Schlagwort-Archive: Mikromanagement

Das Damoklesschwert für Manager – die Stufe der Unfähigkeit

Wenn sich die Karriere immer weiter beschleunigt und auf dem Weg die Werte verloren gehen, dann lauert die Unfähigkeit hinter allen Ecken. Das Schicksal einer Führungskraft hängt an einem einzelnen Pferdehaar. Früher hat man vom Peter Prinzip gesprochen – i.e. in einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. Heute geht alles so schnell, dass diese Stufe früher erreicht wird, da die erfahrenen Mentoren fehlen. Mit der entsprechenden Aufmerksamkeit könnte man frühzeitig gegensteuern.

Was sind jedoch Verhaltensweisen, auf die man achten sollte, um diese Stufe so lange wie möglich hinauszuzögern.

  • Nicht laut werden
    Der Volksmund sagt: „Wer schreit, hat unrecht.“ Glaubt man den Aussagen von Zeitgenossen, dann hatte weder Steve Jobs dem Druck herumzuschreien widerstanden, noch hat Elon Musk diese Selbstbeherrschung – obwohl der materielle Background eine gewisse Großzügigkeit erwarten ließe. Der Rest der Manager, die cholerisch herumschreien und zynisch beleidigen und dann noch meinen zu führen, zeigen mit diesem Verhalten vor allem ihre Grenzen. Seien Sie lieber selbstbeherrscht durch eine angemessene Lautstärke.
  • Fair bleiben
    Die althergebrachte Belohnung von Ja-Sagern, die finanzielle Sonderzahlung für besonders Anpassungswillige, ist Ausdruck von unausgewogenem Umgang mit den Mitarbeitern. Diese Ungerechtigkeit wird heute auch noch ersetzt durch den warmen Händedruck, der seine Wirkung dadurch verstärkt, dass man ansonsten nie lobt. Es dauert nicht lange, bis die voreingenommene Verteilung der Wertschätzung bemerkt wird. In diesem Sinne verstärkt die Bevorzugung von Einzelnen den Eindruck, dass jemand seine Stufe erreicht hat. Alle profitieren, wenn Sie fair bleiben.
  • Offen sein
    Eine besondere Form der Ungerechtigkeit ist es, wenn nach dem alten Gesetz der Führung vorgegangen wird – Regel 1: Der Chef hat immer recht; Regel 2: Sollte der Chef mal nicht recht haben, dann tritt automatisch Regel 1 in Kraft. Dies kann zu absurden Vorfällen führen: Ich habe mich doch klar ausgedrückt. Warum verstehen SIE das nicht? Und fünf Minuten später: Das kann doch keiner verstehen. Wieso drücken Sie sich nicht verständlicher aus? Und am Ende leiden die Ergebnisse. Verwenden Sie andere Standpunkte zum zum Vorteil aller.
  • Passend delegieren
    In der Folge kommt es dann auch zu sich widersprechenden Aufträgen, die in jedem Fall zu einer Maßregelung führen. Der motivierte Mitarbeiter, den es überall gibt und der an Projekt A und Projekt B arbeitet, soll eins der Projekte vorstellen. Bei der Präsentation von Projekt A entsteht dann Verärgerung, warum nicht Projekt B vorgestellt wird. Das Gleiche passiert natürlich auch im umgekehrten Fall. Diese Zwickmühle lässt sich nur durch Einen auflösen. Achten Sie auf Konsistenz, wenn Sie andere mit Aufgaben betrauen.
  • Loslassen
    Das ein Manager mit der Zeit das Gefühl für die Arbeit verliert, ist verständlich. Die fehlende Praxis führt dazu, dass die Mitarbeiter in Summe wesentlich mehr wissen, als der Vorgesetzte. Wenn den Aufwandsschätzungen der Mitarbeiter nicht mehr vertraut wird und die Planungen einfach angepasst werden, führt das zu einer unnötigen Frustration, die negativen Stress erzeugt. Mikromanagement ist einer der wichtigsten Gründen für Disstress. Als Führungskraft lassen Sie einfach los und wertschätzen jedes Ergebnis.
  • Form folgt Inhalt
    Leider wird der Satz anders herum gelebt. Heute stehen viele vor einem Dilemma. Die Halbwertzeit von technischem Wissen beträgt drei Jahre. Dies bedeutet, dass nach knapp zehn Jahren das ursprünglich Erlernte nur noch 25% Wert hat – außer: Man hat sich kontinuierlich weitergebildet. Dies führt dazu, dass nachdem die Inhalte langsam verschwinden, die Form immer wichtiger wird. Wenn bei der Besprechung eines Konzeptes es sich um den Font und die CI dreht, dann befinden sich die Gesprächspartner sicher auf unterschiedlichem Terrain – dabei wäre das der Moment für einen wertvollen Beitrag. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter, wo sie es wirklich brauchen.
  • Nicht überladen
    Es ist keine besondere Schwäche des Managements sich den verzögerten Effekten von Maßnahmen nicht bewusst zu sein. Initiativen werden auf den Weg gebracht, die oft länger dauern, als die Führung braucht, um weitere Aktionen aufzusetzen. Alles Portfoliomanagement federt dieses hausgemachte Chaos nicht ab. Ordnung und Kontinuität ist keine Eigenschaft, wenn man seine Stufe erreicht hat (erinnern wir uns an Regel 1 und 2). Denken Sie daran, dass Ihre Initiativen abgeschlossen sind, bevor Sie damit beginnen, das nächste große Rad zu drehen.
  • Drücken Sie sich klar aus
    Das Kommunikationsverhalten von Führungskräften ist erfolgskritisch. Klare Vermittlung der Strategie, Bereitstellung von Werten und Unterstützung der Mitarbeiter bei ihren Anstrengungen ist deren eigentliche Aufgabe. Verstehen die Mitarbeiter ihre Führungsspitze nicht, weil dort oben ein fremder Jargon gepflegt wird oder unvollständige Aussagen und vage Botschaften mitgeteilt werden, dann ist die Viabilität der Unternehmung in Gefahr. Eine fuzzy Art sich mitzuteilen ist der Rolle einer Führungskraft nicht angemessen, sondern sie belegt nur die besagte Unfähigkeit. Lernen Sie die Sprache Ihrer Zielgruppe und übermitteln Sie Ihre Botschaft auf deren Art.

