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Der Wilde Westen – die ideale Metapher für das Internet

Von jeher ist die Freiheit ein Kernthema der Diskurse – persönlich, gesellschaftlich, politisch, ethisch, wirtschaftlich, künstlerisch usw. Wollen wir nicht alle zwanglos unsere Interessen verfolgen, ohne dass wir durch Gesetze, Vorschriften, Richtlinien oder Ähnlichem davon abgehalten werden. Die neuen Möglichkeiten des Internets mit egal wem, egal wo und egal wann in Kontakt treten zu können haben den Begriff der Veröffentlichung, die Besitzstände der Kreativen und die etablierten Medien über Nacht ad absurdum geführt. Betrachten wir die Verantwortlichkeit und fragen wir uns, warum die Anbieter von Plattformen, d.h. die Betreiber einer Webseite, die nichts weiter als öffentlichen Speicherplatz für Daten und Navigation bereitstellen, für die dort abgelegten Inhalte haftbar gemacht werden. Eigentlich ist das so, als wäre eine Telefongesellschaft verantwortlich für die Telefonate, die Kriminelle führen, um Betrügereien durchzuführen, oder als würde man ihnen zur Last legen, dass Terroristen übers Telefon Attentate abstimmen. Die neue EU-Richtlinie bezüglich des Urheberrechts im digitalen Binnenmarkt hat eine Fülle von Problemen und Interessen sichtbar gemacht. Das Ganze erinnert stark an die Zeiten des Wilden Westens, als bei der Besiedelung ein rechtsfreier Raum dazu führte, dass sich die Stärkeren einfach gemacht haben, was sie wollten.

Am Ende ging es schon immer um den Zugriff auf wertvolle Vermögenswerte – im Wilden Westen fruchtbares Land und heute kostbare Daten, wie Texte, Bilder, Videos, Formeln usw. Die Schwierigkeiten ergeben sich aus den ähnlichen Hoffnungen der Protagonisten im Wilden Westen und im Internet.

