{"id":1551,"date":"2017-05-06T16:59:03","date_gmt":"2017-05-06T16:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.memecon.info\/?p=1551"},"modified":"2018-05-18T07:25:16","modified_gmt":"2018-05-18T07:25:16","slug":"sehen-heisst-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.memecon.info\/?p=1551","title":{"rendered":"Sehen hei\u00dft glauben"},"content":{"rendered":"<p>Aus gutem Grund haben Religionen die Tendenz Bilder zu verteufeln. Der Glaube wird durch Information bedroht. Bildliche Darstellungen haben die Kraft Menschen zu \u00fcberzeugen, dass das, was sie sehen, die Wirklichkeit sei. Es begann mit Symbolen und Zeichnungen, die in den dunkelsten Ecken von H\u00f6hlen, vermutlich bei Fackelschein, an die Wand gemalt wurden. Das ging weiter mit den Darstellungen von G\u00f6ttern und heiligen Geschichten, die an magischen Orten gesehen werden konnten. Dann hielt die Malerei Einzug in private H\u00e4user. Da jedes Bild ein einmaliges Kunstwerk war, konnten nur wenige sich diesen Luxus leisten. Erst mit der Druckerpresse und der Fotografie kamen alle in den Genuss dieser neuen Weltsicht. Mit dem Film und Fernsehen schlie\u00dflich wurden Bild und Ton f\u00fcr die meisten Menschen einfach empfangbar. Parallel hat sich die \u00dcberzeugung entwickelt, dass das, was man sieht, auch wirklich ist &#8211; \u201eSehen hei\u00dft glauben\u201c.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/stalinbsp.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1548\" src=\"http:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/stalinbsp.jpg\" alt=\"\" width=\"835\" height=\"641\" srcset=\"https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/stalinbsp.jpg 835w, https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/stalinbsp-300x230.jpg 300w, https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/stalinbsp-768x590.jpg 768w, https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/stalinbsp-624x479.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Bild wird jedoch durch Bedingungen bestimmt, die verhindern, dass man die Wirklichkeit auch wirklich zu Gesicht bekommt. Die drei folgenden Aspekte spielen dabei eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bildgestaltung<\/strong><br \/>\nEin Foto zw\u00e4ngt die Motive aus seiner multisensualen Welt in einen zweidimensionalen Rahmen. Au\u00dferhalb des Bildrandes, rechts oder links, oben oder unten, ist kein Bestandteil des Bildes und damit unsichtbar. Der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs rei\u00dft den Zusammenhang auseinander. Das Teleobjektiv verdichtet verteilte Objekte und erzeugt den Eindruck von N\u00e4he. Der Filmtyp (Schwarz-Wei\u00df- oder Farbe) erzeugt zus\u00e4tzlich Stimmungen. Die entsprechende orangene T\u00f6nung erzeugt den Eindruck der Siebziger. Am Ende zeigt der Bildermacher nicht die Wirklichkeit, sondern er erzeugt sie durch seine gestalterischen M\u00f6glichkeiten.<\/li>\n<li><strong>Kontext<br \/>\n<\/strong>Die Umgebung, in der das Bild pr\u00e4sentiert wird, erzeugt zus\u00e4tzliche Bedeutung. Die Aufnahme eines rollenden Panzers in einem Artikel \u00fcber die Invasion in einem Land oder in einem Bericht \u00fcber die Befreiung einer Region l\u00f6st einen jeweils entsprechenden Eindruck aus. Obwohl es das gleiche Foto ist, wird es unterschiedlich bewertet. \u00c4hnliche Motive werden ebenfalls verschieden gedeutet. Eine Gruppe von Menschen, die mit Koffern und Kindern an der Hand \u00fcber einen Feldweg laufen, k\u00f6nnen unterschiedliche Gef\u00fchle wecken &#8211; je nachdem, ob es sich um Fl\u00fcchtlinge aus Syrien oder der ehemaligen DDR handelt.