde Menschenverstand rät, dass man jede Entscheidung überschlafen soll – um in der nächtlichen Batch-Verarbeitung zu einem besseren Schluss zu kommen.
  • Bias
    Gelegenheiten, die eine Entscheidung erfordern, werden belastet von unbewussten Verzerrungen der Wahrnehmung, der Erinnerungen, des Denkens und des Urteilens. Diese Filter nennt man kognitive Verzerrung oder Bias. Beispiel ist das Gruppendenken (Groupthink), bei dem eine Einzelperson sich von der Meinung der Gruppe beeinflussen lässt und schlechtere Entscheidungen trifft, als ohne die Gruppe. Ein anderes Beispiel ist die Kontrollillusion, die einem vermittelt, dass man zufällige Einflüsse, kontrollieren könnte.
    Aus diesem Grund sollte eine Entscheidung versachlicht werden, indem man beispielsweise neutrale oder die Positionen von anderen Personen einnimmt und aus diesen Sichten jeweils eine Pro-Con-Liste erstellt.

Fazit: Entscheidungen beinhalten nicht nur angestrebte Ergebnisse, sondern daneben immer auch Folgen, die vielleicht wenig mit dem Ergebnis zu tun haben, aber einem stark schaden können. Man sollte sicherstellen, dass ErSie die (un)gewünschten Folgen sieht, nicht durch übertriebene Vereinfachung beliebige Schlüsse zieht, durch angemessene Information besser Bescheid weiß, aufgrund ausreichender Zeit alles durchdenken kann und Verzerrungen der Wahrnehmung, der Erinnerung, des Denkens und des Urteilens vermeidet, damit keine unbeabsichtigten Auswirkungen erlitten werden.