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Retro – die fantasielose Wiederverwendung

Kulturelle Artefakte sind mittlerweile zu wirtschaftlichen Produkten und Dienstleistungen geworden, die den Regeln des Marktes folgen – die Literatur, Musik sowie die darstellende und bildende Kunst. Kunstschaffende werden dadurch zu Designern neuer Angebote. Vielfältige Kanäle müssen kontinuierlich mit Inhalten versorgt werden – Fernseh- und Radiosender, Konzertbühnen, Theater und Museen. Ein schneller Weg die eigene Palette zu erweitern ist die fantasielose Wiederverwendung bestehender Angebote. In Ermangelung von Inhalten entstehen interessante Auswüchse. Fernsehsender leben von Wiederholungen; Kino-Blockbuster werden zu Serien und Remakes; Pop-Musik lebt von Coversongs und Coverbands; Theaterstücke werden unter gewohnten Titeln, völlig verfremdet. Fehlen den Künstlern die Ideen oder zwingt der Markt zu diesen fantasielosen Wiederverwendungen?

Bisher galt: Die Form folgt der Funktion. Die Kreativen haben sich Inhalte ausgedacht und diese dann in eine Form gebracht. Fordern die Märkte die endlose Fortsetzung der Form und füllen sie mit dem immer gleichen Inhalt? Reicht es nur noch selten für Inhalte? Die folgenden Elemente werden dabei wiederverwendet.

  • Der Plot
    Der rote Faden, der eine Geschichte durchzieht, folgt einem bestimmten Rhythmus, der sicherstellt, dass die Aufmerksamkeit des Publikums kurzfristig immer wieder aufgefrischt wird. Die dazugehörigen Handlungen folgen einem erahnbaren Ablauf, der durchsetzt wird mit Spannung – im Krimi deckt man den Täter am Ende, im Verlauf oder am Anfang der Geschichte auf; durch gezielt eingestreute Effekte, wie z.B. unbekannte Kulturen, ungewohnte Rollenbilder oder Elemente aus anderen Genres (z.B. Esoterik in einem Abenteuer). Die eigentliche Handlung ist dabei, abhängig von der Kultur, stets die gleiche – in den USA das Ermittlungsteam und in Deutschland der Kommissar mit seinem Assistenten.
    Retro versorgt Zielgruppen mit fantasielos, wiederholten Plots.
  • Das Format
    Abhängig von dem Zielmedium, z.B. Print, Rundfunk, Film oder Internet, werden die Plots unterschiedlich angeboten. Ein neuer Roman wird geplant, wie der Rollout eines Produkts – nach der Veröffentlichung wird das Buch im Radio und Fernsehen besprochen, Rezensionen in den einschlägigen Zeitschriften lanciert und schließlich meistbietend für die Weiterverwertung verkauft. Was zählt, ist die Signalwirkung des ursprünglichen Titels. Gute Beispiele für diese Vermarktung sind Das Parfüm von Patrick Süskind oder Der kleine Prinz von Antoine St. Exupéry, die bereits ihre Runden in unterschiedlichen Formaten hinter sich haben. Die eigentliche Geschichte ändert sich nicht – nur das Format.
    Retro versorgt die Zielgruppe häufig mit fantasielos, wiederholten Formaten.
  • Das Thema
