Archiv der Kategorie: Kommunikation

Kommunikation besteht aus Wahrnehmung, Denkmodellen und Kommunikationsverhalten.

Die Kontingenz des leeren Blattes nutzen

Dem Papier ist es egal, mit was es gefüllt wird. Ein leeres Blatt bietet den größtmöglichen Freiraum für die Entwicklung von Ideen. Diese Tabula rasa ist nur durch die Ränder des Papiers begrenzt. Mit einem entsprechend großen Blatt kann diese Beschränkung behoben werden. Aber wie schöpft man das Maximum aus dieser unbenutzten Fläche? Wie schlachtet man die Kontingenz des leeren Blattes aus?

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In den meisten Fällen greifen Sie sich das Papier, wenn Sie einen Plan aufsetzen möchten, Ihre Gedanken ordnen wollen oder weil Sie den Auftrag haben, etwas zu tun. Es fehlt die eigentliche Lösung, die noch konkretisiert werden muss. Folgende Schritte bringen Sie schnell dem Ziel näher.

  1. Sofort anfangen
    Am wichtigsten ist es, das Papier sofort, ohne Verzögerung, zu füllen. Nicht lange nachdenken, wie man am besten anfängt. Nicht lange nach einer guten Formulierung suchen. Nicht lange eine Struktur überlegen. Einfach sofort starten.
  2. Beschleuniger verwenden
    Idealerweise haben Sie ein Format zur Hand, mit dem Sie besser denken können. Dies kann ein Raster oder eine Mindmap sein, Fragen (z.B. Was? Warum? Wie?) oder einfach ein paar Worte (z.B. der Auftrag, oder wahllose Begriffe (z.B. Saobao, Blaugelb, steinweich)). Diese Beschleuniger geben den Gedanken einen ersten Aufhänger, an dem Sie weiterarbeiten kann.
  3. Erst mal füllen
    Unterdrücken Sie den Impuls, in einem frühen Stadium bereits zu korrigieren! Erst wenn ein gewisser Füllgrad erreicht ist, kommt der nächste Punkt.
  4. Störendes entfernen
    Nachdem der Fluss nachlässt oder sich Widersprüche auftun, die sie bremsen, ist der richtige Moment zu korrigieren. Alles, was nicht passt, kann jetzt in Klammer gesetzt, umformuliert oder gestrichen werden. Markieren Sie die Elemente so, dass sie auch weiterhin lesbar sind, da sie unter Umständen wiederbelebt werden.
  5. Neustart
    Sie wissen selbst am besten, wann der Moment erreicht ist, ein neues Blatt anzufangen. Dabei übertragen Sie gültige Inhalte auf das neue, noch leere Papier. Dabei kann sich die Struktur ändern, neue Begriffe auftauchen und besonders treffende Ideen sich verfestigen. Entwerten Sie das übertragene Blatt mit einem Strich, aber werfen Sie es noch nicht weg. Damit bleiben Ihnen die ursprünglichen Gedankenblitze noch erreichbar. Das aktuelle Blatt ist jedoch leicht erkennbar.
  6. Vernichten
    Sobald ein Blatt keine benötigten Beiträge mehr enthält, weil alle relevanten Informationen auf dem aktuellen oder auf anderen Blättern stehen, kann es zerrissen, zerknüllt, zerschnitten, geschreddert, verbrannt oder auf andere Weise zerstört und entsorgt werden. Betrachten Sie die Vernichtung des Papiers auch als ein sich Lösen von diesen Elementen.
  7. Finale
    Die abschließende Version wird möglichst leserlich und erkennbar festgehalten. Das kann durch eine entsprechende Reinschrift oder mithilfe eines Computers stattfinden. Es bleibt Ihnen überlassen, wie Sie mit den Zwischenergebnissen umgehen. Im Sinne einer mentalen Müllabfuhr brauchen Sie diese Papiere nicht mehr (siehe 6).

Fazit: Die Aufbereitung von Ideen durch den spontanen Einsatz eines weißen Blattes liefert Ergebnisse, die nur durch einen selbst beschränkt sind. Das Papier erlaubt alles, sofern wir es zulassen. Damit bietet das leere Blatt den Platz für alle erdenklichen Lösungsalternativen.

Ich sehe nichts, …

Es gibt viele Gründe dafür, eine Sachlage nicht zu bemerken. Ohne die entsprechende Aussicht auf das Geschehen ist es ja auch viel verlangt, überhaupt etwas festzustellen. Da diese Fehlsichtigkeit meistens nicht willentlich passiert, ist das Hinweisen auf Aspekte der aktuellen Situation eine entscheidende Voraussetzung, um gemeinsam Zusammenhänge besser zu erkennen. Der richtige Moment für zusätzliche Beschreibungen ist die Aussage „Ich sehe nichts, ….“

NikkoNSee

Zum besseren Verständnis können wir uns die Gründe für diese blinden Flecke verdeutlichen.

