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Das Konzept ist machbar, wenn es nachvollziehbar funktioniert

In der Kunst und der Unterhaltung gibt es Formate, die auf Improvisation beruhen. Das Action Painting, der Jazz, das Improtheater oder Talkshows bieten einen einfachen Rahmen, in dem die Akteure Ergebnisse kreieren, die nicht detailliert vorab geplant werden. Beim Bau von Gebäuden, der Programmierung von IT-Anwendungen oder der Gründung eines Unternehmens, ist eine umfangreichere Vorbereitung unverzichtbar. Die Einzelteile werden in Abhängigkeit voneinander entwickelt. Sie sollen am Ende wie geplant zusammenpassen. Eine der Leitungsaufgaben, neben dem Selbstmanagement, der Koordination, der Kommunikation und der Kooperation, ist es ein stimmiges Konzept sicherzustellen. Am besten startet man mit einer kurzen Beschreibung, die zeigt, dass die Absicht logisch machbar ist.

Konzeption

In dieser ersten Skizze sollten die folgenden vier Aspekte so beschrieben sein, dass man entscheiden kann, ob sich der Aufwand eines detaillierten Konzepts lohnt.

  • Ziele
    Hiermit wird der angestrebte Zustand in Form von Zielen, dem Oberziel und den dazugehörigen Teilzielen, beschrieben. Sie sollten so formuliert sein, dass auch Außenstehende das Vorhaben verstehen.
  • Prämissen
    Die Prämissen beschreiben die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um das Vorhaben zu realisieren. Dazu gehören die erforderliche Anzahl von Mitarbeitern, die benötigten finanziellen Mittel, die notwendige Infrastruktur (d.h. die Hard- und Software, die Räumlichkeiten und Medien aller Art) sowie die entscheidenden Fertigkeiten und Kenntnisse.
  • Ergebnisse
    Die Ergebnisse sind immer Produkte und/oder Dienstleistungen. Produkte teilen sich auf in Verbrauchs- oder Gebrauchsgüter.Dienstleistungen sind personen- oder sachbezogene Services. An dieser Stelle ist die verständliche, vollständige Liste besser, als die ausführlich beschriebenen Ergebnisse. In der späteren Ausarbeitung werden die einzelnen Resultate weiter detailliert.
  • Erläuterung
    Mithilfe der Erläuterungen soll dem Leser das Vorhaben weiter verdeutlicht werden. Die Vision und die Mission vermitteln dabei den Zweck des Plans. Die Auflistung der wesentlichen Funktionen und Prozesse vermitteln die Art und Weise, wie die einzelnen Elemente zusammenwirken. Die Vorgeschichte und weitere interessante Informationen runden das Bild ab. Die Erläuterungen sollten sich auf die Aspekte beschränken, die das Vorhaben besser verdeutlichen und kurz und knapp formuliert werden.

Die größte Herausforderung bei der Beschreibung des Konzepts ist die Festlegung des Umfangs und dem Grad der Detaillierung, der zu diesem Zeitpunkt, am Anfang des Prozesses, erreicht werden soll. Da sich die Größe eines Vorhabens sehr unterscheidet, gibt es keine eindeutige Antwort in Form von Seitenzahlen oder anderen Kennzahlen. Als Daumenregel gilt:

  • Schildern Sie so umfangreich, wie für das Verständnis erforderlich ist.
  • Beschreiben Sie so detailliert, wie für die aktuelle Entscheidung nötig ist.
  • Investieren Sie so wenig Zeit, wie möglich.
  • Veranschaulichen Sie immer Ziele, Prämissen, Ergebnisse und Erläuterungen, so verständlich wie möglich.

Am Ende sollten Sie sagen können: Das Konzept ist dann machbar, wenn es nachvollziehbar funktioniert.

Dynamische Grenzwerte

In einer Welt, die immer mehr vermessen und bewertet wird, gewinnen Grenzwerte an Bedeutung. Es ist schwierig, sich in dem Dschungel der Daten zurechtzufinden. Aus diesem Grund werden Orientierungswerte bestimmt, sogenannte Grenzwerte. In Deutschland ist beispielsweise der Grenzwert für radioaktive Strahlung 20mSv pro Jahr beziehungsweise 400 mSv für das gesamte Berufsleben. In Japan hat TepCo die Grenzwerte im Zuge des Unglücks in Fukushima von 100 auf 250 mSv pro Jahr erhöht. Dies zeigt, dass Grenzwerte nicht in Stein gemeißelt sind. Grenzwerte verändern sich.

Blutbild

Die Veränderlichkeit wird von entsprechenden Organisationen bestimmt – Behörden und darauf spezialisierten Institutionen. Ziel ist die Festlegung eines Wertes, ab dem negative Auswirkungen zu erwarten sind, z.B. Gesundheitsrisiken durch Strahlung, Lärm oder Schadstoffe in Lebensmitteln.

Grenzwerte haben die folgenden Schwächen.

  • Sie beziehen sich auf einen separierten Sachverhalt – eine einzelne Substanz oder einen individuellen Klang.
  • Sie beziehen sich auf einen bestimmten Zeitraum.
  • Sie werden für Gesunde erstellt.
  • Sie gelten für durchschnittliche Menschen.
  • Sie berücksichtigen keine Wechselwirkungen oder sukzessive Ansammlungen.

und

  • Sie sind nicht natürlich gegeben, sondern bürokratisch festgelegt.
  • Sie sind Kompromisse der beteiligten Interessengruppen.
  • Sie orientieren sich an einem bestimmten Stand der Wissenschaft im Moment der Festlegung.
  • Sie sind abhängig von wissenschaftlicher Nachweisbarkeit.
  • Sie werden immer wieder geändert.

und

  • Innerhalb der Grenzwerte gilt per Definition als gesund.
  • Außerhalb der Grenzwerte gilt per Definition als nicht gesund.
  • Der Unterschied zwischen gesund und nicht gesund ist sehr klein – für strahlenexponierte Personen in Deutschland gilt19 mSv pro Jahr als ungefährlich und 21 mSv pro Jahr als gefährlich (japanische Messwerte siehe oben).

Fazit: Grenzwerte sind kritisch zu betrachten, da sie Sicherheit suggerieren, aber auf Festlegungen basieren, die jederzeit geändert werden können. Weder die Rahmenbedingungen der Festlegung, noch das Zusammenwirken verschiedener Aspekte oder die scheinbar objektiven Kriterien liefern hieb- und stichfeste Aussagen. Grenzwerte entwickeln sich immer zu einem politischen Instrument. Aus diesen Gründen sollten sie stets kritisch hinterfragt werden.