    Der Zeitgeist rückt unterschiedliche Sujets, die im Erfolgsfall von vielen wiederholt werden, in den Vordergrund – die Psyche zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts, der Totalitarismus nach dem Zweiten Weltkrieg oder die DDR nach der deutschen Wiedervereinigung. Wissenschaftliche Erkenntnisse der Psychologie locken heute in Fernsehserien, wie Lie to me oder Leverage, die Zuschauer mit Erkenntnissen bezüglich der nonverbalen Kommunikation. Der Reiz besteht dabei aus neuen Erkenntnissen, die man im Alltag nutzen könnte.
    Retro versorgt die Zielgruppe häufig mit fantasielos, wiederholten Themen.
  • Die Protagonisten
    Die vorgestellten Akteure sind die tragenden Säulen eines Werkes – z.B. in der bildenden Kunst religiöse Charaktere; in der Musik die Mythologie; in den Geschichten zeitgemäße Personen. Honoré de Balzac mit seiner menschlichen Komödie zeigte die französische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Jules Verne hatte seine mutigen Forscher, die die Grenzen der Welt sprengten. Gabriel Garcia Marquez verpackte die südamerikanische Wirklichkeit in Magie. Heinrich Böll lieferte ein Bild der BRD während des Wirtschaftsaufschwungs. Die heutigen Protagonisten sind immer wieder gleich: der verrückte Wissenschaftler; der vergeistigte Kommissar; die punkige Ermittlerin. Nur selten entstehen neue Persönlichkeiten, wie in dem Buch Der Vorleser von Bernhard Schlink.
    Retro versorgt die Zielgruppe häufig mit fantasielos, wiederholten Protagonisten.
  • Die Songs
    Mit der Verbreitung der Schallplatte wurde das Zwanzigste Jahrhundert zum Zeitalter der popularisierten Musik. Während in der Vergangenheit Musik Musiker notwendig machte, kann durch die Konserve der Schallplatte und dem heutigen Internet Musik vervielfältigt und zu jeder Tages- und Nachtzeit genossen werden. Daneben erfordern die unzähligen Radiosendungen und Filme einen kontinuierlichen Fluss von neuen Kompositionen. Dabei werden bestimmte Stile wiederverwendet. Das Schicksal der neuen Musiker ist es, so zu klingen wie Led Zeppelin oder Adele. Und gleichzeitig werden alte Stücke als Cover neu inszeniert, im besten Fall neuartig interpretiert. Es besteht die Möglichkeit, dass die Musik an ihren Grenzen angekommen ist und neue Harmonien nicht mehr ohne Wiederholung bestehender Melodien möglich sind.
    Retro versorgt die Zielgruppe häufig mit fantasielos, wiederholten Kompositionen.
  • Die Gestaltung
    Die gestaltete Verpackung ist in der Wirtschaft ein wichtiges Element der Vermarktung. Die Kunden lassen sich auf ein Angebot ein, wenn die Verpackung sie anspricht – die darstellende Kunst nutzt hierzu eine besondere Bühne; die bildende Kunst den spektakulären Ausstellungsraum; Musik und Bücher den Bucheinband. Teil der Gestaltung ist der anziehende Titel, der den ersten Kaufimpuls auslöst – Das Geheimnis; Was jeder wissen muss; Passives Einkommen für Jedermann. Das Werbeposter, der Klappentext und der Trailer sind weitere Bestandteile der Verpackung, die mit ihrem Stil bestimmte Gütekriterien suggerieren und manchmal mehr versprechen, als sie halten können. Der eigentliche Inhalt tritt in den Hintergrund – die Gestaltung bestimmt das Geschäft.
    Retro versorgt die Zielgruppe häufig mit fantasielos, wiederholter Gestaltung.