<\/li>\n<li><strong>Zensur<br \/>\n<\/strong>Und schlie\u00dflich bestimmen die Kontrollorgane eines Landes oder einer Zeitung, was man zu Gesicht bekommt &#8211; oder nicht. Sobald eine Entscheidung f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung erforderlich ist, beginnt die \u00dcberwachung. Die Kriterien spielen dabei keine Rolle, da den m\u00f6glichen Betrachtern die Entscheidung abgenommen wird &#8211; aus Gr\u00fcnden der G\u00fcte eines Bildes (z.B. ungeschickte Perspektive oder Unsch\u00e4rfe), fehlendem Gehalt des Fotos, angenommenem fehlenden Interesse, oder aber um unerw\u00fcnschte Sachverhalte zu verbergen, ein kritischer Blickwinkel, Botschaften, oder Wahrheiten. Die Zensur ist bereits akzeptierte Praxis. Das beginnt bei den Regeln f\u00fcr guten Journalismus und endet sicherlich nicht bei den integrierten Journalisten (embedded journalists), die von einer Milit\u00e4raktion berichten &#8211; keiner st\u00f6rt sich an der dem Einfluss der Milit\u00e4rs auf die Ver\u00f6ffentlichung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Beeinflussbarkeit von Bildern ist keine Errungenschaft des heutigen Fotoshopzeitalters. Immer schon wurden Bilder verf\u00e4lscht. Die Abbildung zeigt beispielsweise, wie Stalin mit in Ungnade gefallenen Genossen umging. Er lie\u00df sie einfach aus den Bildern herausretuschieren. Die Medien suggerieren Neutralit\u00e4t, wenn sie von der Filterblase oder von populistischer Berichterstattung sprechen. Schaut und h\u00f6rt man genau hin, so fallen in jeder Nachrichtensendung die tendenzi\u00f6sen Untert\u00f6ne auf. Da helfen auch keine sogenannten neutralen Fakten-Checks mehr.<\/p>\n<p>Fazit: Was man auf einem Foto sieht, ist immer das Ergebnis des Herausfilterns eines oder mehrerer Aspekte. Dies erfolgt bewusst oder unbewusst, mit den besten Hintergedanken oder b\u00f6swillig, den Betrachter unterst\u00fctzend oder behindernd. In jedem Fall wirken die Filter, die die Wirklichkeit verf\u00e4lschen. In Abwandelung eines bekannten Spruchs: Man kann Bilder nicht nicht verf\u00e4lschen. Ein Indikator, der sich aber nur schwer pr\u00fcfen l\u00e4sst, ist die Herkunft der Bilder &#8211; sofern man diese ermitteln kann. Es gibt also keinen Grund irgendetwas zu glauben, sobald man es sieht.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button xing shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#29888a\"><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/spi\/shares\/new?url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1551\" title=\"Bei XING teilen\" aria-label=\"Bei XING teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#126567; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 25 32\"><path fill=\"#126567\" d=\"M10.7 11.9q-0.2 0.3-4.6 8.2-0.5 0.8-1.2 0.8h-4.3q-0.4 0-0.5-0.3t0-0.6l4.5-8q0 0 0 0l-2.9-5q-0.2-0.4 0-0.7 0.2-0.3 0.5-0.3h4.3q0.7 0 1.2 0.8zM25.1 0.4q0.2 0.3 0 0.7l-9.4 16.7 6 11q0.2 0.4 0 0.6-0.2 0.3-0.6 0.3h-4.3q-0.7 0-1.2-0.8l-6-11.1q0.3-0.6 9.5-16.8 0.4-0.8 1.2-0.8h4.3q0.4 0 0.5 0.3z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1551\" title=\"Bei LinkedIn teilen\" aria-label=\"Bei LinkedIn teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1551\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button flipboard shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#373737\"><a href=\"https:\/\/share.flipboard.com\/bookmarklet\/popout?v=2&title=Sehen%20hei%C3%9Ft%20glauben&url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1551\" title=\"Bei Flipboard teilen\" aria-label=\"Bei Flipboard teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#f52828; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"24px\" height=\"24px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#f52828\" d=\"M0 0h8v24H0V0zm9 9h7v7H9V9zm0-9h15v8H9V0z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1551&text=Sehen%20hei%C3%9Ft%20glauben\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus gutem Grund haben Religionen die Tendenz Bilder zu verteufeln. 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