  • … weil mir jemand oder etwas den Blick verstellt.
    Vor einer Mauer, die weder Tür noch Fenster hat, ist es auch bei bestem Willen unmöglich zu sehen, was hinter der Mauer steckt. Zur besseren Einsicht bleibt einem nichts anderes übrig, als eine Bresche in die Mauer zu schlagen, von einem erhöhten Standpunkt über oder durch geschicktes um die Mauer herum gehen hinter diese Barriere zu blicken.
  • … weil ich Scheuklappen trage.
    Das eigene Fachgebiet ist die Grundlage für bestimmte Erkenntnisse. Manchmal jedoch steht einem die eigene Erfahrung im Weg. Die innersten Überzeugungen wirken wie Scheuklappen, die keinerlei Reize, die außerhalb des professionellen Blickfelds stattfinden, durchlassen. In einem solchen Fall ist es entscheidend, Leute so zu irritieren, dass sie den Kopf in die gewünschte Richtung drehen und neue Blickwinkel registrieren.
  • … weil ich fehlsichtig bin.
    Solange der Blick nicht durch prägende Erfahrungen geschärft ist, sieht man das Geschehen zwar, kann aber noch nicht die Zusammenhänge erkennen. Diese Unschärfe führt zu Fehlschlüssen und damit zu einem unvollständigen Bild. In diesem Fall sind zusätzliche Erklärungen notwendig, um ein kontrastreiches und aussagekräftiges Bild zu erhalten.
  • … weil es zu hell oder zu dunkel ist.
    Die Voraussetzung für eine klare Sicht sind günstige Lichtverhältnisse. Wird man durch zu viel Information geblendet, dann überstrahlt diese Flut den eigenen Horizont. Erhält man zu wenig Input, so steht man im Dunkeln und verfügt über keinerlei Anschauungsmaterial. In solchen Fällen sollten die entscheidenden Informationen in einer überschaubaren Menge zur Verfügung gestellt werden, damit überhaupt etwas erkennbar ist.
  • … weil es nichts zu sehen gibt.
    Sieht man nichts, so kann es auch daran liegen, dass es überhaupt nichts zu sehen gibt. Kommen Worthülsen und abstrakte Begriffe zum Einsatz, die inhaltlich nichts aussagen, gibt es schlussendlich auch nichts zu erkennen. Es lohnt sich dann, abstrakte Botschaften verständlicher zu präsentieren.
  • … weil ich es nicht darf oder es nicht soll oder weil ich die Augen verschließen muss.
    Interne Informationen, die als geheim eingestuft werden, sind vertraulich zu behandeln. Es bleibt ihnen dann nichts anderes übrig, als die Augen zu verschließen und nicht darüber zu sprechen. Dies bedeutet zwar nicht, dass nichts zu sehen ist, aber aus rechtlichen Gründen ist man gezwungen, darüber zu schweigen.
  • … weil ich es nicht kann.
    Es gibt Fälle, in denen man nicht darauf hinweist, da einem die Beweise oder einfach die Worte fehlen. In diesen Fällen kann ein interaktiver Diskurs Klarheit bringen. Dabei werden gemeinsam die Aspekte erarbeitet und dargestellt, für die einem zu Beginn die Worte fehlten.
  • … weil ich es nicht will.
    Die Gründe, warum jemand etwas nicht aufzeigen will, reichen von der aktuellen persönlichen Stimmung sich nicht damit beschäftigen zu wollen, bis hin zu inhaltlichen Gründen. Fehlende Akzeptanz oder mangelndes Commitment erzeugen eine persönlichen Distanz, die dazu führt, dass man sich verschließt. Ein einfacher Weg dieses zu kaschieren ist es zu sagen „Ich sehe nichts …“. Aus diesem Grund sollte man nicht vergessen zu hinterfragen, ob es Gründe für ein Nicht-Wollen gibt.

Fazit: „Ich sehe nichts“ ist keine Aussage, die man einfach so hinnehmen sollte, sondern der Startpunkt für die Auseinandersetzung mit den Gründen für diese scheinbare Blindheit. Sobald einem bewusst wird, dass dahinter viele Ursachen stecken können, macht es Sinn diese zu erforschen und damit vielleicht Licht ins Dunkel zu bringen. Am Ende werden Sie mehr sehen.