Archiv der Kategorie: Kommunikation

Kommunikation besteht aus Wahrnehmung, Denkmodellen und Kommunikationsverhalten.

Die Wortwahl – die dritte Tür in den Kopf des Publikums

Das richtige Wort im richtigen Moment beeinflusst, ob man ins Bewusstsein der Zuhörer und Leser gelangt oder nicht. Es stehen einem dafür alle Wörter zur Verfügung. Die Hintertür zu weiterem Ausdruck bieten Tonfall und Körperhaltung sowie Bilder und Klänge. Die dritte Tür, um nicht zu sagen das Portal, in den Kopf des Publikums, ist die Wahl der Wörter.

wort

Wir betrachten dieses Mal die Substantive, die konkrete Gegenstände und Lebewesen beschreiben sowie abstrakte Begriffe, die nicht gegenständliche Ideen bezeichnen. Für den Zugang in den Kopf des Publikums stehen uns Schlüsselwörter, Stigmawörter, Kunstwörter, Akronyme und Synonyme zur Verfügung.

  • Schlüsselwörter
    sind themenbezogene Wörter, die die wesentlichen Inhalte einer Aussage beschreiben. Sie liefern die Informationen für das Verständnis und verankern sie in der Erinnerung des Publikums. Durch sie werden die eigentlichen Botschaften und Überzeugungen transportiert, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, wie Wertvorstellungen, Gewohnheiten, Vorannahmen und die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kulturkreis. Der Kontext, in dem sie genutzt werden, bestimmt ihre Bedeutung.
    Nehmen wir als Beispiel das Wort Liberalisierung im Zusammenhang mit den Verhandlungen zur Schaffung neuer Märkte (z.B. TTIP oder TISA). Liberalisierung meint hier: Deregulierung der öffentlichen Auftragsvergabe, Freigabe von allem, was nicht explizit rechtlich verboten ist. Dabei hat das Wort Liberalisierung eigentlich positive Konnotationen – freiheitlich, tolerant, zwanglos. Der Kontext erzeugt jedoch die andere Bedeutung.
    Darum sollte man sich zur Vermittlung der Botschaften die Mühe machen, einen passenden Kontext zu schaffen, um die gewünschte Wirkung der Wörter zu verstärken.
  • Stigmawörter
    sind negativ wertende Wörter, die den Text mit negativen Gefühlen aufladen und die Aufmerksamkeit von den Kernaussagen ablenken. Beispiele sind Wörter wie Schwarzer, anstelle von Afroamerikaner, Zigeuner, anstelle von Sinti und Roma, bis hin zu Business-Begriffen wie Krise, anstelle von Schwierigkeit oder Propaganda, anstelle von Werbung. Im gleichen Moment können diese Wörter für andere positiv belegt sein und dadurch zu Fahnenwörtern werden. Ein gutes Beispiel ist das Wort Sozialismus – für die Einen das perfekte Feindbild, für die Anderen das sinnstiftende Ideal. Die Gefahr besteht, dass Stigmaworte negative Gefühle bei der Zielgruppe auslösen und dadurch die eigentliche Botschaft überlagern.
    Im Business gibt es entsprechend belastete Wörter. Ein Beispiel ist Fehler. Das Wort empfinden viele als negativ, da Defekte oder Makel als Folge von bewusstem oder schlampigem Fehlverhalten interpretiert werden. Das die meisten Fehler aus Missgeschicken, Versehen oder schlecht durchdachten Konzepten entstehen wird dabei nicht berücksichtigt. Fehler werden als persönliches Fehlverhalten, Inkorrektheit oder Unfähigkeit sanktioniert (obwohl eine Neudefinition allen Beteiligten eine Chance zum Lernen und dem zukünftigen Vermeiden von Fehlern gäbe).
    Darum sollten Formulierungen auf ihre Wirkung bei der Zielgruppe geprüft und durch wertfreie Wörter oder sogar positive ersetzt werden.
  • Worthülsen/ Kunstwörter/ Ad-hoc-Verbindungen
    sollten das Thema unterstützen und möglichst den Jargon der Zielgruppe nutzen, um die Akzeptanz zu erhöhen.
    Worthülsen wie innovativ, flexibel, engagiert und optimal können verständlich übersetzt werden (z.B. innovativ=einfallsreich oder ideenreich; flexibel=anpassungsfähig oder beweglich; engagiert=aktiv oder entschieden für etwas eintreten; optimal=bestmöglich oder vollkommen.) .
    Kunstwörter werden aus Teilen von Wörtern zusammengesetzt und dienen zur nachvollziehbaren Beschreibung von neuen Bedeutungen – Denglisch (DEutsch + eNGLISCH) gemischte Sprachnutzung von Englisch und Deutsch; Bollywood (BOmbay + hoLLYWOOD) indische Filmindustrie; Brexit (BRitain + EXIT) Austritt von Großbritannien aus der EU; Bionik (BIOlogie + techNIK) Nutzung von natürlichen Phänomenen in der Technik. Im Deutschen können sogar ganze Wörter einfach zu neuen Ad-hoc-Verbindungen zusammengestellt werden – Veränderungszielkorridor, Strategiefalle, Anforderungsänderungsmanagement, Risikopotenzialabweichungsanalyse.
    Das Verständnis einer Botschaft wird durch diese Wörter, die erst mal keine allgemeingültige Bedeutung haben, erschwert. Deshalb ist es besser, diese Wörter zu vermeiden oder zumindest durch eine verständliche Auslegung zu verdeutlichen.
  • Abkürzungen/ Akronyme
    sind Teile von Wörtern und Wortfolgen, die zu Buchstabenfolgen zusammengestellt werden. Sie werden oft ohne Umlaute sofort als Buchstabenwort erkannt sind und bleiben ohne Hintergrundwissen oder Erklärung unverständlich. Je nach Kontext stehen mehr oder weniger Auslegungen zur Verfügung (z.B. AG= Aktiengesellschaft oder Arbeitsgebiet oder Aufenthaltsgenehmigung; PS= Postsendung oder Pferdestärke oder Photoshop; SB= Sachbearbeiter oder Seefahrtsbuch oder Selbstbedienung; KP= kommunistische Partei oder Kriminalpolizei (auf Vordrucken) MB= Monatsbericht oder Mega-Byte oder Meldebescheinigung). Sobald Abbreviationen aus anderen Sprachen kommen, ist die Verwirrung besiegelt.
    Aus diesem Grund bringen diese künstlich geschaffenen Kurzworte zur Vermittlung von Informationen wenig, wenn sie nicht zumindest beim ersten Auftreten und in einem Glossar erklärt werden.
  • Synonyme
    sind Wörter mit einer gleichen oder ähnlichen Bedeutung. Beispielsweise Straße kann durch folgende Wörter ersetzt werden: Fahrbahn, Trasse, Allee, Boulevard, Landstraße, Weg, Gasse. Bei näherer Betrachtung liefern die Synonyme zusätzliche Bedeutungen. Eine Allee ist eine mit Bäumen gesäumte Straße. Die Fahrbahn ist die Fläche, auf der der Verkehr stattfindet. Ein Weg ist eine eher unbefestigte, kleine Straße. Eine Gasse ist eine mit hohen Mauern begrenzte kleine Straße. Es gibt auch Synonyme, die aus unterschiedlichen Perspektiven eine ähnliche Funktion beschreiben. Das Wort Transparenz hat einerseits die Bedeutung Durchsichtigkeit und Lichtdurchlässigkeit. Andererseits wird es genutzt um Ehrlichkeit, Offenheit und Aufrichtigkeit zu beschreiben.
    Aufgrund der breiten Bedeutung sind Synonyme nur dann sinnvoll, wenn sie dem Thema zusätzliche Informationen liefern. Stylistisch vermeiden Synonyme den wiederholten Einsatz des immer gleichen Wortes, aber sie weichen die Botschaften auf.