  • Wirtschaftliche Interessen
    Der Wettlauf in den Westen wurde angetrieben durch die Aussicht auf ein neues Leben – zuerst die Jäger und Sammler, die sogenannten Trapper, dann die Siedler in ihren Planwagen, die Squatters und Rancher, und schließlich die Farmer, die dokumentierten Besitz erwarben. Das Geld lag quasi auf der Prärie.
    Auch das Internet begann 1989 mit einer einfachen Idee – Peer-to-Peer-Vernetzung im World Wide Web, Hyperlinks und standardisierte Protokolle. Parallel zu den Computern in jedem Haushalt, eroberten viele Softwareanbieter die Märkte der Browser-, E-Mail- und Anwendungsprogramme. Wer erinnert sich schon an die Zeit vor FANG (Facebook, Amazon, Netflix und Google).
    Dem Wilden Westen und dem Internet gemeinsam ist der Ausblick auf ein einträgliches Geschäft. Die wirtschaftlichen Absichten beuten ungeregelte Bedingungen des neuen Wirtschaftssektors aus.
  • Vermeintliche Grenzenlosigkeit
    Geschürt wurde die Hoffnung der amerikanischen Siedler durch die schiere Grenzenlosigkeit des Landes. Mit drei Kilometern pro Stunde bewegten sich die Trecks Richtung Westen. In Ermangelung von Besitzurkunden besetzten die Siedler das vermeintlich niemandem gehörende Land, zogen ihre Zäune und postulierten damit einen Besitzanspruch. Die eigentlichen Bewohner, die amerikanischen Ureinwohner, denen der Begriff Landbesitz unbekannt war, wurden de facto enteignet und in Reservaten eingepfercht.
    Auch das Internet war zu Beginn grenzenlos. Mit der Möglichkeit multimediale Inhalte hinterlegen und abrufen zu können, entwickelten sich langsam neue Geschäftsideen. Die ersten Tauschbörsen lehrten den Inhaltsanbietern der Film- und Musikindustrie das Fürchten. Mit den viablen B2C-Ansätzen (z.B. Freemium, Long Tail, Pay per Use) eroberten sich die Konzerne den Markt zurück. Heute binden sich die Anwender mit regelmäßigen, monatlichen Zahlungen fest an Anbieter, wie Netflix und Spotify.
    In den über zwanzig Jahren World Wide Web wurden die Urheber völlig vergessen. Die Erzeuger gehen leer aus, obwohl sie die Inhalte erstellen, die die Plattformanbieter durch Werbung und Ähnlichem zu Geld machen.
  • Fehlende Regeln
    Unser Bild vom Wilden Westen ist geprägt von bewaffneten Gesetzlosen, die Banken und Postkutschen überfallen und friedliche Bürger terrorisieren. Gleichzeitig sprechen Richter lokales Recht und Sheriffs sichern die Einhaltung nach Gutdünken. Die latente Gesetzlosigkeit hat sich aus der Ferne von der offiziellen Gerichtsbarkeit ergeben. Es galt das Recht des Stärkeren.
    Schon früh hat sich im Netz eine ähnliche Regellosigkeit gebildet, die dem neuen Medium und der fehlenden Erfahrung geschuldet ist. Das beginnt mit dem unentgeltlichen Zugang und der Wiederverwendung von Inhalten und geht bis zu dem anonymen Mobbing in sozialen Netzen. Jedoch hätte sich das Internet ohne die Offenheit, zwar mit den guten und schlechten Folgen für bestimmte Personen, nicht so schnell weltweit verbreitet.
    Unterschiedliche Kulturen und Rechtssysteme haben die Einführung von verbindlichen Rechten und Pflichten behindert. Vor allem für die Generationen Y und Z ist die Notwendigkeit die Schöpfer von Inhalten zu vergüten schwer zu verstehen, da sie auf die Inhalte offensichtlich umsonst zugreifen können.
  • Rücksichtslose Ausbeutung
    Vor der Besiedelung des Westens zogen Millionen von Büffeln durch die Prärie. Den amerikanischen Ureinwohnern lieferten die Bisons Nahrung, Kleidung und die Grundlagen für die Herstellung von Werkzeugen und Zelten. Die Jäger dieser Zeit töteten nur so viele Bisons, wie sie alltäglich brauchten. Die Büffel wurden schließlich für die Massenproduktion von Stiefeln und zur Versorgung der Arbeiter bei dem Bau der Eisenbahn fast vollständig ausgerottet.
    Zu Beginn des Internets tummelten sich überall Computernerds, die die Einsatzmöglichkeiten ausloteten. Mit der Vernetzung lösen sich die geografischen Entfernungen auf und jede angeschlossene Region der Welt ist mit einem Mausklick Teil des Ganzen. Die Digitalisierung der Bücher, Musik und Filme ermöglicht das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Produkten, ohne dass die Urheber dies kontrollieren können. Nutznießer sind nicht nur die üblichen Vertriebe, sondern auch Plattformen, die ihre Vorteile aus Anwenderdaten und Vermittlungsprovisionen ziehen.
    Heute umgehen Anbieter im Internet die Vorgaben der Kultur-, Logistik-, und Tourismusbranchen – Amazon verdrängt lokale Buch- und Schallplattenläden nicht als Buchhändler, sondern als Logistikanbieter; Uber bietet Personentransporte außerhalb der gesetzlichen Regelungen; Airbnb vermittelt private Übernachtungen ohne die Verpflichtungen der Hotelbranche.

Fazit: Die wirtschaftlichen Interessen, die vermeintliche Grenzenlosigkeit, fehlende Regeln und die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen ähneln sich bei der Erschließung des Wilden Westens und beim World Wide Web. Das macht den Wilden Westen zur idealen Metapher für das Internet.

P.S.: Es ist wichtig, dass die Inhalteanbieter ihren wirtschaftlichen Anteil erhalten und gleichzeitig die Anwender einen Zugang zu Informationen behalten – ohne Überbürokratisierung, d.h. ohne den Regelwahn, der das eigentliche Arbeiten behindert. Dabei muss die Vergütung von geistigem Eigentum sichergestellt sein, da es ansonsten keine neuen Inhalte mehr gibt.

The American Frontier – the ideal metaphor for the Internet

Freedom has always been a central topic of discourses – personal, social, political, ethical, economic, artistic, etc. Don’t we all want to casually pursue our interests without being prevented by laws, regulations, guidelines or the like. The new possibilities of the Internet to get in touch with anyone, anywhere and at any time have led overnight the meaning of publication, the possessions of creative people and the established media ad absurdum. Let’s look at the responsibility and ask yourself, why the platform providers, i.e. the operators of websites, who provide users with nothing more than public storage space for data and navigation, are held liable for the stored content. In fact, it is as if a telephone company is responsible for the phone calls that criminals use to commit fraud, or as if they are accused of having terrorists coordinate their assaults by phone. The new EU Directive on copyright in the Digital Single Market has highlighted a wealth of problems and interests. The whole thing recalls strongly the days of the American Frontier, when, during the settlement, a legal vacuum created the situation that the stronger simply did whatever they wanted.

