{"id":1886,"date":"2018-04-28T17:58:07","date_gmt":"2018-04-28T17:58:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.memecon.info\/?p=1886"},"modified":"2018-05-18T06:55:47","modified_gmt":"2018-05-18T06:55:47","slug":"wenn-demokratie-eigentlich-keine-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.memecon.info\/?p=1886","title":{"rendered":"Wenn Demokratie eigentlich keine ist"},"content":{"rendered":"<p>Seit den F\u00fcnfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat sich die Weltbev\u00f6lkerung auf 7,5 Mrd. verdreifacht. Gleichzeitig geh\u00f6rt einem Zehntel der Weltbev\u00f6lkerung mehr als 85% des privaten Verm\u00f6gens. Dies erzeugt ein Spannungsverh\u00e4ltnis, das es erfordert, die Mehrheit ruhig zu halten. \u00dcber die Jahrtausende hat sich die Herrschaft des Staatsvolkes, die Demokratie, als eine geschickte Herrschaftsform durchgesetzt. Dabei wird den Massen suggeriert, dass sie die Kontrolle \u00fcber die gesellschaftliche Entwicklung haben. Was aber, wenn sich \u00fcber die Zeit Mechanismen und Verhalten herausgebildet haben, die aus der Mitbestimmung eine Illusion machen &#8211; wenn Demokratie eigentlich keine ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pnyx7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1884\" src=\"http:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pnyx7.jpg\" alt=\"\" width=\"835\" height=\"641\" srcset=\"https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pnyx7.jpg 835w, https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pnyx7-300x230.jpg 300w, https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pnyx7-768x590.jpg 768w, https:\/\/www.memecon.info\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/pnyx7-624x479.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 835px) 100vw, 835px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Wurzeln dieser Entwicklung waren bereits zu Beginn sichtbar. \u00dcber die Jahre sind dann weitere pragmatische Ans\u00e4tze hinzugekommen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Nur Bestimmte d\u00fcrfen w\u00e4hlen<\/strong><br \/>\nBereits in der Wiege der Demokratie durften nicht alle Menschen w\u00e4hlen, sondern nur die Vollb\u00fcrger &#8211; nur ca. 10% der Bev\u00f6lkerung. Frauen und Sklaven wurden gar nicht erst in Betracht gezogen. Heute werden W\u00e4hler auch ausgeschlossen, wenn sie zum Beispiel ein bestimmtes Alter noch nicht erreicht haben, oder aufgrund der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Minderheit, oder durch das Streichen aus der W\u00e4hlerliste, oder durch Ausgrenzung bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen aufgrund ihrer k\u00f6rperlichen und geistigen Verfassung, oder durch Einsch\u00fcchterung, oder durch Fehlinformationen, oder sogar durch gezielten Stimmenkauf.<\/li>\n<li><strong>Fehlende Auswahl an Kandidaten<\/strong><br \/>\nSteht nur ein Kandidat oder eine Kandidatin zur Wahl, hat der W\u00e4hler keine Wahl &#8211; wie in Singapur oder Haiti. Dies kann auch dadurch passieren, dass die Mitbewerber chancenlos sind, wie in Russland oder \u00c4gypten. Eine interessante Variante ist die Wahl einer Partei, ganz ohne Kandidaten, wie in Kasachstan.<\/li>\n<li><strong>Vorauswahl von Kandidaten<\/strong><br \/>\nSobald die Kandidaten erst eine Zulassung zur Wahl ben\u00f6tigen, kann man nicht mehr von einer freien Wahl sprechen. So m\u00fcssen im Iran die Kandidaten erst vom W\u00e4chterrat gebilligt werden. In Russland m\u00fcssen Kandidaten \u00fcber 35 Jahre alt sein, d\u00fcrfen nicht vorbestraft sein und Parteilose brauchen 300.000 Unterschriften, um \u00fcberhaupt teilnehmen zu k\u00f6nnen. Eine Vorselektion findet auch statt, wenn nicht alle Kandidaten es zur Wahl schaffen, weil sie durch k\u00f6rperliche Gewalt eingesch\u00fcchtert oder inhaftiert werden.<\/li>\n<li><strong>Der Gewinner bekommt alles<br \/>\n<\/strong>Im amerikanischen Wahlsystem wird der Pr\u00e4sident indirekt \u00fcber sogenannte Wahlm\u00e4nner gew\u00e4hlt. Jeder Staat verf\u00fcgt \u00fcber eine bestimmte Anzahl. Die W\u00e4hler entscheiden durch ihre Stimme, welche Partei einen Bundesstaat gewinnt und nach dem Mehrheitswahlrecht bekommt der Gewinner dann alle Wahlm\u00e4nner. Dies verzerrt das Wahlergebnis auf bizarre Weise. Von 232 Mio. Wahlberechtigten haben 123 Mio. tats\u00e4chlich gew\u00e4hlt. Mit 46,9 % haben eigentlich die Nichtw\u00e4hler die Wahl gewonnen. Der derzeitige Pr\u00e4sident konnte aufgrund der h\u00f6heren Anzahl Wahlm\u00e4nner mit 59 Mio. oder 25,5% Stimmen die Pr\u00e4sidentschaft gewinnen, obwohl seine Gegenkandidatin mit 25,6% real 2 Millionen mehr W\u00e4hler hinter sich vereinigen konnte.