Fazit: Die zahllosen Remakes im Kino und TV, die endlosen Wiederholungen von Quizformaten, die neuen Coverbands und die Übernahme von klassischen Themen in Computerspielen ermöglichen die industrielle Ausschöpfung kultureller Marken. Die fantasielose Wiederverwendung alter Plots, Formate, Themen, Protagonisten, Musikstücken und Gestaltungsformen fluten rückwärtsgewandt die Verkaufsflächen. Der Ansatz Altes in neue Schläuche zu packen und zu verkaufen, verlagert die Kreativität vom Inhalt auf die Form und verhindert dadurch Neues. Deshalb steht Retro für fantasielose Wiederverwendung.

Retro – the fanciless reuse

Cultural artifacts have now become economic products and services that follow the rules of the market – literature, music as well as the performing and visual arts. Artists thus become designers of new offers. A wide variety of channels have to be continuously supplied with content – television and radio stations, concert stages, theatres and museums. A quick way to expand your own palette is the fanciless reuse of existing offers. In the absence of subject matters, interesting outgrowths occur. Television stations live from reruns; cinema blockbusters become serials and remakes; pop music lives from cover songs and cover bands; theater plays are completely alienated under well-known titles. Do the artists lack ideas or is the market forcing them to reuse work without imagination?

Previously, the rule was: form follows function. Creatives came up with content and put it into a form. Do the markets demand the endless continuation of the form and fill it always with the same content? Are there rarely enough contents? The following elements are reused thereby.