In the end, it has always been about access to valuable assets – fertile land in the American Frontier and precious data nowadays, such as texts, images, videos, formulas, etc. The difficulties arise from similar hopes of the protagonists in the American Frontier and on the Internet.

  • Economic interests
    The run to the west was driven by the prospect of a new life – initially the hunters and gatherers, the so-called trappers, then the settlers in their covered wagons, the squatters and ranchers, and finally the farmers who acquired documented property. The money was practically growing on the prairie.
    The Internet also began in 1989 with a simple idea – peer-to-peer networking on the World Wide Web, hyperlinks and standardized protocols. Parallel to the computers in each household, many software vendors conquered for the markets of browsers, email and application programs. Who remembers the time before FANG (Facebook, Amazon, Netflix and Google)?
    Common to the American Frontier and the Internet is the prospect of a lucrative business. The economic intentions exploit unregulated conditions of the new economic sector.
  • Assumed boundlessness
    The hope of the American settlers was fueled by the sheer boundlessness of the country. With three kilometers per hour, the treks were heading west. In the absence of deeds of ownership, the settlers occupied the land that supposedly belonged to nobody, putted up their fences and thus postulated a claim of ownership. The actual inhabitants, the Native Americans, for whom the term land tenure was unknown, were de facto expropriated and penned in reservations.
    At the beginning, the Internet was also boundless. With the possibility to store and retrieve multimedia content, new business ideas slowly evolved. The first file-sharing platforms putted the fear of God into the content providers of the film and music industry. With the viable B2C approaches (e.g. Freemium, Long Tail, Pay per Use), the corporations recaptured the market. Today, users commit themselves to providers such as Netflix and Spotify with regular, monthly payments.
    In over twenty years of the World Wide Web, the authors were completely forgotten. The creators come away empty-handed, although they create the content that the platform providers turn into money through advertising and the like.
  • Missing rules
    Our image of the American Frontier is coined by armed outlaws, who raid banks and stagecoaches and terrorize peaceful citizens. At the same time, judges speak local law and sheriffs ensure compliance as they think best. The latent lawlessness rose from the distance to the official jurisdiction. The law of the fittest was applied.
    A similar lack of rules formed in the beginning of the Internet, which is due to the new medium and greenness. This goes from free access and reuse of content to anonymous bullying on social networks. But the Internet would not have globally spread so quickly without the openness, even though with good and bad consequences for certain persons.
    Different cultures and legal systems have hindered the introduction of binding rights and obligations. Especially for the generations Y and Z, the need of rewarding content creators is hard to understand, as they obviously access content for free.
  • Ruthless exploitation
    Before the colonization of the West, millions of buffalos roamed the prairie. The bison provided the American Natives with food, clothing and the basis for making tools and tents. The hunters of that time only killed as many bison’s, as they needed per day. The buffalos were eventually almost completely exterminated for the mass production of boots and for the supply of the railway workers.
    In the dawn of the Internet, computer nerds were everywhere romping around and trying out possible applications. With networking, the geographical distances dissolve and each connected region of the world is part of the whole with just a mouse click. The digitization of books, music and films makes it possible to copy products protected by copyright without the opportunity that the authors control the use. Beneficiaries are not only the usual distributors, but also platforms that benefit from the use of data and broker commissions.
    Today, Internet providers bypass the requirements of the cultural, logistics and tourism industries – Amazon is replacing local book and record stores not as a book store but as a logistics company; Uber offers passenger transport outside the legal regulations; Airbnb arranges private overnight stays without the liability of the hotel industry.

Bottom line: The economic interests, the assumed boundlessness, the lack of rules and the ruthless exploitation of resources are similar in the development of the American Frontier and the World Wide Web. This makes the American Frontier the ideal metaphor for the Internet.

P.S.: It is important for content providers to receive their economic share and at the same time for users to retain access to information – without over-bureaucratization, i.e. without the regulatory mania that hampers actual work. The remuneration of intellectual property must be ensured, otherwise there will be no new content.

Die neue Öffentlichkeit

Der Weg in die Öffentlichkeit beginnt schon immer bei den Autoren. Sie entwickeln Ideen und nehmen sich die Zeit, einen Artikel zu erstellen. Die Umsetzung erfolgte früher sehr arbeitsteilig. Autoren schrieben Texte. Illustratoren entwarfen die Bilder. Layouter bestimmten den Aufbau der Seiten. Lektoren korrigierten die Texte. Zensoren sicherten die Compliance. Die Drucker setzten die Seiten – oder weigerten sich, wenn der Inhalt ihnen nicht passte. Die Maschinisten erzeugten die Auflagen. Auf verschiedenen Vertriebswegen landeten schließlich die Artikel in einem Buch, einer Zeitung oder auf einem Poster bei den Lesern. Verlage brachten das Ganze heraus. Mit der neuen Öffentlichkeit haben alle, die Zugang zum Internet haben, die Möglichkeit ihre Ideen zu verbreiten.

