Archiv der Kategorie: Deutsch

Compliance – lebensbedrohliche Thrombose in Organisationen

Überraschung, Überraschung. Sobald man gegen das Gesetz verstößt, macht man sich strafbar. Das gilt für Kartelle, Bestechungen, Veruntreuungen und alle ansonsten per Gesetz verbotenen Aktivitäten. Zusätzlich leisten sich Unternehmen immer mehr Stellen, die sich um die Formalisierung von Abläufen und dem entsprechenden Wohlverhalten kümmern. Je globaler ein Unternehmen agiert, desto komplexer werden die Regeln. Wie verhindert man eine lebensbedrohliche Thrombose in den Abläufen der Unternehmung?

Schilderwald01

Eine organisatorische Thrombose ist eine Erkrankung der Geschäftsabläufe. Hierbei belasten interne Regelungen den freien Fluss von Daten, Informationen, Ergebnissen und Entscheidungen. Wird die Abwicklung eines Vorgangs aufgehalten, dann bildet sich ein Rückstau, der die eigentliche Aufgabe, Produkte zu erzeugen oder Leistungen zu erbringen, behindert. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem wirtschaftlichen Infarkt durch schlechte Ergebnisse. In der Medizin helfen bei einer Thrombose Medikamente, die die Gerinnung verhindern, sowie Kompressionsverbände, die das Wachsen des Thrombus verhindern. Welche Möglichkeiten hat man im Business?

  • Gesetze befolgbar machen
    Gesetze werden im Zusammenspiel des gesamten Rechtssystems entwickelt. Es ist jedoch nicht möglich, alle Einflüsse von anderen Gesetzen im jeweiligen Gesetz zu erkennen. Aus diesem Grund sollten Unternehmen den Mitarbeitern die Auslegung von Gesetzen erleichtern. Dies ermöglicht es, einerseits gesetzeskonform zu agieren und dies geleichzeitig mit wenig Aufwand zu tun.
  • Entscheidungswege vereinfachen
    Die persönliche Verantwortlichkeit von Führungskräften, die sich aus den Regelungen der Banken und Börsen ergeben, hat dazu geführt, dass auf den verschiedenen Ebenen der Entscheidungen festgesetzte Rahmen bestehen, z.B. Budgetgrenzen und Beschränkungen der Reichweite. Es ist besser, so wenig Entscheidungen wie möglich durch den Instanzenweg zu jagen. Das Prinzip der Subsidiarität bietet dafür einen Ansatz. Entscheidungen werden hier auf der Ebene der Ausführung getroffen. Erst, wenn die jeweilige Ebene nicht in der Lage ist, alleine zu entscheiden, wird die darüberliegende Ebene hinzu geholt.
  • Fokussierter Einsatz digitaler Medien
    Der einfache Umgang mit Internet und E-Mail erleichtert es den Mitarbeitern, sich bei Entscheidungen in alle Richtungen abzusichern. Dabei werden auch Kollegen, die an der eigentlichen Entscheidung gar nicht beteiligt wären, durch entsprechende Unterstellungen gezwungen sich mit dem Beschluss auseinanderzusetzen (Beispiel: „… soweit ich verstanden habe, gehe ich davon aus, dass …“). Eine entsprechende E-Mail-Governance, die z.B. Entscheidungen via CC sowie umfangreiche CC-Adresslisten verbieten oder einer „Zero-Email-Toleranz“ an Wochenenden, entschlackt die Flut von Mitteilungen.
  • Deregulieren
    Die Anzahl von Richtlinien wachsen über die Jahre, ohne dass Veraltetes entsorgt wird. Die meisten Unternehmen verfügen auch nicht über ein zentrales Verzeichnis der internen, externen und internationalen Regelungen. Sie kennen noch nicht einmal die Anzahl der Regelungen. Eine nachträgliche Auflistung hilft nicht. Es ist ein guter Anfang, wenn die regelnden Bereiche überwiegend abgebaut werden. Dadurch wird sofort die Wucherung von neuen Bestimmungen gestoppt. Alle internen Regeln, die nicht der Einhaltung von Gesetzen und Vereinbarungen dienen, sollten ersetzt werden durch Grundregeln, die die Eigenverantwortung und Selbstorganisation festschreiben. Die verbleibenden Richtlinien gelten im Anschluss nicht mehr. Dadurch beginnt die Bürokratie auf einem niedrigen Niveau von Neuem.

Fazit: Der richtige Moment einer Thrombose entgegenzuwirken ist immer JETZT. Gesetze werden durch praktische Kommentare leichter und mit weniger Aufwand befolgbar. Am Ende ist es entscheidend, die Bürokratie zu verschlanken und dem natürlichen Impuls zu widerstehen, den Regelungswahnsinn, durch weitere Regelungen regeln zu wollen ;-).