  • The plot
    The red thread that runs through a story follows a certain rhythm that ensures that the attention of the audience is continuously refreshed once in a short while. The associated actions follow a conceivable sequence that is interspersed with suspense – in a thriller, the perpetrator is uncovered at the end, during the course or at the beginning of the story; through deliberately interspersed effects such as unknown cultures, unusual role models or elements from other genres (e.g. esotericism in an adventure). Depending on the culture the actual action is always the same – in the USA the investigation team and in Germany the commissioner with his assistant.
    Retro provides target groups fanciless repeated plots.
  • The format
    Depending on the target media, e,g, print, radio, film or Internet, the plots are differently offered. A new novel is planned like the rollout of a product – after publication, the book is discussed on the radio and the television, and reviews are launched in the relevant magazines and eventually sold to the highest bidder for further exploitation. What counts is the signal effect of the original title. Good examples of this kind of marketing are Perfume by Patrick Süskind or The Little Prince by Antoine St. Exupéry, which have already completed their rounds in various formats. The actual story doesn’t change – just the format.
    Retro often provides the target group fanciless repeated formats.
  • The theme
    The Zeitgeist brings different subjects to the fore, which, if successful, will be repeated by many – the psyche at the beginning of the twentieth century, totalitarianism after the Second World War or the GDR after German reunification. Today, scientific findings in psychology are used in television series such as Lie to me or Leverage to attract viewers with insights into non-verbal communication. The attraction lies in new insights that could be used in everyday life.
    Retro often provides the target group fanciless repeated topics.
  • The protagonists
    The introduced actors are the supporting pillars of a work – e.g. religious characters in the visual arts; mythology in music; contemporary people in stories. Honoré de Balzac with his human comedy showed the French society of the 19th century. Jules Verne had his courageous researchers who broke the boundaries of the world. Gabriel Garcia Marquez wrapped the South American reality in magic. Heinrich Boell provided a picture of the FRG during the economic upswing. Today’s protagonists are the same again and again: the crazy scientist; the spiritualized commissioner; the punk investigator. Seldom new personalities emerge, as in the book The reader by Bernhard Schlink.
    Retro often provides the target group fanciless repeated protagonists.
  • The Songs
    With the spread of records, the twentieth century became the age of popularized music. Whereas in the past music required musicians, music can be reproduced and enjoyed at any time of the day or night through the canning of records and today’s Internet. In addition, the countless radio broadcasts and films require a continuous flow of new compositions. Certain styles are reused. The fate of the new musicians is to sound like Led Zeppelin or Adele. And at the same time old pieces are re-staged as covers, at best interpreted in a new way. It is possible that music has reached its limits and new harmonies are no longer possible without repeating existing melodies.
    Retro often provides the target group fanciless repeated compositions.
  • The design
    Designed packaging is in the economy an important element of marketing. The customers accept an offer, if the packaging appeals to them – the performing arts use for this purpose a special stage; the visual arts the spectacular exhibition space; music and books the book cover. Part of the design is the attractive title that triggers the first buying impulse – The secret; What everyone needs to know; Passive income for everybody. The advertising poster, the flap text and the trailer are further components of the packaging that suggest certain quality criteria with their design and sometimes promise more than they can keep. The actual content takes a back seat – the design determines the business.
    Retro often provides the target group fanciless repeated designs.

Bottom line: The countless remakes in cinema and TV, the endless repetitions of quiz formats, the new cover bands and the adoption of classical themes in computer games enable the industrial exploitation of cultural brands. The fanciless reuse of old plots, formats, themes, protagonists, pieces of music and designs flood the sales areas with a look backwards. The approach of packing old things into new vessels and selling them shifts creativity from content to form and prevents that way that new things appear. Therefore retro stands for fanciless reuse.

Der Organismus – die ideale Metapher für natürliche Ordnung

Das ursprüngliche Weltwissen war bestimmt durch die Erfahrungen, die die Menschen in ihrer direkten Umgebung machten. Es waren ganzheitliche Erkenntnisse, die durch keine gedanklichen Vereinfachungen entfremdet wurden. Über Jahrhunderte wurde diese Sichtweise in den Hintergrund gedrängt. Mit den neuesten Eindrücken ist klar geworden, dass die Welt nicht eine Maschine, ein Uhrwerk, sondern eine natürlich gewachsene Einheit ist, die nach eigenen, uns bisher nicht zugänglichen Regeln lebt. Auch die Wirtschaft versteht langsam, dass neue Ansätze benötigt werden. Der Organismus ist die ideale Metapher für eine solche, natürliche Ordnung.

