Entscheiden mit System

Die heutigen Entscheidungen zeichnen sich aus durch Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität – kurz VUKA. Die Einflüsse befinden sich unentwegt in Bewegung und bieten mit ihrer Volatilität keine robuste Grundlage für mühsam ausgearbeitete Beschlüsse. Das Fehlen von Vorhersagbarkeit schafft Unsicherheit und belastet das Geschäft mit Überraschungen. Die Menge der Einflussfaktoren und ihre gegenseitige Abhängigkeiten schaffen eine schwer verstehbare Komplexität. Die nie hinreichend beschriebenen Merkmale lassen sich in alle möglichen Richtungen auslegen und erzeugen damit eine schwer handhabbare Mehrdeutigkeit (Ambiguität). In einer VUKA-Welt müssen Entscheidungen schnell erfolgen, um die Chance eines Einflusses auf die sich ändernden Bedingungen zu haben. Was es braucht, ist ein System, um zu entscheiden.

Das folgende System ist skalierbar. Je größer die Aufgabenstellung, desto mehr Aufmerksamkeit braucht der eine oder andere Schritt.

  • Problem und Ziel bestimmen
    Eine lange Analyse der Ausgangssituation ist in jedem Fall kontraproduktiv, da sie dazu führt, dass die Verhältnisse sich bereits weiterentwickelt haben, wenn man sich schließlich entscheidet. Ein Schnappschuss des zukünftigen Zielzustands reicht aus, damit die Beteiligten sich die Details der Lösung vorstellen können. Eine kurze Beschreibung des eigentlichen Problems und eine Vorstellung des gewünschten Zielzustands sind die Voraussetzungen für die nächsten Schritte.
  • Aspekte, Zusammenhänge und Beschränkungen verstehen
    Der Überblick der jeweiligen Aspekte einer Entscheidung, wie die betroffenen Personen, Informationen, Gegenstände, Örtlichkeiten, usw., ist der Startpunkt. Die relevanten Abhängigkeiten und Einflüsse zwischen den Bereichen bestimmen die Dynamik. Da wir nur mit 7plusminus2 Aspekten umgehen können, müssen wir uns darauf beschränken, diese Beziehungen einzeln zu betrachten. Neben diesen Beschränkungen, die sich aus den wechselseitigen Wirkungen ergeben, gesellen sich noch die Einschränkungen, die sich aufgrund von Regeln und Gesetzen ergeben. Entscheidend ist es, das Zusammenspiel zu verstehen – nicht zu versuchen aufwendig zu simulieren.
  • Alternativen entwickeln
    Auf Basis dieser Informationen beginnt die Suche nach denkbaren Wahlmöglichkeiten. Je größer die Unterschiede zwischen den Alternativen, um so wahrscheinlicher ist es, dass man eine günstige Alternative nicht übersieht. Hiermit wird der Lösungsraum bestimmt. Um die Alternativen besprechen zu können, ist es hilfreich, eine für die Größe der Aufgabe angemessene Dokumentation pro Option zu erstellen. Grobe Schätzungen sind dabei besser als komplexe Excel-Tabellen. Einfache Sätze und Darstellungen sind dabei besser als dicke Bücher.
  • Auswirkungen antizipieren
    Um die Alternativen bewerten zu können ist es geschickt, sich die Auswirkungen vorzustellen. Hierfür macht man sich Bilder der Vorschläge, als ob sie bereits umgesetzt sind. Die einzelnen Zukunftsbilder werden dann hinterfragt bezüglich der Reaktionen der betroffenen Bereiche (z.B. die Kunden, der Markt, die Wettbewerber, die Mitarbeiter, die Führungskräfte, die Anteilseigner). Es ist sehr wahrscheinlich, dass die an dieser Diskussion Beteiligten sich ein Bild der Zukunft machen, das sehr nahe an der Wirklichkeit ist. Alle Äußerungen sollten dabei ernst genommen und bei der Bewertung berücksichtigt werden.
  • Entscheiden
    Der abschließende Schritt ist die Entscheidung für eine der Alternativen ohne Wenn und Aber. Wer an dieser Stelle die Entscheidung einer Münze überlässt, kann sich wohl nicht entscheiden und gibt sein Schicksal in die Hände von Anderen.

Fazit: Entscheiden mit System ist ein schneller Weg, um in VUKA-Zeiten aktiv vorwärtszugehen. Der Weg von der Problem-/Zielbestimmung, über das Situationsverständnis, die Schaffung von Auswahlmöglichkeiten, der Antizipation der Zukunft bis hin zu der eigentlichen Entscheidung geht, abhängig von der Größe der Aufgabenstellung, schneller oder etwas langsamer. Zieht sich eine Entscheidung über Monate, dann erübrigt sich das Ganze, da die Welt sich bereits weitergedreht hat. Das Entscheiden mit System bietet eine Struktur, die entscheidungsfreudigen Führungskräften schnelle Fortschritte ermöglichen.