Auf dem Weg in die Öffentlichkeit kümmert sich jeder selbst um alle genannten Aspekte – die Erstellung, Korrektur, Zensur und Auslieferung. Die vierte Gewalt gerät dadurch ins Wanken. Ist das bereits das Ende? Die etablierten Medien stehen vor einer der größten Disruptionen seit der Erfindung des Buchdrucks. Die heutigen Autoren können alle bekannten Medien eigenverantwortlich meistern.

  • Internetdomäne
    Nachdem es nicht mehr erforderlich ist eine Internetseite zu programmieren, weil Generatoren aller Art multimediale Inhalte kostengünstig ins Netz bringen, kann sich jeder seine eigene Domäne leisten – wie z.B. http://memecon.de. Was ist eigentlich der Vorläufer einer Internet-Domäne?
  • Soziale Netzwerke
    Für diejenigen, denen eine eigene Webseite zu viel Aufwand ist, bieten Facebook, Linkedin, Xing und die vielen anderen Sozialen Netzwerke die Möglichkeit, eigene Seiten zu erstellen und damit multimedial erreichbar zu sein. Die Vorläufer der sozialen Netze waren die Vereine, Klubs und sonstige Gemeinschaften, die bei Weitem nicht die Reichweite der heutigen Plattformen haben.
  • Videoplattformen
    Das bewegte Bild wurde früher von TV-Stationen verbreitet. Heute können alle einen eigenen Kanal eröffnen und Videos senden. Die Angebote, die via Youtube und vimeo, Dailymotion oder alugha auf Sendung gehen, liefern immer bessere Inhalte. Deren Vorläufer, die Fernsehstationen, sind gerade mal 100 Jahre alt.
  • Podcastkanäle
    Als Nachfolger des Radios entwickeln sich Podcasts, die über Sender wie iTunes, Stitcher, acast oder andere senden. Die themenorientierten „Sendungen“ führen zu einem neuen Hörverhalten. Und das, nachdem die Vorläufer, die Radiostationen, nur 100 Jahre alt sind.
  • Print on demand
    Und selbst die klassische Publikation auf Papier kann heute jeder selbst machen – mit einer ISBN-Nummer ist man in den einschlägigen Vertriebsschienen vertreten, z.B. Amazon, Buchhandel.de oder VLB. Damit steht ein etabliertes Medium, das es seit fast 600 Jahren gibt, jedermann zur Verfügung.

Die Auswirkungen auf die etablierten Kanäle sind noch nicht absehbar. Allerdings beginnen die Medien bereits darüber nachzudenken, wie sie ihr Geschäftsmodell anpassen müssen. Die ersten Kontroversen gab es bereits zwischen den existierenden Medien. Denke man nur an die Tageszeitungen, die die Tagesschau-App verklagen. Oder der Streit mit den Suchmaschinen, die Auszüge der Inhalte anzeigen, wodurch die heutige Geschwindigkeit der Nutzung dazu führt, dass die ehemaligen Abonnenten sich das Geld sparen, weil ihnen die Kurzfassungen ausreichen. Betroffen sind auch alle Partner der etablierten Medien, d.h. die Werbeindustrie, der Handel oder Fußballvereine. Der Zugang zu ihrer Kundschaft verlagert sich. Und die alten Messpunkte für die Werbung gehen verloren. Sobald die Aufmerksamkeit der Konsumenten sich von der vierten Gewalt gelöst hat, wird es schwer werden, sie zurückzugewinnen.

Darüber hinaus scheinen sich die etablierten Medien als systemrelevant zu betrachten, indem sie auf ihre Parteilosigkeit, ihren Sachverstand und öffentlichen Auftrag hinweisen. Allerdings muss man sich fragen, ob ein Medium je diesem Anspruch gerecht werden kann – beispielsweise mit einer Berichterstattung zu einem Geschehen in Syrien vom Balkon eines Hotels in Kairo, Ägypten. Am Ende ist jede Form von Berichterstattung ein Filter – unabhängig davon, ob etwas gewollt oder ungewollt unterschlagen wird. Schwierig wird es zusätzlich, wenn die klassischen Beziehungen infrage gestellt sind – wenn beispielsweise ein Zuschauer einen spannenden Podcast zu einem Bundesligaspiel macht; oder ein Reisender aus einer unerreichbaren Krisenregion berichtet; oder die Werbeindustrie sich auf die Influencer stürzt und damit neue Regeln im Marketing schafft.

