Schlagwort-Archive: Verantwortung

Gesellschaftsfähiger Fortschritt

Jeden Tag entstehen in unauffälligen Garagen oder Start-ups Neuerungen, die die Welt verändern. Sie erleichtern zwar unser Leben, gleichzeitig beseitigen sie viele Möglichkeiten, sein Leben zu bestreiten. Die neuen Geschäftsmodelle bieten unverbindliche, fast freiberufliche Arbeitsverträge. Nutznießer sind dabei die Plattformanbieter der neuen Geschäfte, die ohne jegliche gesellschaftliche Verpflichtung einen Markt erobern. Im Zuge dessen lösen sich die Errungenschaften der letzten einhundert Jahre auf, wie z.B. die Beschäftigungssicherung, die Mitbestimmung, die Arbeitszeitregelungen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, das Urlaubsgeld, der Arbeitsschutz. Zusätzlich fallen auch viele gefährliche und unzumutbare Arbeiten weg. Was machen jedoch die Menschen, die sich nicht für die wissensintensiven Beschäftigungen eignen? Muss der Fortschritt nicht gesellschaftsfähig gemacht werden?

Wirtschaftliche Gesichtspunkte zwingen die Anbieter dazu, Kosten zu minimieren und Gewinne zu maximieren. Dass dabei die Kosten sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden, scheint der Politik entgangen zu sein. Die politischen Entscheidungen werden häufig im Interesse der Industrie getroffen. Hauptargument ist dabei die Sicherung der Arbeitsplätze. Wie könnte man das Eine tun, die heutigen Möglichkeiten zu nutzen, und gleichzeitig das Andere, die Gesellschaft intakt zu halten, nicht lassen?
Die folgenden Aspekte könnten das gesellschaftliche Gleichgewicht fördern.

  • Persönlich haften
    Die Verantwortung für Schäden, die beispielsweise im Rahmen der Sharing-Economy entstehen, lassen sich so regeln, dass die Anbieter einer Plattform, wie UBER oder Airbnb, auch persönlich haften, anstelle die Verantwortung komplett auf die abzuwälzen, die die eigentliche Arbeit leisten – so wie es sowieso etablierte Geschäfte auch müssen. Das Gleiche gilt für die Anbieter von autonomen Produkten. Diese Anbieter sollten zumindest einen großen Teil der Mitverantwortung an einem Schaden, der durch das Produkt entsteht, übernehmen.
    Mit einer gesetzlich festgelegten persönlichen Haftung werden die neuen Dienstleistungen und Geräte zuverlässiger und sicherer für die Kunden.
  • Menschenleben verantworten
    Die neue Form der Beschäftigung, die kaschiert wird von einer scheinbar unternehmerischen Freiheit der Subunternehmer, sollte von den UBERs dieser Welt verantwortet werden. Und das vor allem dann, wenn die „Angestellten“ von dem Anbieter vollständig abhängig sind. Diese Formen der Scheinselbstständigkeit benötigen ein neues Mitarbeiterrecht, das die Anbieter der Plattformen in ihre natürliche Pflicht nimmt.
  • Rechtssicherheit immer und überall
    Das Internet ist ein globales Netz, das es ermöglicht, Dienstleistungen dorthin zu transferieren, wo die Arbeitskosten am günstigsten sind. Soweit so gut. Dabei gelten jedoch weiterhin die Gesetze für z.B. das Arbeitsrecht, die Lohnnebenkosten aber auch für die Sicherheit der Arbeitsplätze und der Gebäude innerhalb der Landesgrenzen. Die Mobilität der Arbeit ist ja für alle Beteiligten von Vorteil. Aber wenn nur rechtliche Schlupflöcher auf Kosten der Mitarbeiter ausgenutzt werden, verliert diese weltweite Verteilung der Arbeit ihren Charme.
    Es braucht einen globalen Rechtsrahmen, der für alle verpflichtend ist und stets geahndet werden kann, egal, wo sich die Anbieter verstecken. Der neueste Report von Oxfam bezüglich der globalen Ungleichheit schlägt beispielsweise vor, dass die Teilnehmer eine progressive Besteuerung unterstützen und selbst alle ihre Steuern zahlen und keine Steuervermeidung/Steuerflucht betreiben.
  • Steuern auf Produktivität erheben
    Der alte Wein der steigenden Durchdringung der Arbeitswelt mit IT wird, in den neuen Schläuchen der Digitalisierung, die Arbeitswelt immer humaner machen. Gleichzeitig wäre es hilfreich, die Lebensader der Gesellschaft, die Steuern, an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Hierzu müssten die Steuern von personenbezogenen auf produktivitätsbezogene Ansätze erweitert werden. Tragen heute die Mitarbeiter, die die Produktivität ausmachen, die Finanzierung des Staates, sollte zukünftig die entsprechende Automatisierung steuerlich berücksichtigt werden.
  • Steuern zahlen
    Nicht nur die Arbeit bewegt sich um die Welt. Auch die Steuerzahler suchen sich das jeweils günstigste Schlupfloch. Wie ist es möglich, dass große Unternehmen ihre Umsätze nicht so versteuern, wie jeder kleine Einzelhändler. Es sollte im Interesse aller Länder sein, dass die Geschäfte ihren Umsatz in dem Land komplett versteuern, in dem die Umsätze angefallen sind. Die erforderlichen Regelungen sollten entsprechend formuliert werden – ohne Intercompany-Verrechnung von künstlich geschaffenen Marken- oder Servicegebühren.

