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Wo ist eigentlich das Problem mit Daten?

Ein wesentlicher Aspekt der digitalen Transformation ist die Abbildung des gesamten geschäftlichen und privaten Lebens in Datenbanken als Einsen und Nullen. Die so geschaffene Transparenz weckt ein Gefühl der Unsicherheit, solange man sich nicht bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Deshalb sollten wir uns die Datenflut bewusst machen. Bis 2020 sagt IDC ein Datenvolumen von 40 Zettabytes voraus http://ow.ly/Ao5v7. Das sind 40.000.000.000.000.000.000.000 Bytes. Die neuartigen Algorithmen erlauben Auswertungen ohne klare Vorstellung der Fragestellung. Bei dieser Datenmenge wird es immer schwieriger, sinnvolle Erkenntnisse abzuleiten. Gleichzeitig lassen sich gezielt wertvolle Informationen ermitteln. Wo ist dann eigentlich das Problem mit Daten?

Machen wir uns einmal bewusst, wo die Daten anfallen.

  • Im Telefonnetz werden kontinuierlich die Verbindungsdaten gespeichert – inkl. geographische Bewegungsdaten.
  • Der Einsatz jeder EC-Karte löst die Speicherung des kompletten Bezahlvorgangs aus.
  • Die Kreditkarte löst bei jeder Nutzung eine Reihe von Kontroll- und Speichervorgängen aus.
  • Die Nutzung des Internets hinterlässt Spuren in den Systemen von Zugangsanbietern, Netzbetreibern, Diensteanbietern und, im Falle von mobilem Zugriff, bei allen „Lauschern“.
  • Ein Einkauf führt zu einer Speicherung von Kundendaten. Weniger persönlich, sofern noch keine persönlichen Daten bereitgestellt wurden. Sehr persönlich, z.B. mit einer Kundenkarte, die alle Interaktionen mit dem Anwender verknüpft.
  • Wunschlisten, die sich alle Produkte für einen möglichen, zukünftigen Kauf oder anderweitiger Nutzung merken, stehen den Anbietern jederzeit zur Verfügung.
  • Gratisangebote sind häufig mit der Angabe der E-Mail-Adresse verknüpft.
  • Das Lesen von E-Books speichert die Lesegewohnheiten.
  • Medienanbieter, wie Youtube oder Spotify, merken sich den Status und den Verlauf der Nutzung.
  • In Social Media Plattformen hinterlegen Nutzer offen, was auch immer ihnen in den Sinn kommt.
  • Elektronische Fahrtenbücher speichern alle Bewegungen eines Fahrzeugs.
  • Bücher, Filme, Musik, Photos, Skulpturen, kurz jegliche Kulturgüter lassen sich digital dokumentieren.
  • In den Meldestellen sind die Aufenthaltsdaten abgelegt.
  • Einmal im Jahr verarbeitet das Finanzamt Einkommensdaten.
  • Aktuelle Kamerasysteme ermöglichen die Überwachung im öffentlichen Raum mit Gesichtserkennung- und kann es mit einem System verbinden, wie im Social Credit System in China, um gutes Verhalten zu beobachten und zu belohnen.

Dies sind nur Beispiele dafür, wie sich unsere Welt digitalisiert und virtualisiert hat. All diese Daten können grundsätzlich jederzeit von überall abgerufen werden. Daten können beliebig kopiert und weitergegeben werden, ohne dass das „Original“ verloren geht. In der Vergangenheit waren Daten an das physische Objekt der Speicherung gebunden, z.B. ein Buch, ein Bild oder eine Schallplatte. Ohne den „Datenträger“ verfügt man dann auch nicht mehr über die Daten. Mit der Virtualisierung der Daten in Einsen und Nullen gehört diese physische Abhängigkeit der Vergangenheit an. Der freie Fluss der digitalen Daten führt zu neuen Fragestellungen bezüglich der Eigentumsverhältnisse, der damit verbundenen Rechte und Pflichten sowie der damit verbundenen Sicherungsmöglichkeiten. Sind früher Bücher verbrannt, so hat sich jede weitere Nutzung in Rauch aufgelöst. Heutzutage wird ein gekauftes E-Book bereits durch den Wechsel des Betriebssystems unlesbar. Die Nutzungsrechte lösen sich ungewollt auf. Kunden müssen Kulturgüter bei jedem Mediumwechsel wieder kaufen. Hier entwickelt sich ein neuer goldener Boden für Inhaltsanbieter.

Laut Urheberrecht in Deutschland gehören die Daten dem Urheber, d.h. dem Künstler oder Autor, der die Daten erzeugt hat. Autorisierte Nutzer, das sind die Käufer von Daten für die persönliche Nutzung, haben nur ein Nutzungsrecht. Alles, was darüber hinaus geht, ist illegal.