Natürlich entbehren die Inhalte der neuen Öffentlichkeit in diesem frühen Stadium eingeführten Instanzen, die die Güte der Beiträge sicherstellen. Auf diese Weise können Meinungen zu Fakten und Fakten zu Fake News werden. Durch die Geschwindigkeit, mit der sich der Internet-Tsunami ergießt, ist es etwas spät, die erforderlichen Fähigkeiten zu vermitteln – aber lieber spät, als gar nicht. Es wäre jedoch falsch, diese Entwicklungen zu verunglimpfen oder sogar zu verhindern. Die Gesellschaft muss sich darum kümmern, die entsprechende Medienkompetenz in die Schulpläne einzubauen – was leider von manchen Hirnforschern hintertrieben wird, in dem sie die Neuen Medien verdammen.

Fazit: Zu einem gewissen Grad hat sich die Medienlandschaft demokratisiert. Alle können sich beteiligen und ihre Inhalte in die Welt senden. Das dadurch entstehende Rauschen fragmentiert die Gesellschaft. Die klassischen Straßenfeger werden verschwinden. Der soziale Charakter des gemeinsamen Informationsempfangs verschwindet. Jeder Konsument bekommt genau das, was er will, was sich jedoch von seinem Nachbarn dramatisch unterscheiden kann. Solange wir nicht eine entsprechende Ethik der Nachricht, Information oder Veröffentlichung gelernt haben, werden wir mit denen leben müssen, die die neue Freiheit ausnutzen und die Welt gezielt mit Falschmeldungen bombardieren. Die neue Öffentlichkeit bleibt vorerst eine unbewältigte Herausforderung.

The new public

The path to the public has always begun with the authors. They develop ideas and take the time to create an article. In the past, implementation was very much a division of labor. Authors wrote texts. Illustrators designed the pictures. Layout designers determined the page structure. Proofreaders corrected the texts. Censors ensured compliance. The printers sat the pages – or refused, if they did not like the content. The machine operators produced the print runs. At the end, the articles in a book, a newspaper or on a poster were distributed in various ways to the readers. Editors published the whole. With the new public, everyone, who has access to the Internet, has the opportunity to spread its ideas.

On the way to the public, everyone takes care by themselves of all the aspects mentioned – creation, correction, censorship and delivery. This, the fourth estate gets shaken. Is this already the end? The established media is facing one of the biggest disruptions since the invention of book printing. Today’s authors can master all known media on their own.

  • Internet domain
    Since it is no longer necessary to program an Internet site, because generators of all kinds bring multimedia content cost-effectively into the Internet, everybody can afford its own domain – such as http://memecon.com . Actually, what is the forerunner of an Internet domain?
  • Social networks
    Facebook, Linkedin, Xing and the many other social networks offer the possibility to create personalized pages and being that way accessible via multimedia. The forerunners of social networks were associations, clubs and other communities, do not have by far the reach of today’s platforms.
  • Video platforms
    The moving image used to be distributed by TV stations. Today, everyone can open a personal channel and broadcast videos. The offers, which go on air via YouTube and vimeo, Dailymotion or alugha, deliver ever better content. The forerunners, the television stations, are only just under 100 years old.
  • Podcast Channels
    Podcasts are evolving, which broadcast via stations such as iTunes, Stitcher, acast or others as successor of the radio. The topic-oriented „broadcasts“ lead to a new listening behavior. And this, after the predecessors, the radio stations, are only around 100 years old.
  • Print on demand
    And even the classic publication on paper can be done today by anyone – with an ISBN number you are represented in the relevant sales channels, e.g. Amazon, https://isbnsearch.org/. This means that an established medium that has been around for almost 600 years is available to everyone.

The impacts on the established channels are not yet foreseeable. However, the media are already starting to think about how to adapt their business model. The first controversies already happened between the existing media. Just think of the daily papers that are suing the app providers of news channels in Germany. Or the dispute with the search engines that display excerpts of content, which, given the current speed of use, result in the fact that former subscribers save money because the abstracts already fit their needs. All partners of the established media, i.e. the advertising industry, the traders or football clubs, are also affected. The access to their customers is shifting. And the old indicators of publicity get lost. Once consumers‘ attention has moved away from the fourth estate, it will be difficult to win them back.