Fazit: Der neutrale Blick von außen enttarnt die Personen, die das Zusammenspiel der Teams gefährden. Der respektvolle Umgang miteinander, die ausgewogene Beschäftigung mit allen, der Verzicht auf Schuldzuweisungen, klare Ziele, die Vermeidung von zusätzlichem Stress, der Fokus auf Inhalte, das Verständnis von Ursachen und Fernwirkungen und eine klare Sprache sind Indikatoren für die Wirksamkeit einer Führungskraft. Oberstes Ziel ist es, die Stufe der Unfähigkeit durch achtsames und kompetentes Verhalten so weit wie möglich zu verschieben, um dem Damoklesschwert zu entgehen.

Agilität verträgt keinen Bonsaistil

Bonsai ist die Kunst das Wachstum von Bäumen so zu beeinflussen, dass die Bäume zwar durch künstlerische Gestaltung eine schöne Wuchsform haben, aber durch regelmäßige Schnitte in Töpfen klein gehalten werden. Das Ergebnis ist eine Vielzahl von einzigartigen, scheinbar wilden Bäumen. In der Natur würden diese Bäume in den Himmel wachsen. In Unternehmen hat sich ein ähnlicher Ansatz entwickelt. Bonsaistil ist die Kunst Mitarbeiter klein zu halten. Dieses Mikromanagement wirkt auf die Aktivitäten der Mitarbeiter, wie die Schere auf das Wachstum des Baumes. Agilität, die von der Proaktivität, Initiative und Flexibilität der Mitarbeiter lebt, verträgt jedoch keinen Bonsaistil.

Was macht den Bonsaistil aus, der Agilität unterminiert?