Was stört eigentlich bei der Lösung eines Problems?

Ein Feind der Problemlösung ist die Problemblindheit. Probleme finden sich überall dort, wo die Ziele nicht erreicht werden. Dies passiert bei einfachen Beschäftigungen genauso wie bei komplexen, langwierigen Tätigkeiten und Projekten. Selbst erprobte Lösungen scheitern jedoch an der Wahrnehmung der handelnden Personen. Was stört eigentlich bei der Lösung eines Problems?

Problem

Die folgenden Aspekte stören bei der Suche nach einer Lösung.

  • Es gibt kein Problem
    Manchmal sehen wir Probleme, wo tatsächlich keine sind. Sei es eine noch nicht erledigte Aufgabe, die einfach eine bestimmte Zeit benötigt. In anderen Fällen sind die Probleme so groß, dass wir sie nicht erkennen, z.B. die Wirtschaftskrisen von heute oder die sozialen Verschiebungen. Entsprechend können die Probleme so klein sein, dass wir sie übersehen. Dazu gehören die Schädigungen, die wir unserem Körper zumuten, durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten oder das Trinken von Wasser, das unterhalb der Richtwerte belastet ist. Schon der Blick in eine andere Richtung verhindert das rechtzeitige Erkennen eines Problems. Dies kennt jeder, der an einer Kreuzung den Rechtsverkehr beachtet hat und von Links angefahren wurde. Schließlich könnte es auch noch sein, dass es vielleicht einfach kein Problem gibt.
  • Das Problem ist nicht ausreichend beschrieben
    Manchmal ist es eine bestimmte Ursache, die fehlt. Wer hat noch nicht seinen PC eingeschaltet und der Bildschirm ist schwarz geblieben? Wenn etwas auf der Checkliste in Ihrem Kopf fehlt, dann wird der Bildschirm dunkel bleiben. Der Weg zur Lösung kann auch durch eine unzureichende Beschreibung der Auswirkungen behindert werden. Nehmen wir unseren PC, der mittlerweile läuft. Leider erscheint nicht die gewohnte Windows-Oberfläche. Solange Sie Ihrer Hotline nicht die Meldung „Schalten Sie den Computer nicht aus ….“ mitteilen, stochert die Fachkraft im Dunkeln. Sehr schwierig wird es, wenn zu viele Informationen implizit vorausgesetzt werden. So wird es für einen Computerneuling zu einem Problem einen Text zu kopieren, wenn er die Funktionen die Möglichkeiten zur Bedienung einer Maus nicht kennt: Klicken, Doppelklicken, mit gedrückter Maustaste markieren, usw.
  • Das Problem steckt in unbewussten Annahmen fest
    Manchmal fehlen uns einfach die Worte, um das Problem zu erfassen. Techniker wundern sich gern, dass ihre perfekte Lösung nicht die erwartete Akzeptanz beim Kunden erfährt. Sie übersehen, dass Kunden bei den Geräten nicht nur die technischen, sondern auch die emotionalen Aspekte des Designs, der Handhabbarkeit und der Haptik berücksichtigen. Häufig versteckt sich die Lösung hinter logischen Schlüssen, die uns unsere Erfahrung aufzwingt. Erinnern wir uns an den Fosburyflop, d.h. die Technik des Hochsprungs, die durch den rückwärtigen Sprung über die Latte neue Höhen ermöglicht hat. Davor dachten alle, man müsste vorwärts über die Latte springen. Dabei geht es darum, eine möglichst hohe Latte ohne Hilfsmittel zu überspringen.
  • Die Lösung steckt in einer Sackgasse
    Manchmal kommt man auch einfach zu spät, weil jemand anderes bereits das Problem gelöst hat. Wenn beispielsweise ein Kollege den Stecker des Stromkabels bereits wieder in die Steckdose gesteckt hat (s.o.). Unangenehm sind die Lösungen, die wir nicht wollen, weil sie uns nicht gefallen. Stellen Sie sich vor, dass sie aus Versehen zwei wichtige Termine parallel im Kalender haben. Sie möchten keinen einer Kollegin überlassen. Aber viele Schwierigkeiten lassen sich nicht alleine lösen. Dann muss eben jemand helfen. So manche Problemlösung kommt auch ins Stocken, weil sie in diesem Moment gerade nicht benötigt wird. Schließlich besteht auch immer die Möglichkeit, dass es überhaupt keine Lösung gibt. Je früher man das erkennt, desto besser.

Fazit: Ein klares Problembewusstsein ist der Schlüssel zur Lösung.