Beyond that, the established media seems to regard themselves as systemically relevant, pointing out their independency, their expertise and public mandate. However, one must ask oneself whether a medium is able to live up to this claim – with coverage of an event in Syria that is done from the balcony of a hotel in Cairo, Egypt. In the end, every form of reporting is a filter – regardless of whether it withholds deliberately or unintentionally. It becomes even more difficult, if the classical relations are questioned – if for example a spectator makes an exciting Podcast of a football game; or a traveler reports from an unreachable crisis region; or the advertising industry throws itself on the influencers and creates thereby new rules in marketing.

Of course, the content of the new public lacks at this early stage established bodies that ensure the quality of the posts. That way, opinions can become facts and facts can become fake news. Due to the speed with which the Internet tsunami pours out, it is a little late to convey the necessary skills – but better late than never. However, it would be wrong to disparage or even prevent these developments. The society must take care to incorporate the appropriate media competence into school curricula – unfortunately this is being thwarted by some brain researchers, who condemn the new media.

Bottom line: To a certain extent, the media landscape has become more democratic. Everyone can participate and send their content into the world. The resulting noise fragments society. The classic block busters will disappear. The social character of jointly receiving information disappears. Every consumer gets exactly what he wants, what can differ dramatically from its neighbor. Until we have learned an appropriate ethics of news, information or publication, we will have to live with those who exploit the new freedom and bombard the world with false reports. The new public remains an unresolved challenge for the time being.

Was du nicht willst, das man dir tut, das füg‘ auch keinem andern zu

In den Einkaufsstraßen der Innenstätte trifft man ab und zu auf Menschen, die ihrem Unmut freien Lauf lassen. Manchmal tragen sie ein Plakat mit der Aufschrift „Ich bin dagegen!“ und manchmal brüllen sie ihre Entrüstung einfach in die Menge. Wie wäre es, wenn diese Menschen uns persönlich anpöbeln oder Details aus unserem Privatleben herausschreien oder uns unflätig beleidigen oder uns an den Pranger stellen würden? Undenkbar?

Im Internet ist dies mittlerweile Wirklichkeit geworden. Und das ist wesentlich schädlicher als in dem obigen Beispiel, da alle den Zugriff auf die Pöbeleien haben und das Internet nichts vergisst – egal ob die Veröffentlichungen stimmen oder nicht. Ich bin mir sicher, dass niemand das Opfer solcher Attacken sein möchte. Es scheint aber nicht mehr die Regel zu gelten: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“

Anonymus

Die moderierenden Regeln von Foren und anderen virtuellen Treffpunkten werden von den Anbietern von sozialen Netzen (z.B. Facebook, Xing und LinkedIn) nach bestem Wissen und Gewissen festgelegt und umgesetzt. Sie bieten Funktionen, die es Moderatoren ermöglichen, regelnd einzugreifen. So ermöglicht LinkedIn es jedem Nutzer die Beiträge von anderen Anwendern per Mausklick als unangemessen (Report Spam) zu kennzeichnen. Sobald Anwender derart gekennzeichnet sind, gilt diese Bewertung in ALLEN Foren. In der Folge müssen alle Beiträge des stigmatisierten Anwenders für eine bestimmte Zeit in ALLEN LinkedIngruppen von den Administratoren geprüft und manuell freigegeben werden.

An sich wird dadurch die Selbstorganisation der Anwender gestärkt – wären da nicht die schwarzen Schafe, die diese Möglichkeiten ausnutzen, um unliebsame Meinungen zu zensieren. Die Kritik mithilfe von negativen Likes erfolgt anonym ohne dokumentierte Begründung oder Erklärung. Seit Orwells 1984 und Bradburys Fahrenheit 451 sind derartige Denunzianten in demokratischen Gesellschaften nicht toleriert. Warum installieren Anbieter von sozialen Netzen derartig subversive Funktionen ohne jeglichen Schutz für die Opfer? Früher oder später brauchen wir Regelungen, die die immer stärker werdende Zweckentfremdung des Netzes regelt. Folgende Aspekte sollten dabei berücksichtigt werden.