Für die Einführung von derartigen Maßnahmen ist die Politik zuständig. Mit den absehbaren, kommenden Regierungen ist ein Wiederaufleben von „Kaufe nationale Produkte“- Kampagnen und Wirtschaftskriege  abzusehen Die übernationalen Gremien in Europa und der Welt sind gefordert.

Fazit: Gesellschaftliche Neuerungen sind solange gut, wie sie die gesellschaftlichen Errungenschaften nicht unterminieren. Die Verantwortlichen sollten wieder in die persönliche Haftung genommen und Steuern nach der erzielten Produktivität fällig werden, die Gesetze weltweit angeglichen und verpflichtend sein, die Mitarbeiter wieder in Rechtssicherheit zurückgeführt und gerechte Steuern für den Staat sichergestellt werden. Nur mit gesellschaftsfähigem Fortschritt kann die Gesellschaft überleben.

Augenhöhe ist für keinen umsonst

Treffen wir auf andere Menschen, liegt es in der Natur der Sache, dass wir uns in körperlichen, kulturellen und geistigen Eigenschaften unterscheiden – wie Größe, Gewicht, Alter, Herkunft, Sprache, Kulturkreis, Schicht, Einstellungen, Fähigkeiten, Aktivitäten und so weiter. Selbst bei nahen Verwandten ergeben sich mit der Zeit immer mehr Unterschiede. Entsprechend wünschen sich viele einen gleichberechtigten und respektierten Umgang miteinander. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass diese angestrebte Augenhöhe für keinen umsonst ist.

Augenhoehe

Eigentlich geht es vor allem darum, dass man ergebnisoffen, vertrauensvoll und mit Respekt gemeinsame Sache macht. Die alternativen Positionen sind für manche unangenehm. Dabei entscheiden vor allem die Protagonisten, in welcher Position sie sich befinden. Neben der gleichberechtigten Ebene bestehen die folgenden Sichten.

  • Froschperspektive
    Für diejenigen, die aus dieser Perspektive die Zusammenarbeit betrachten, entsteht manchmal ein Gefühl von Unterlegenheit. Unterstellt man, dass der andere diese Situation herbeigeführt hat, fühlt man sich erniedrigt. Zwar bietet diese Position die bequeme Stellung, für nichts zuständig zu sein, aber trotzdem streben die meisten mindestens Augenhöhe an.
  • Vogelperspektive
    Aus diesem Blickwinkel entsteht bei den Betreffenden schnell mal das Gefühl von Überlegenheit. Diese Sichtweise entsteht nicht so häufig aus anderen, die einen auf den Sockel stellen, sondern aus dem Gefühl von Überheblichkeit. Die Illusion die Zügel in der Hand zu halten, bedeutet jedoch nicht, dass die jeweilige Person sich auch verantwortlich fühlt. Alleine das damit verbundene Ansehen verhindert oft, sich auf einer Ebene zu treffen.

Besteht das Einvernehmen sich auf Augenhöhe zu treffen, folgt daraus ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

  • Aufgaben gemeinsam verteilen
    Bei den Aufgaben geht es meistens nicht darum sie unbedingt übernehmen zu wollen, sondern eher sie loszuwerden. Augenhöhe bedeutet hier, dass man die Wahl der Tätigkeiten gleichberechtigt durchführt. Die Pflichten werden nicht einfach von oben delegiert und nicht einfach von unten abgelehnt. Dies erfordert eine sachliche Herangehensweise bei der Verteilung. Es sollten einerseits die Wünsche berücksichtigt werden und andererseits die Einsicht bestehen, bestimmte Dinge erledigen zu müssen.
  • Kompetenz an die handelnde Person
    Die Befugnis etwas tun zu dürfen ist eher ein Aspekt, um den gerungen wird. Jeder möchte die Kompetenz haben zu wählen und zu entscheiden. Augenhöhe bedeutet hier, eine vernünftige Zuordnung der Befugnis zu finden. Ein Ansatz ist dabei den Ausführenden die Kompetenzen zu geben, die sie zur Ausführung benötigen.
  • Die eigene Handlung verantworten
    Die Verantwortung wiederum ist etwas, dass man gerne abgibt, da die Konsequenz im schlimmsten Fall der Verlust der eigenen Stellung ist. Auf Augenhöhe bedeutet hier, dass man eine entsprechende Verteilung der Verantwortung erreicht. Der Übergeordnete trägt die Verantwortung für die Aspekte, die dem Untergeordneten vorgegeben werden. Der Untergeordnete übernimmt die Verantwortung für sein eigenes Tun, ohne sich beispielsweise auf einen Befehlsnotstand berufen zu können.

Ein hilfreicher Ansatz ist die Bündelung von Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung in einer Hand. Damit werden die Übernahme einer Aufgabe und die daran geknüpfte Befugnis mit der Verantwortung für die Erfüllung gekoppelt. Die Aufgabe hat damit im Falle des Scheiterns mögliche negative Folgen. Dies motiviert den Aufgabeträger, die Aufgabe zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen und natürlich den Lohn einzustreichen.

Fazit: Grundsätzlich gilt das Menschenrecht, nachdem wir alle gleich sind. Dies reicht jedoch im Alltag nicht aus, um Augenhöhe zu erreichen. Es gibt Dinge, die aufgrund einer bestehenden Hierarchie geregelt werden müssen. Augenhöhe ist dabei für keinen umsonst zu haben. Beide Seiten müssen sich darum bemühen. Die Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung hierbei zusammenpassend in eine Hand zu legen ist eine geschickte Lösung.