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Natürliche Ordnung lässt sich nicht aufbauen, sondern wächst von alleine. Man kann nur versuchen fruchtbare Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie sich wunschgemäß entwickelt. Die folgenden Aspekte sind betroffen.

  • Struktur
    Ein Organismus besteht aus vielen, nicht klar trennbaren und stark miteinander im Austausch stehenden Bestandteilen. Dies können Zellen, Organe oder andere Körperteile sein. Auch wenn sie sich in der Größe unterscheiden, stehen sie auf einer Stufe. Biologen oder Ärzte erkennen das Zusammenspiel und finden Ansatzpunkte, um Einfluss zu nehmen. Im Geschäftsleben entstehen ähnliche Ansätze unter den Stichworten Agile Organisation, Lean Management, Subsidiarität. Allen gemeinsam ist die Abkehr von dem aktuellen Taylorismus und seinem Aufteilen von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung. Kleine bewegliche Einheiten, die die volle Kontrolle haben, sollen sich flexibel an die Erfordernisse des Marktes anpassen. Am Ende so, wie sich Organismen an geänderte Umweltbedingungen anpassen.
  • Format
    Ein Organismus wächst heran und bildet über Generationen besondere Fähigkeiten, die es ihm erlauben zu überleben. Er nutzt dafür keine künstlichen Strukturen, sondern verkehrt spontan mit seiner Umwelt. Auf diese Weise sollen jetzt auch die geschäftlichen Bereiche arbeiten. Der Schwerpunkt geht weg von schematischen Abläufen, hin zu offenem, wandelbarem Vorgehen. Jede Einheit kann seinen eigenen Ansatz finden und umsetzen. Der Zusammenhalt des Unternehmens wird dadurch gekennzeichnet, dass alle Einheiten eine gemeinsamen Vorstellung der Zukunft anstreben. Der Austausch von Informationen wird durch das Bemühen aller Einheiten möglich das Verständnis und die Verständlichkeit zu schaffen, die sich aus dem ehrlichen Bedürfnis ergeben, sich mitzuteilen und Interesse zu zeigen. Unternehmen nutzen Wörter und Zahlen als Information. Organismen nutzen ihre biochemischen Botenstoffe.
  • Führung
    In einem Vogelschwarm ist es nicht möglich zu entscheiden, wo der Wechsel der Richtung seinen Anfang nimmt oder wer ihn auslöst. Es scheinen einfache, kontextabhängige Regeln zu sein. Rückblickend lässt sich bestenfalls erahnen, was die Auslöser gewesen sein könnten. Unternehmen, die sich auf solche Ansätze einlassen, haben es schwer, denn sie können die Verantwortung für Veränderungen nicht zuordnen. In diesem Kontext liefert nicht einer, sondern alle die Auslöser und definieren gemeinsam das Ziel. Viele Anstrengungen verpuffen dabei scheinbar sinnlos. Heutigen Chefs erscheint das wie Verschwendung. Dass jedoch alle Beteiligten dabei viel lernen und in der Zukunft wirksamer zusammenarbeiten, vergessen sie. Der Natur schadet eine direkte Führung mehr, als sie nützt. Im Geschäftsleben läuft sie manchmal einzelnen Interessen zuwider.
  • Kennzahlen
    Der Organismus zeigt nur wenige objektiv messbare Kennzahlen – Fieber, erhöhter Puls, schnelle Atmung, geänderter Stoffwechsel. Die verbleibenden Indikatoren sind qualitativ – Fitness, Anpassungsfähigkeit, Agilität, Flexibilität. Im Geschäftsleben finden sich eher weniger sachliche Messgrößen – Fluktuation, Burn-out von Mitarbeitern, Geschäftigkeit und Grad der Auslastung. Hier zeigt sich das Gelingen an den monetären Ergebnissen, nachdem alles vorbei ist. Nachsteuern ist dann schwierig. Das frühzeitige Bauchgefühl ist das Einzige, was einem vorher zur Verfügung steht. Die neuen wirtschaftlichen Kenngrößen werden denen des Organismus immer ähnlicher.
  • Zusammenarbeit
    Das Zusammenspiel eines Organismus lässt sich nur eingeschränkt darstellen, da die beste Beschreibung nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden kann. Der wesentliche Teil bleibt im Verborgenen. Und doch ist jedem klar, dass eine gesunde Zusammenarbeit einen Körper überlebensfähig macht. Unternehmen, die es schaffen eine wirklich offene Arbeitskultur zu leben, erhalten Ergebnisse an unerwarteten Stellen. Die intrinsische Motivation eines jeden Einzelnen dynamisiert Sitzungen. Kurze Arbeitsrunden, in denen die Beteiligten nicht der Form halber anwesend die Zeit aller vergeuden, erzeugen Mehrwert. Die Beteiligten entscheiden sich nur für die Termine, die ihnen etwas bringen, und erzeugen damit einen gewaltigen Schwung für alle. Genau, wie der Organismus seine Kräfte einzuteilen weiß, kann das eine natürliche Ordnung auch.
  • Wissen
    Weiß der Bienenschwarm, dass er ein Organismus aus vielen Individuen ist? Die Bienen haben ihren Weg gefunden, ihr Wissen zu teilen. Der Schwarm weiß in kürzester Zeit, wo die besten Blumen zu finden sind. Der Wissensaustausch findet quasi automatisch statt. Unternehmen mit natürlicher Ordnung haben informelle Kanäle, die das Wissen ohne Verzögerung an die Orte bringen, an denen es gebraucht wird. Die wesentlichen Folgen sind, das nicht mehr alle alles wissen und nur noch die wirklich benötigte Information verfügbar ist. Eigentlich ideal, um die Informationsflut einzudämmen. Der dynamische Aufbau des Organismus verarbeitet die Reize sogar so, dass sich mit der Zeit sein Aufbau an die neuen Gegebenheiten anpasst.

