Die zwei Säulen der digitalen Transformation

Der Traum von allen Unternehmern ist die Erzeugung von immer mehr – große Stückzahlen ohne zusätzlichen Aufwand, weltweite Reichweite bei so gut wie keinen Transportausgaben, Echtzeitgeschäfte 24/7, subjektiv bestimmte Preise bei intransparenten Kosten. In der materiellen Welt ist dies nur eingeschränkt möglich. Ein physisches Produkt besteht aus Materie, die beschafft, verarbeitet und zusammengebaut werden muss. Um das Erzeugnis zum Kunden zu bekommen, muss es durch Spediteure geliefert werden. Ein Vertrag kommt nur dann zustande, wenn die Verkaufsstellen geöffnet sind. Der Wert basiert auf den Rohstoffen und den Verarbeitungsschritten sowie dem Aufschlag, den der Kunde bereit ist für den Artikel und dem daran hängenden Renommee zu bezahlen. Mit 4.0 befinden wir uns jetzt im Zeitalter der digitalen Transformation.

Nach der Dampfkraft, der elektrischen Energie und dem Computer erzeugt die Verbindung von Digitalisierung und Vernetzung zu Cyber-Physikalischen Systemen jetzt zum vierten Mal weltweite, tektonische Verschiebungen in der Wirtschaft und der Gesellschaft. Die beiden Säulen profitieren dabei von den ungeheuren Fortschritten der IT.

  • Digitalisierung
    Die Umwandlung von analogen Signalen in Einsen und Nullen ist die eine Seite der neuen Medaille. Texte, Bilder, Klänge und bald Düfte werden digitalisiert und zu binären Daten, die dupliziert, gespeichert, gesucht, gefiltert, verarbeitet und übertragen werden können. Alles, was sich digitalisieren lässt, wird von diesem Wandel direkt betroffen sein. Für den Rest der physischen Dinge und Individuen wird eine virtuelle Aura erzeugt, die Datenwolke, die alles und jeden auffindbar, bewertbar, steuerbar werden lässt.
  • Vernetzung
    Die andere Seite der Medaille ist die Vernetzung. Es begann mit den Kabeln, die Anfang des neunzehnten Jahrhunderts die Telegrafie möglich machten. Die Grundlagen für die Computernetze wurden dann in den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts gelegt. Noch 1993 flossen nur 1% der Daten über die Telekommunikationsnetze. Im Jahr 2000 waren es 51%. Bereits 2007 wurden 97% der Bytes weltweit über diese Netze ausgetauscht.

Digitalisierung und Vernetzung schaffen gemeinsam ein völlig neues Ökosystem, das vielfältige Anwendungen bietet: Cloud computing, Internet of Things (IoT), Augmented Reality (AR), Smart Robots, Virtual reality (VR), Grid computing, Big Data Analytics, Künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, 3D-Printing (siehe auch). Manche werden von diesen Veränderungen mehr profitieren als andere. In jedem Fall sollten Antworten auf die folgenden Fragen gefunden werden.

  • Welche Produkte und Dienstleistungen, Teile der Wertschöpfung und Bereiche des Geschäftsmodells sind digitalisierbar?
  • Haben wir die richtige Anzahl von Mitarbeitern, die benötigten Fähigkeiten, die entsprechende Infrastruktur und ausreichend finanzielle Mittel, um die Veränderungen umzusetzen?
  • Sind die Mitarbeiter und das Führungspersonal bereit sich auf diese Veränderungen einzulassen?
  • Bietet die Umwelt (i.e. die sozialen, technologischen, ökonomischen, ökologischen, politischen und juristischen Faktoren) angemessene Rahmenbedingungen?

Finden sich günstige Antworten auf die Fragen, dann muss nicht das gesamte Geschäft sofort auf Biegen und Brechen digitalisiert werden. Wo man beginnt, wird im Einzelfall festgelegt. Die Abläufe werden sich weiterhin an den Bedürfnissen der Kunden und an dem Arbeitsstil der Mitarbeiter anlehnen. In jedem Fall sollte ein Plan für die digitale Transformation erarbeitet und konsequent umgesetzt werden. Entscheidend ist dabei die möglichst frühzeitige Abwicklung der Wertschöpfung im digitalen Netz. Desto früher die digitale Transformation in der Wertschöpfungskette umgesetzt ist, desto höher Ihr Nutzen.

Fazit: Digitale Transformation ruht auf zwei Säulen: der Digitalisierung und der Vernetzung. Viele Aspekte lassen sich nicht durch digitalisierte Daten ersetzen. Allerdings wird die informationelle Aura, die Dinge und Individuen umgibt, immer größer – auch wenn der Kühlschrank noch physische Produkte mit spürbarer Kälte frisch hält, so lassen sich doch einige Funktionen einbauen, die den Kühlschrank zu einem „denkenden“ Bestandteil des Cyberspaces werden lässt, indem Bestände gezählt, Dinge bestellt und gesunde Speisen vorgeschlagen werden. Die Anwender sollten sich nicht wie die Lemminge in den digitalen Abgrund stürzen, sondern bewusst ihre persönlichen Aufsatzpunkte finden. Das Fundament bilden die beiden Säulen: die Digitalisierung und die Vernetzung.