  • Mehr Kritik als Lob
    Vertreter des Bonsaistils haben die Tendenz jedes noch so kleine Engagement von Mitarbeitern im Keim zu ersticken, indem sie unentwegt herumkritteln. Es macht dabei keinen Unterschied, ob die Beanstandungen berechtigt sind oder nicht. Verstärkt wird das Ganze durch das Fehlen von Lob. In einer agilen Welt könnten sich solche Leiter nicht behaupten, da niemand sich ihnen anschließen würde.
  • Mit Formalien Ergebnisse entwerten
    Der agile Mitarbeiter ist ein Getriebener seiner eigenen Ansprüche. Die Aufmerksamkeit beschränkt sich auf die Lösung der Aufgabe. Dies führt dazu, dass Aspekte, die nicht so viel mit der Lösung zu tun haben, als Nebensächlichkeiten ausgeblendet werden. Sitzt die Krawatte? Wurden offizielle Formulare genutzt? Stimmt der Font? Das Ergebnis besteht aus achtzigprozentiger Problemlösung. Die schlechte Beurteilung der Äußerlichkeiten geht völlig am Ziel vorbei und tritt das zarte Pflänzchen des Engagements der Mitarbeiter mit Füßen.
  • Konsequent den Vorgesetzten-Joker ziehen
    Nach vielen Jahren der Entwicklung von lernender Organisation, Mitarbeiterbeteiligung und Teambuilding, haben sich die Machtverhältnisse, mit ihren Vorgaben, Beurteilungen und Entscheidungen von oben, erhalten. Jetzt erhoffen sich jene, die an ihre Grenzen gekommen sind, eine Entbürokratisierung und die Nutzung der dem Mitarbeiter innewohnenden Energie, etwas gestalten zu wollen. Meldet sich jedoch keiner freiwillig, so werden die Freiwilligen bestimmt. Liefert keiner, was die Oberen erwarten, müssen die Mitarbeiter mikrogemanagt IHR Ergebnis anpassen. Zur Absicherung des Geschäfts werden neben den agilen Strukturen die hierarchischen beibehalten.
  • Verunglimpfen im Plenum
    Ein sehr effektives Vorgehen, um die Mitarbeiter klein zu halten, sind verletzende Kommentare in der Öffentlichkeit. Abwertende Anmerkungen zu dem persönlichen Arbeitsstil, zu kleinen Fehlern in der Argumentation oder zu der Aufbereitung der Ergebnisse stellen sicher, dass die Mitarbeiter das Gesicht verlieren. Das vorauseilende Engagement des agilen Mitarbeiters ist dann nicht mehr wahrscheinlich.
  • Mikromanagement
    Die stets nicht verfügbaren, aber 24/7 detailversessenen Mikromanager sind eigentlich ihre besten agilen Mitarbeiter. Ihr Engagement ist immer auf Maximum. Sie kümmern sich um alles und sind entscheidungsfreudig. Leider fehlt ihnen die Zeit zu überlegen, da es unentwegt Aufgaben gibt, um die sie sich offensichtlich kümmern müssen. Da Alles ihre Aufmerksamkeit erregt, schaffen sie es nicht mehr, sich einzuarbeiten und tragen damit nichts zur Sache bei. Ihrer eigentlichen Funktion kommen sie verständlicherweise auch nicht nach. Mikromanagement ist eine der größten Hürden auf dem Weg zur Agilität.
  • Fehlende Deckung
    Die Einstellung, jederzeit jede Feinheit nach eigenem Gutdünken zu korrigieren, führt dazu, dass die Mitarbeiter im Krisenfall schnell ohne Deckung, dem Problem alleine ausgesetzt sind. Um agil agieren zu können, brauchen sie aber das Vertrauen von oben, dass ihre Aktionen stets im Interesse des großen Ganzen stattfinden. Wo viel passiert, da passieren auch viele Fehler. Fehlertoleranz ist ein Ansatz, um eine gute Deckung zu erzeugen. Eine verbleibende Aufgabe der Leiter im Rahmen von Agilität ist die grenzenlose Unterstützung und Abschirmung der Mitarbeiter bei der selbstorganisierten Abarbeitung der Themen.
  • Regel eins und zwei
    Neben dem Mikromanagement sind die größten Agilitätskiller die Regeln der Macht. Regel 1: Der Chef hat immer recht. Regel 2: Hat er mal nicht recht, so gilt automatisch Regel 1. Damit hat die aufkeimende Initiative keine Chance, sich langfristig zu beweisen und eine wirksame Lösung zu entwickeln.

Neben dem Mikromanagement sind die größten Agilitätskiller die Regeln der Macht. Regel 1: Der Chef hat immer recht. Regel 2: Hat er mal nicht recht, so gilt automatisch Regel 1. Damit hat die aufkeimende Initiative keine Chance, sich langfristig zu beweisen und eine wirksame Lösung zu entwickeln.

Fazit: Solange die alten Ansätze zur Gestaltung von Unternehmen beibehalten werden, wie die hierarchische Struktur, die Kommandokette oder der Vorgesetzten-Joker, werden auch die damit verbundenen Nachteile erhalten bleiben. Die großzügige Ermächtigung der Mitarbeiter mit ausreichend Ressourcen, Befugnissen und Unterstützung ist entscheidend für das Ausschöpfen der Vorteile von agilen Ansätzen. Bonsaistil verhindert dabei die gewünschten Effekte, da eine im Keim beschnittene Mitarbeiterinitiative keine Blüten tragen kann.