Fazit: Der Organismus ist die ideale Metapher für die natürliche Ordnung, wie sie seit Kurzem im Geschäftsleben Einzug hält. Die Voraussetzungen für diese offene Form sind die Anpassungsfähigkeit von wachsenden Einheiten, die Toleranz gegenüber verschiedenen Lösungen, das Loslassen von direktem Einfluss durch die Führungskräfte, weiche Kenngrößen, die Möglichkeit spontan zusammenarbeiten zu können und das gemeinsame Wissen ohne Hintergedanken zu teilen.

The organism – the ideal metaphor for natural order

The original world knowledge was determined by the experiences that humans witnessed in their immediate environment. They were holistic experiences that were not distorted by mental simplifications. Over centuries this perspective was pushed into the background. With the newest insights it appeared that the world is not a machine, a clockwork, but a naturally grown entity that lives by its own, so far hidden rules. Also the economy slowly starts to understand that new approaches are needed. The organism is the ideal metaphor for such a natural order.

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The natural order can not be developed, but grows by its own. You can only try to create fertile basic conditions, so that it develops as desired. The following aspects are concerned.

  • Structure
    The organism consists of many, indistinct and strongly exchanging components. This can be cells, organs or other parts of a body. Even if they differ in size, they are on the same level. Biologists or physicians recognize interaction and find starting points to influence. In business similar approaches develop under the heading of Agile organization, Lean management, and subsidiarity. The departure from the actual Taylorism and its breaking down of tasks, authority and responsibility is common to all. Small mobile units, which have full control, are to adapt flexibly to the market requirements. Eventually they adapt like organisms adapt to changing context condition.
  • Format
    An organism grows up and develops over generations special abilities that enable to survive. It uses for this purpose no artificial structures, but interacts spontaneously with its environment. That way also the business areas have to act now. The emphasis goes away from schematic operational sequence, to open, adaptable procedures. Each unit can find and implement its own approach. The cooperation of the enterprise is marked by the fact that all units yearn for a common conception of the future. The exchange of information will create understanding and comprehensibility with the effort of all units that result from the honest needs to communicate and to show interest. Enterprises use words and numbers as information. Organisms use their biochemical messengers.
  • Leadership
    In a flock of birds it is not possible to identify, where the change of direction starts or who it triggers. There seem to be simple, context related rules. In retrospect you can suspect at best, what the triggers might have been. Enterprises, which get involved in such approaches, have difficulties, because they cannot assign the responsibility for the changes. In this context not one, but all provide the triggers and define together the target. Many efforts seem to fall senselessly flat thereby. For today’s bosses this appears like waste. They forget thereby that all involved people learn and cooperate more effectively in the future. A direct steering harms the nature more, than it is useful. In business it sometimes goes against individual interests.
  • Key figures
    The organism shows only few objectively attainable key figures – fever, increased pulse, rapid breathing, and changed metabolism. The remaining indicators are qualitatively – fitness, adaptability, agility, and flexibility. In business are rather less measurable key figures – fluctuation, employee burn-outs, bustle, and degree of workload. Success becomes here visible with the monetary results, after everything is over. Readjusting afterwards is difficult. The early gut feeling is the only thing that you have beforehand. The new economic key figures become more and more similar to those of the organism.
  • Cooperation
    The interaction of an organism can only be shown to a certain extent, since the best description can illustrate only part of the reality. The substantial part remains concealed. And it is clear to everyone that a healthy cooperation makes a body viable. Enterprises that live a really open work culture, receive results in unexpected places. The intrinsic motivation of each participant dynamises meetings. Short work rounds produce increasing value by not wasting the time of others because people are only present for the sake of being part of the meeting. The involved people decide only to join a meeting, if it provides a benefit to them and produces thereby an enormous momentum for all. Exactly, as the organism knows ho to pace its forces, the natural order is following the same principles.
  • Knowledge
    Does the bee swarm know that it is an organism out of many individuals? The bees found their way to share their knowledge. The swarm knows quickly, where the best flowers are to be found. The knowledge exchange takes place quasi automatically. Enterprises with natural order have informal channels that bring quickly the knowledge to the places, where needed. The substantial consequences are that not all know everything and only the really needed information is available. Actually it is perfect to dam the flood of information. The dynamic structure of the organism processes the stimuli even in such a way that over time its structure adapts to the new conditions.

Bottom line: The organism is the ideal metaphor for the natural order, as it is recently introduced in business. The pre-requisites for this open form are the adaptability of growing units, the tolerance for different solutions, the let loose of direct influence by the executives, soft key figures, the ability to co-operate spontaneously and the sharing of the common knowledge without hidden agenda.

Das Uhrwerk – die ideale Metapher für technische Ordnung

Descartes und die Aufklärung haben die Welt in möglichst kleine Teile zerlegt, um sie genau zu untersuchen und zu verstehen, wie sie tickt. Diese Weltsicht gilt noch immer. Und bis heute vertrauen viele nur auf das, was sie wiederholbar beweisen können. Entsprechend unterteilen Unternehmen die Arbeit in beherrschbare Einheiten. Diese Bereiche, Teams und Stellen bekommen die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung für einen kleinen Teil der Wertschöpfung zugewiesen. Alle Teile ergeben zusammen das ganze Unternehmen – für manche wie Uhrwerke. Fehlt das kleinste Teil, so tickt die Uhr nicht mehr. Das macht das Uhrwerk zu einer idealen Metapher für technische Ordnung.

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Menschgemachter Aufbau basiert auf Regeln, Logik und Berechnungen. Die folgenden Punkte verdeutlichen dieses Denken.