  • Neutrale Kontrollstellen
    Anbieter von sozialen Netzen sollten nicht einfach die Verantwortung für die Ordnungsmäßigkeit der Inhalte vollständig an Anwender delegieren, z.B. an die Verantwortlichen eines Forums. Wie bei der Produkthaftung in anderen Industrien liegt die letztendliche Verantwortung für ein Produkt oder einen Service bei dem Anbieter, der damit Geld verdient. Zu diesem Zweck sollten Ansprechpartner bereitgestellt werden, die die finale Entscheidung über die Rechtmäßigkeit eines Beitrags oder Benutzerkontos haben. So könnten unerwünschte Anwender durch die Kündigung des Accounts und die Erstattung der Beiträge ausgeschlossen werden. Gleichzeitig hätten die Ausgeschlossenen einen Ansprechpartner, um die Rechtmäßigkeit einer Maßnahme verhandeln zu können.
  • Keine anonymen Beschuldigungen anderer Nutzer
    Die Hemmschwelle für eine Bewertung in Form eines Likes oder Dislikes, eines Kommentars oder Ähnlichem wäre wesentlich höher, wenn der ausführende Anwender sich nicht hinter seinem Konto durch Anonymität verstecken könnte. Dies erfordert, dass über die neutrale Kontrollstelle, der Zugriff auf die Verfasser von unangemessenen Beiträgen möglich ist. Dadurch würde das natürliche Verantwortungsgefühl von jedem Mitwirkenden aktiviert.
  • Jede Beschuldigung begründen
    Sobald öffentliche Vorwürfe formuliert werden, sollten die Benutzer verpflichtet sein auf Nachfrage diese zu begründen. Durch eine „juristische“ Beurteilung sollten dann die Aktionen des „Angeklagten“ und des „Anklägers“ zu konkreten Konsequenzen für den einen oder anderen führen.
  • Rechtliche Maßnahmen gegen Cyberasoziale
    In allen Bereichen des Lebens gibt es Regelungen für die, die sich außerhalb der gesellschaftlichen Normen bewegen. Nur im Internet ist alles ohne Konsequenz für den Täter möglich. Solange dieser rechtsfreie Raum ungeregelt bleibt, wird sich die Situation weiter verschärfen. Die Opfer sind die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die zum Ziel werden. Treffen kann es jeden.

Fazit: Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit wird mittlerweile alles im Netz möglich. Es ist nicht die Frage, ob das Netz geregelt wird, sondern wann. Zu viele Opfer wurden bereits in jeder Altersgruppe, Schicht und in allen Ländern verletzt. Da die natürliche Regel „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu“ nicht mehr greift, werden wir nicht umhin kommen gesellschaftliche Normen für das Internet verbindlich einzuführen.

Die Zukunft hat bereits begonnen

Anders als die Automobile verändert die Informationstechnologie (IT) schneller und radikaler unsere Art zu leben. Das Auto musste auf die Massenproduktion warten, bevor es zu seinem Siegeszug aufbrechen konnte. Viele der IT-Lösungen, die uns zukünftig 24 Stunden, 7 Tage die Woche neue Fähigkeiten abverlangen, sind bereits im Einsatz. Sie müssen nicht spekulieren, sondern sich nur damit beschäftigen, denn die Zukunft hat bereits begonnen.

ZukunftIT

Solange der Strom aus der Steckdose kommt, werden die folgenden Technologien unsere Art zu leben und zu arbeiten beeinflussen.

  • Mobiles Internet
    Die Treiber sind die mobilen Endgeräte und die permanente Verfügbarkeit des Internets. Sicher nutzen Sie bereits portable Rechner, wie einen Laptop- oder einen Tablet-Computer, ein Smartphone oder vielleicht bereits eine Smartwatch. Lesen Sie diesen Block auf Ihrem Weg zur Arbeit?
  • Das Internet der Dinge
    Die IT-basierten Sensoren lassen sich kostengünstig überall einbauen. Dadurch wird die Lokalisierung von Dingen automatisiert. Diese Daten sind speicher- und auswertbar um besser zu entscheiden und die Abläufe zu verbessern. Haben Sie Ihre letzte Paketlieferung getrackt und den genauen Zeitpunkt der Lieferung ermittelt?
  • Cloudtechnologie
    Die ununterbrochene Verfügbarkeit des Netzes erlaubt jederzeit den Zugriff auf Ihr Rechenzentrum in der sogenannten Cloud (Englisch für Wolke). Dabei handelt es sich um ein Rechenzentrum, das Ihren Geräten via Internet die Nutzung von Anwendungen und den Zugriff auf die gemeinsamen oder persönlichen Daten ermöglicht. Haben Sie vor der Lektüre dieses Blocks Ihre Emails in der Cloud gecheckt? Oder rufen Sie sie danach ab?
  • Maximal autonome Fahrzeuge
    Die Fahrzeuge verfügen schon lange über eine Vielzahl von vernetzten IT-Sensoren. Die Automatisierung des Fahrens ist der absehbar nächste Schritt. Viele Hersteller fahren bereits voll-automatisch mit autonomen Fahrzeugen auf deutschen Autobahnen – wenn auch unter menschlicher Beobachtung. Das Auto findet seinen Weg, steuert sicher durch den Verkehr, beschleunigt und bremst und verfügt jederzeit über seine genaue Position. Folgen Sie widerspruchslos den Anweisungen Ihres Navigationssystems?
  • 3D-Druck
    Viele von uns kennen vielleicht die Matrixdrucker, die vor 30 Jahren Texte mittels eines Farbbands als pixelierte Buchstaben auf Endlospapier gedruckt haben. Wir befinden uns derzeit am Anfang der entsprechenden Entwicklung für drei-dimensionalen Objektdruck. Die Auflösung und die Materialien lassen sich bald nicht mehr von industriell gefertigten Produkten unterscheiden. Damit werden Dinge über das Internet in Form von 3D-Daten beliebig verschickbar. Der physische Transport wird sich auf die Beschaffung des Verbrauchsmaterials, dem Plastik, beschränken. Haben Sie bereits ein gedrucktes 3D-Objekt?