  • Gewerbliche Nutzung
    Im Internet gefundene Daten dürfen ohne die schriftliche Zustimmung des Autors nicht zu gewerblichen Zwecken genutzt oder weiterveräußert werden. Dies bedeutet, dass Bücher, Artikel oder Webseiteninhalte sowie alle anderen Arten von Medien, wie Filme/Videos, Bilder, Musik oder Klänge nur konsumiert werden dürfen. Die Erstellung von Anwenderprofilen, beispielsweise für Kaufvorschläge, befindet sich im Graubereich der legalen Nutzung. Die Weitergabe der Daten, mit oder ohne Gebühr, ist illegal.
  • Competitive Intelligence
    Die Sammlung und Verknüpfung der öffentlich zugänglichen Daten mit dem Ziel einer Konkurrenzanalyse ist eine besondere Form der gewerblichen Nutzung, die nur schwer erkennbar ist. Die Daten finden sich in den Webseiten der Unternehmen, in News-Seiten und vor allem in den sozialen Netzen; wenn beispielsweise ein Mitarbeiter Profanes aus seinem Arbeitsalltag und seinen Geschäftsreisen berichtet. Verknüpft man diese Daten mit anderen, werden Strategien, Pläne oder auch Probleme eines Unternehmens enthüllt.
  • Staatliche Nutzung
    Mit den gleichen Mechanismen der Competitive Intelligence, wie Data Mining, Big Data oder Business Intelligence, können staatliche Stellen die verfügbaren Daten verarbeiten. Sie sammeln und verknüpfen sie mit den erreichbaren Daten der Telekommunikation. Die Nachkommen der Rasterfahndung erhalten dadurch Nutzerprofile, die weit über das Selbstverständnis der Menschen hinausgehen.

Fazit: Die riesigen Datenmengen lassen sich zwar gezielt nach bestimmten Fragestellungen auswerten. Allerdings sind damit hohe Kosten für Personal und Rechner sowie entscheidungsfreudige Aufmerksamkeit erforderlich, die nur in besonderen Fällen verfügbar sind. Am besten sieht man das an den Leseempfehlungen, die an dem Nutzerverhalten basiert und sich an den Klicks auf einer Webseite orientiert, aber stumpfsinnig bereits gekaufte Produkte bewirbt oder selbst Autoren die eigenen Bücher als Leseempfehlung anbieten. Die unerlaubte Wiederverwendung durch Unternehmen und den Staat erfolgt unbemerkt. Alles beginnt mit der Suche nach neuen Kontakten und der dazugehörigen Backgroundrecherche, die jedermann möglich ist, geht über die Wahlmanipulationen durch Cambridge Analytics und bis weit über die Möglichkeiten hinaus, die wir uns vorstellen können. Diese professionelle Nutzung der Daten durch Interessensgruppen und staatliche Stellen ist das eigentliche Problem der Daten.

It’s not always a problem – for everybody

The crucial question is not whether conspicuities are a problem, but for whom and from when. The starting point for solving a problem is the moment when someone turns a circumstance into a problem. The example of the clever handling of problems has become well-known with the production system of Toyota. There, employees can stop the production line, if they recognize an error that can not be solved immediately. Of course, this requires a corresponding understanding of what a mistake is and the fact that the deviation is perceived and the employees consider themselves responsible. It already starts with small things. Although a broken pencil is not complete anymore, it still works. Not everybody bothers with the flaw, as long as they can write with it. And even if an issue is seen as a problem that does not mean that someone feels responsible and takes care of it. It’s simply not always a problem – for everybody.

At first a problem must cross the perceptual threshold of the people involved before they can take care of it. The level depends on commonly known mechanisms.

  • Influence of stereotypes
    General metrics should normally allow the early detection of problems. However, the processing of the parameters is distorted by supplemental information, such as vivid stereotypes, so that they get more weight than the objective measurements. If someone, who has an unreliable reputation, delivers the figures, they are recognized less than if they come from a respected person. Accordingly, not all problems become problems.
  • Influence of moods
    Experiences are deeply engraved into our subconscious mind. Every time something is repeating, the related emotional anchor is strengthened without us realizing. If we encounter a similar situation, these feelings are activated and influence our assessment. If a specific situation has already occurred more often without any damage, this can lead to the fact that the situation is not recognized as a problem. Accordingly, not all problems become problems.
  • Influence of similar circumstances
    An assessment never takes place solely on the basis of the current case. It automatically takes into account similar situations. The resemblance is a matter of the content, the acting people and the other context. Once you have found your benchmarks, you align yourself with the conclusions and results of these comparative cases. If a thousand times nothing has happened, when the signals went red, then also nothing will happen this time. Accordingly, not all problems become problems.
  • Influence of convictions
    The consideration of a situation is also naturally shaped by one’s own beliefs and mental patterns. It is very unlikely that people question their own values ​​and conclusions with an opposite assessment. As a result, you do not use the visible but conflicting information in order to show a problem just because they do not fit your worldview. The reliable friend does not suddenly become unreliable. Accordingly, not all problems become problems.
  • Influence of other filters
    Our attention is limited by many additional filters. For example, the latest information has more impact than older ones; or obvious arguments are more important than not so obvious ones; or negative are affecting more than positive ones. When an opinion has formed, it will be difficult to change it again. The whole culminates in what is generally called prejudice. The technician is then unable to understand the customer and the sales person lacks the understanding of the technology – which means that their remarks are not taken into account. Accordingly, not all problems become problems.

Bottom line: Problems are the result of a subjective consideration of striking circumstances, which are only considered delicate, when they exceed the perception threshold of the people. The necessary attention is influenced by stereotypes, moods, views of the world and many other filters. Only when these factors are overcome and a problem becomes, what it is, only then we can take care of solving the problem. It’s simply not always a problem – for everybody.