Der persönliche Wortschatz wird bestimmt durch die eigenen Erfahrungen, im Besonderen durch die Zeitungen, Magazine, Fachartikel und Bücher, die man liest. Um den Wortschatz zu verbessern, ist es unumgänglich, sich fortwährend mit den Texten von anderen zu beschäftigen.

Fazit: Die Wortwahl hat einen großen Einfluss auf die Wirkung Ihrer Texte und Präsentationen. Die richtigen Schlüsselwörter zu nutzen, bestimmte Stigmaworte zu vermeiden, Worthülsen und Abkürzungen aus dem Weg zu gehen sowie Synonyme geschickt auszuwählen verbessert die Verständlichkeit Ihrer Botschaften.

Hinhören

Der Drang seine eigene Position mitzuteilen treibt manche mit einem vorgefertigten Skript in ein Gespräch. Fast wie eine Sprachaufnahme wird der Dialog gestartet und ohne Pause abgespult. Üblicherweise sind die Sachverhalte stimmig. Die Gliederung beinhaltet die wesentlichen Punkte. Von Zeit zu Zeit ist die Beteiligung der Gesprächspartner in Form von Fragen eingebaut. Der eigene Standpunkt ist klar herausgearbeitet und mit einem griffigen Schluss versehen. Und trotzdem führt das Gespräch nicht zu dem gewünschten Ende. Bei näherer Betrachtung fällt einem dann auf, dass die Gelegenheit vergeben wurde, auf die Zuhörer zu hören.