<\/li>\n<li><strong>Ungew\u00e4hlte Koalitionen<br \/>\n<\/strong>Die Parteienlandschaft fragmentiert sich in immer mehr kulturelle Parallelgesellschaften, die sich auch sonst ihr eigenes Soziotop erschlie\u00dfen. In Deutschland schaffen es die fr\u00fcheren Volksparteien nicht mehr, Mehrheiten hinter sich zu versammeln. Die christliche Union hat nur noch einen leichten Vorsprung durch ein k\u00fcnstliches Gebilde, dass au\u00dfer einem C nichts mehr gemeinsam hat. Und selbst das reicht nicht f\u00fcr eine absolute Mehrheit. Nach der Wahl werden deshalb Koalitionen \u00fcber die K\u00f6pfe der W\u00e4hler hinweg entschieden. Mit dem Koalitionsvertrag bestimmen dann die Parteien unter sich, ohne W\u00e4hlervotum, was man gemeinsam erreichen m\u00f6chte &#8211; der Wille reicht aber nicht aus, um die Bekundungen zu erledigen und mehr ist nicht zu erwarten, da es nicht vereinbart ist. Politische Diskussion wird in der folgenden Legislaturperiode nur eingeschr\u00e4nkt stattfinden, da vorab alles bereits festgelegt ist. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass obwohl nur 76,2% der Wahlberechtigten gew\u00e4hlt haben, die Mandate von 631 auf 709 gestiegen sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Die Geschwindigkeit, in der sich manche L\u00e4nder wie China mit einem alternativen politischen F\u00fchrungsstil bewegen, sollte unseren z\u00f6gerlichen, politischen Entscheidern zu denken geben. Was braucht das Demokratiemodell des Westens, das feststeckt in Routinen und beh\u00f6rdlicher \u00dcberregulierung? Mehr Mitbestimmung? Weniger Berufspolitiker? Was? Wenn nur Bestimmte w\u00e4hlen d\u00fcrfen, es keine Auswahl gibt, sich hinterher ungew\u00e4hlte Koalitionen bilden oder die Ausz\u00e4hlungsverfahren zu einem verf\u00e4lschten Ausdruck des W\u00e4hlerwillens f\u00fchren, haben sich die demokratischen Routinen \u00fcberholt. Vor allem braucht es eine Idee, wie man es anders machen k\u00f6nnte. Zumindest ist eine \u00dcbertragung des &#8222;besten&#8220; politischen Systems auf eine tats\u00e4chliche Repr\u00e4sentation des Willens der Mehrheit n\u00f6tig, damit Demokratie wieder eine ist.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-left shariff-widget-align-left\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button xing shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#29888a\"><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/spi\/shares\/new?url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1886\" title=\"Bei XING teilen\" aria-label=\"Bei XING teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#126567; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 25 32\"><path fill=\"#126567\" d=\"M10.7 11.9q-0.2 0.3-4.6 8.2-0.5 0.8-1.2 0.8h-4.3q-0.4 0-0.5-0.3t0-0.6l4.5-8q0 0 0 0l-2.9-5q-0.2-0.4 0-0.7 0.2-0.3 0.5-0.3h4.3q0.7 0 1.2 0.8zM25.1 0.4q0.2 0.3 0 0.7l-9.4 16.7 6 11q0.2 0.4 0 0.6-0.2 0.3-0.6 0.3h-4.3q-0.7 0-1.2-0.8l-6-11.1q0.3-0.6 9.5-16.8 0.4-0.8 1.2-0.8h4.3q0.4 0 0.5 0.3z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1886\" title=\"Bei LinkedIn teilen\" aria-label=\"Bei LinkedIn teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button facebook shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#4273c8\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1886\" title=\"Bei Facebook teilen\" aria-label=\"Bei Facebook teilen\" role=\"button\" rel=\"nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#3b5998; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 18 32\"><path fill=\"#3b5998\" d=\"M17.1 0.2v4.7h-2.8q-1.5 0-2.1 0.6t-0.5 1.9v3.4h5.2l-0.7 5.3h-4.5v13.6h-5.5v-13.6h-4.5v-5.3h4.5v-3.9q0-3.3 1.9-5.2t5-1.8q2.6 0 4.1 0.2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button flipboard shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#373737\"><a href=\"https:\/\/share.flipboard.com\/bookmarklet\/popout?v=2&title=Wenn%20Demokratie%20eigentlich%20keine%20ist&url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1886\" title=\"Bei Flipboard teilen\" aria-label=\"Bei Flipboard teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#f52828; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"24px\" height=\"24px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#f52828\" d=\"M0 0h8v24H0V0zm9 9h7v7H9V9zm0-9h15v8H9V0z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button twitter shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#595959\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/share?url=https%3A%2F%2Fwww.memecon.info%2F%3Fp%3D1886&text=Wenn%20Demokratie%20eigentlich%20keine%20ist\" title=\"Bei X teilen\" aria-label=\"Bei X teilen\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#000; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\"><path fill=\"#000\" d=\"M14.258 10.152L23.176 0h-2.113l-7.747 8.813L7.133 0H0l9.352 13.328L0 23.973h2.113l8.176-9.309 6.531 9.309h7.133zm-2.895 3.293l-.949-1.328L2.875 1.56h3.246l6.086 8.523.945 1.328 7.91 11.078h-3.246zm0 0\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den F\u00fcnfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat sich die Weltbev\u00f6lkerung auf 7,5 Mrd. verdreifacht. 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