  • Struktur
    Die Architektur einer Uhr bestimmt der Uhrmacher. Auf mehreren Ebenen sind durch die verschieden großen Zahnräder die Anzeigen der jeweiligen Stunden, Minuten, Sekunden, des Datums oder der Mondphasen eingebaut. Der Uhrmacher erkennt beim Blick auf das Uhrwerk, wie es funktioniert und in welcher Reihenfolge er es auseinandernehmen und zusammensetzen kann.
    Entsprechend besteht im Geschäftsleben die Firma aus verschiedenen Bereichen. Je größer die Anzahl der Bereiche, desto mehr Ebenen, Gruppierungen und Fachgebiete gibt es. Aufgrund der überschaubaren Anzahl von Teilen ist das schwierigste Uhrwerk am Ende leichter in Gang zu setzen als ein Unternehmen.
  • Format
    Der Zustand der Zahnräder, der Schrauben und des Materials bestimmt die Güte der Uhr. Jedes Teil erfüllt einen Zweck. In einer Firma gibt es ebenfalls greifbare Bausteine – z.B. die Gebäude, die Leitungen und die Maschinen. Einzelne sehen selbst die Mitarbeiter als greifbare Ressourcen. Um die weichen Aspekte der Menschen besser fassen zu können, werden sie mit Formularen beschrieben, die den Austausch von Informationen regeln und die gemeinsame Sprache festlegen. Diese Richtlinien entwickeln sich mit der Zeit zu dem dichten Dschungel der Bürokratie. Die Vorschriften werden ohne Unterlass erstellt, beschrieben, veröffentlicht und die Umsetzung sichergestellt. Dem Uhrwerk fehlen diese weichen Faktoren. Dies macht das Uhrwerk zur idealen Beschreibung für einen makellosen, von der Führung gesteuerten Betrieb.
  • Führung
    Ein kleines Schwungrad, die Unruh, ist entscheidend für den gleichmäßigen Gang einer Uhr. Entsprechend braucht es im Betrieb Personen, die diese Rolle übernehmen. In einer technischen Ordnung laufen die Vorgaben klar von oben nach unten, von außen nach innen. Nichts geschieht, ohne die übergeordnete, überübergeordnete Zustimmung der Vorgesetzten. Dies schafft zwar zuverlässige und flüssige Abläufe, aber es bremst die Beweglichkeit der Mitarbeiter. Sie müssen stets vorab die Erlaubnis einholen. Wie die Unruh einer Uhr das gleichmäßige Laufen sichert, so kümmert sich die Führung darum, dass auch unter Zeitdruck die Abläufe im Betrieb zuverlässig laufen.
  • Kennzahlen
    Gut eingestellte Uhren liefern akkurat die genaue Zeit. Weitere Kennzahlen sind das Kaliber, die Energiequelle oder die Anzahl von Schwingungen pro Sekunde. Auch die technische Ordnung nutzt messbare Kennzahlen. Die Aktivitäten haben klare Messpunkte, sofern diese fassbar sind. Damit lassen sich Entscheidungen begründen, die Leistungen der Mitarbeiter beurteilen und unterschiedliche Szenarien simulieren. Mit zunehmender Digitalisierung steigt auch die Anzahl der Messpunkte. Die neuen Möglichkeiten durch Big Data sind im Moment noch in der Lage in der Informationsflut Muster zu erkennen. Am Ende ist jedoch nicht die Menge, sondern die Zuverlässigkeit ausschlaggebend.
  • Zusammenarbeit
    Das Uhrwerk lebt von dem makellosen Zusammenspiel seiner Teile. Sobald Sand ins Getriebe kommt, bleibt die Uhr stehen. Die geschäftliche Zusammenarbeit in der technischen Ordnung ist geregelt. Desto weiter die Einheiten voneinander entfernt sind, desto seltener sind die direkten Kontakte. Im Gegensatz zur Uhr, wo das Zusammenwirken innerhalb stattfindet, lebt das Geschäft von informellen Beziehungen der Mitarbeiter, die sich eher außerhalb, im privaten Umfeld, ergeben. Erschwert wird die Zusammenarbeit vor allem durch das Bestehen einer bereichsspezifischen, separatistischen Geheimsprache, die von anderen falsch oder gar nicht verstanden werden kann. Für Fans der technischen Ordnung repräsentiert die Uhr den Idealzustand des Zusammenwirkens.
  • Wissen
    Das Wissen eines Uhrwerks besteht aus seinem Design, der mechanischen Finesse seiner Teile sowie natürlich der Uhrzeit. Im Unternehmen verteilt sich das Wissen auf alle Ebenen und Bereiche. Die übergeordneten Stufen haben einen eingeschränkt übergreifenden Blick, während die untergeordneten Ebenen eingeschränkt operatives Detailwissen haben. Der starre Aufbau beschränkt damit das verfügbare Wissen auf das, was bei der Gestaltung eingebaut wurde – lernen ist für diese Denke Sand im Getriebe.