Listen

Ein Gespräch besteht weniger aus Reden als aus Hinhören. Das Gehörte liefert soviel Inhalt, dass man sich beim Reden auf das beschränken könnte, was den Zuhörer wirklich interessiert.

  • Stellen die Ansprechpartner Fragen?
    Der direkteste Hinweis auf zusätzlich benötigte Informationen ist eine klare Frage der Zuhörer. Dies ermöglicht es die eigene Aussage so anzupassen, dass die Anderen sie besser verstehen können. Es ist Pech, diese Fragen nicht zu bemerken. Einerseits verpasst man die Chance, sich angemessen auszudrücken. Andererseits bauen sich beim Fragenden negative Gefühle auf. Aus diesem Grund sollte unter allen Umständen auf Fragen eingegangen werden. Und wenn es nur der Hinweis ist, dass man am Ende alle Fragen beantwortet.
  • Scheinen den Teilnehmenden Informationen zu fehlen?
    Die Gesprächspartner nutzen häufig den Moment, an dem der Vortragende Luft holt, um sich in die Bresche zu schmeißen und auch mal etwas zu sagen. Dabei handelt es sich meist um eine Rückmeldung, die einem verdeutlicht, was bisher angekommen ist oder was vielleicht noch fehlt. Hört man aufmerksam hin, dann kann man diese Missverständnisse heraushören und mit zusätzlichen Erläuterungen darauf reagieren. Als Vortragender sollte man immer besser vorbereitet sein, als die Teilnehmenden. Deshalb ist man in der Lage, die entsprechenden Klarlegungen zu liefern.
  • Haben die Gegenüber auch auf Nachfrage keine weiteren Informationsbedarfe?
    Am Ende der Vorstellung sollte in jedem Fall nachgefragt werden, ob sich im Verlaufe des Gesprächs weitere offene Punkte ergeben haben. Sollten Fragen bestehen, auf die man keine Antwort hat, dann kann man die entsprechenden Zusatzinformationen auch nachträglich nachliefern. Gibt es keine Wünsche mehr, dann ist es Zeit das weitere Vorgehen zu vereinbaren und das Gespräch zu beenden. Ist man früher fertig als geplant, so ist dies hervorragend. Die Gegenüber werden dankbar sein, etwas ungeplante Zeit geschenkt zu bekommen.

Zusätzlich lohnt sich der Blick zwischen die Zeilen.

  • Sind die Ansprechpartner in positiver Stimmung?
    Die positive Stimmung der Gegenüber wird erkennbar, wenn sie aufmerksam nickend und lächelnd zuhören.
  • Gibt es Signale von Desinteresse?
    Sobald der Blick der Zuhörer immer häufiger auf die Uhr oder das Handy abschweift oder die Zuhörer anfangen zu gähnen, wird das Eis sehr dünn. In diesem Fall kann man durch Anhebung der Stimme, durch einen Wechsel der eigenen Körperhaltung oder durch einen abschweifenden Kommentar erneutes Interesse wecken.
  • Befinden sich einige im Widerstand?
    An Mimik, Gestik und Körperhaltung werden Widerstände sichtbar. Heruntergezogene Mundwinkel oder der Griff an die Stirn oder, wenn sich ein Gegenüber abwendet, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass sich Widerstand entwickelt. Dies kann soweit gehen, dass die Teilnehmer anfangen zu stören.

Am Ende des Gesprächs ist es hilfreich, die Ergebnisse kurz zusammenzufassen. Signalisiert das Publikum Zustimmung, dann haben Sie das Ende des Gesprächs erreicht. Dabei sollte man jedoch nicht erwarten, dass bereits alles verstanden wurde oder eine Vereinbarung bereits möglich ist. Es braucht mindestens eine Nacht, um dem Batchlauf im Kopf die Chance zu geben, die Ergebnisse für sich nachzuvollziehen. Danach steht einem Abschluss nichts mehr oder alles im Weg.

Fazit: Das Gespräch besteht nicht nur aus Reden, sondern vor allem anderen aus Hinhören. In den Rückmeldungen der Gegenüber finden sich Hinweise auf deren Bedürfnisse. Gleichzeitig spricht der Körper eine klare Sprache. Durch die aufmerksame Beobachtung der Gegenüber werden einem wichtige Anhaltspunkte bezüglich deren Stimmung geliefert. Auf dieser Grundlage lassen sich Gespräche wirkungsvoller gestalten. Deshalb – mehr Hinhören.