Diese Technologien sind nicht nur denkbar, sondern bereits zu vernünftigen Preisen allgemein verfügbar. Da wir alle betroffen sind oder bald sein werden, sollten wir uns für jede dieser Entwicklungen die folgenden Fragen stellen.

  • Was bedeutet die neue Technologie für mich?
  • Welche Möglichkeiten ergeben sich für mich?
  • Wie lange dauert es, bis die Folgen mich erreichen?

Fazit: Der Blick in die Zukunft erfordert nur offene Augen auf die heute verfügbaren Lösungen. Die persönliche Lage kann dann mit Fantasie in die Zukunft extrapoliert werden. Dies ermöglicht es frühzeitig Maßnahmen einzuleiten, um die neuen Chancen auszunutzen.

Diese und weitere Inspirationen finden sich in dem folgenden McKinsey-Report. McKinsey-Report

The future has already begun

In contrast to the automobiles, the information technology changes our way of living faster and more radical. The car had to wait for the mass production, before it could start its huge success. Many of the IT-solutions that require new abilities in the future are already 24 hours, 7 days a week in use. You do not have to speculate, but only to take the time to deal with it, because the future has already begun.

ZukunftIT

As long as electricity comes from the power socket, the following technologies will affect our way of living and working.

  • Mobile Internet
    The drivers are the mobile terminals and the permanent availability of the Internet. You certainly already use portable computers, like a laptop or a tablet computer, a Smartphone or maybe already a Smartwatch. Do you read this block on your way to work?
  • The Internet of things
    IT-based sensors can be installed cheaply everywhere. Thus, the localization of things is automated. This data can be stored and evaluated to take better decisions and to improve processes. Did you track your last parcel order and found out the exact delivery time?
  • Cloud technology
    The uninterrupted availability of the net allows the access to your datacenter at any time in the so-called Cloud. A datacenter enables via Internet the use of your applications and the access to common or personal data for your devices. Did you check your emails in the Cloud before reading this block? Or do you open them hereafter?
  • Maximally autonomous vehicles
    Vehicles have already for a long time a variety of interconnected IT-sensors. The automation of driving is the foreseeable next step. Many manufacturers drive already fully automatic with autonomous vehicles on the German Autobahn – although under human observation. The car finds its way, steers safely through the traffic, accelerates and brakes, and has its exact position at any time. Do you follow the instructions of your navigation system without contradiction?
  • 3D printing
    Maybe many of us know the matrix printers that printed 30 years ago texts with pixelated letters on continuous paper by means of an ink ribbon. We are today at the beginning of the respective development for three-dimensional object printing. The resolution and the materials soon cannot be differentiated from industrially manufactured products. That way, things can be arbitrarily exchanged over the Internet as 3D data. Physical transport will be limited to the procurement of the expendable material, the plastics. Do you have already a printed 3D Object?

These technologies are not only imaginable; they are already available for a reasonable prize. Since we are all affected or soon will be, we should ask ourselves the following questions for each of these developments.

  • What does the new technology mean for me?
  • What are the opportunities for me?
  • How long does it take, until the consequences reach me?

Bottom line: The look ahead requires only open eyes on today’s available solutions. Then, the personal situation can be extrapolated with fantasy into the future. This allows at an early stage to start measures to benefit from these new opportunities.

These and further inspirations are in the following McKinsey report. McKinsey report