Fazit: Das Uhrwerk ist die ideale Metapher für eine technische Ordnung, wie sie seit Jahrhunderten die Wirtschaft prägt. Der Preis für diese greifbare Gliederung eines Unternehmens sind große Mengen an Ebenen, eine überbordende Bürokratisierung, eine streng hierarchische Führung, leicht erreichbare Messpunkte, eine fest vorgegebene Zusammenarbeit und die unzureichende Nutzung von Wissen und Lernen.

The clockwork – the ideal metaphor for technical order

Descartes and the enlightment divided the world into parts as small as possible, in order to examine and understand exactly, how it ticks. This world view is still valid. And until today many people only trust on what they can repeatedly prove. Accordingly enterprises divide work into controllable units. These areas, teams and positions get the tasks, authority and responsibility assigned for a small part of the value chain. Together, all parts represent the whole enterprise – for some people like clockworks. If the smallest part is missing, the clock does not tick any longer. That makes the clockwork an ideal metaphor for technical order.

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Human-made structure is based on rules, logic and calculations. The following points clarify this thinking.

  • Structure
    The architecture of a clock is determined by the watchmaker. On various layers the different displays of time, like the respective hours, minutes, seconds, dates or moon phases are implemented through cog wheels of different sizes. The watchmaker recognizes, how it works and in which sequence it can be put apart and be rebuilt by looking at the clockwork.
    In the same way the company consists of different areas. The larger the number of areas, the more layers, groupings and fields exist. Due to the limited number of parts, the most difficult clockwork is easier to get going than an enterprise.
  • Format
    The condition of the cog wheels, the screws and the material determine the quality of the clock. Each part has a purpose. In a company, there are likewise tangible components – e.g. the buildings, the pipes and the machines. Some people even consider the employees as tangible resources. For better grasping the soft aspects of people, they are described with forms that regulate the exchange of information and define a common language. Over time these guidelines shape up to the dense jungle of bureaucracy. The regulations are created, described, published and the application ensured without interruption. The clockwork does not have these soft factors. This makes the clockwork to the ideal description for a flawless enterprise driven by leadership.
  • Leadership
    The small flywheel, the balance wheel, is crucial for the even operation of a clock. Accordingly, it takes people in the enterprise, who take over this role. In a technical order the directions run clearly from top to bottom, from outside to inside. Nothing happens, without the superordinate, super-superordinate approval of the superiors. This creates reliable and smooth operational sequences, but it slows down the flexibility of the employees. They always have to obtain permission initially. As the balance wheel ensures the even running of the clock, the leadership takes care that even with time pressure the corporate procedures run reliably.
  • Key figures
    Well adjusted clocks provide the exact time accurately. Further key figures are the caliber, the energy source or the number of beats per second. Also the technical order uses measurable key figures. The activities have clear measuring points, as long as they are tangible. Thus the decisions can be justified, the employee performance evaluated and different scenarios simulated. With growing digitization also the number of measuring points increases. The new abilities of Big DATA are still able to recognize patterns in the flood of information. Eventually not the quantity is crucial, but the reliability.
  • Collaboration
    The clockwork lives of the immaculate interaction of its parts. As soon as sand slips into the clockwork, it stops. The business cooperation in the technical order is regulated. The farther they are from each other, the rarer are direct contacts. Contrary to the clock, where the cooperation takes place inside, the business depends on informal relations of the employees, who unfold rather outside, in the private environment. Cooperation is made more difficult due to the existence of an area specific, separatist secret language that can hardly or not at all be understood by others. For fans of the technical order the clock represents the ideal state of cooperation.
  • Knowledge
    The wisdom of clockwork consists of its design, the mechanical finesse of its parts as well as, of course, and the time. In the enterprise the knowledge is distributed across all levels and ranges. The superordinate levels have thereby a limited view, while the subordinated levels have a limited operational know-how. The rigid structure limits the available knowledge to what was originally inserted into the organization – learning is for this thinking a wrench in the works.

Bottom line: The clockwork is the ideal metaphor for a technical order, as it coins the economy for centuries. The price for this tangible corporate structure is a large number of layers, an overwhelming bureaucratization, a strictly hierarchical chain of command, easily attainable measuring points, a firmly given cooperation and the insufficient use of knowledge and learning.