Archiv der Kategorie: Deutsch

Teilen mit Anderen – darf man das eigentlich?

Teilen bedeutet, etwas, das einem gehört, ganz oder in Teilen Anderen zu überlassen oder zu verleihen. Verbrauchsgüter, die nicht aufgebraucht wurden, werden dadurch noch genutzt (z.B. Waren mit Verfallsdatum). Gebrauchsgüter werden dadurch besser ausgelastet (z.B. Carsharing). Immaterielle Güter, wie Wissen, steigern durch die vermehrte Nutzung ihren Wert und die Verbreitung. Eine wichtige Voraussetzung für das Teilen sind Besitzer, die bereit sind, ihr Gut Anderen zur Verfügung zu stellen. Teilen mit Anderen – Darf man das eigentlich?

sharing

Grundsätzlich sollten eigentlich die Besitzer von Gütern das Recht haben, frei darüber verfügen können. Trotzdem sind mit dem Besitz auch immer Verpflichtungen verbunden.

  • Nahrungsmittel dürfen nicht geteilt werden, wenn sie ein Verbrauchdatum „zu verbrauchen bis …“ haben sowie z.B. roher Fisch, Gehacktes, rohe Eierspeisen, bei denen eine durchgängige Kühlkette nicht nachweisbar ist (http://foodsharing.de/lebensmittelrecht ). Lebensmittel, auf denen steht „mindestens haltbar bis …“ können auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums geteilt werden.
  • Zu den Gebrauchsgütern zählen Autos, Fahrräder, Wohnungen und Geräte aller Art. Bei manchen Gütern bestehen jedoch rechtliche Aspekte, die das Teilen beschränken. So hat das Auto eine Versicherung, die an die Nutzung durch bestimmte Fahrer gebunden ist oder die gewerbliche Nutzung ausschließt. Dies gilt auch, wenn man seine Mietwohnung mit anderen teilt, ohne die Erlaubnis untervermieten zu dürfen. Bei allen Gütern bleibt auch die Frage der Haftung, wenn beispielsweise die Bremsen des Fahrzeugs defekt sind.
  • Seit es Wissen gibt, wird es auch geteilt, z.B. die Zeitung oder das Buch, die von Hand zu Hand gereicht werden oder der neuste Hit von Lady Gaga. Solange es sich um ein physisches Gut handelt, sollte das Teilen problemlos sein. Sobald jedoch ‚nur‘ der Inhalt geteilt wird, indem er kopiert wird, befinden wir uns bereits bei Copyrightfragen. Nicht zu vergessen, die geheimen Akten, die Whistleblower mit der Öffentlichkeit teilen. Dazu gehören bereits belanglose Geschäftsunterlagen, die mit Bekannten geteilt werden.
  • Eine beliebte Form ist es Arbeit zu teilen. Dabei stellt sich sehr schnell die Frage der Schwarzarbeit sowie der Haftung bzw. Schadensregulierung. Verletzt sich jemand, kommt jemand zu Tode oder entsteht ein materieller Schaden im Zuge eines solchen Teilens, so sind diese Vorfälle normalerweise nicht durch private Versicherungen abgedeckt.

Nichts ist seliger, als zu geben. Einige Fragen gelten für alle Formen des Teilens.

  • Kann Teilen einen Preis haben?
  • Dürfen geteilte Lebensmittel oder die Nutzung eines Autos oder das Verleihen von Büchern oder das Betonieren des Kellers Geld kosten?
  • Wie ist dieser Geldfluss aus steuerlicher Sicht zu sehen (Stichwort: geldwerter Vorteil)?
  • Bildet sich hier eine weitere Nische, in der neue Geschäftsmodelle bestehende bürokratische Regeln sowie die Rechte und Pflichten etablierter Geschäfte umgehen?

Wenn wir uns wieder in Richtung Markt und Tauschgeschäfte entwickeln, sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen Geber und Nehmer gleichermaßen schützen.

Fazit: Zu allen Zeiten gab es das soziale Teilen. Daher kommt auch die positive Sicht auf diese Form der optimierten Nutzung von Ressourcen. Wir brauchen entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen, damit sich die Teilenden, die Geber und Nehmer, bei dieser neuen Form des gesellschaftlichen Austauschs nicht kriminalisieren.

Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe versus Wirkungsdiagramm

Der folgende Text liefert einige Beispiele für eine Diskussion, die in Englisch bei Linkedin ( http://ow.ly/xQAJl ) stattfindet. Die Diskussion dreht sich um das folgende Beispiel http://ow.ly/xQBE6 .

1)       Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe Diagramm (EVA)

Das EVA-Diagramm fokussiert mehr auf Was-wird-benötigt als auf Wie-kann-man-es-tun. Zu diesem Zweck besteht das Diagramm aus: Eigabe, Verarbeitung und Ausgabe.

Die Eingabe bietet alle Aspekte, die für den Prozess benötigt werden. Dies können Information, Steuerung, Ressourcen und andere Dinge sein. In dem Beispiel finden sich Steuerung (Rezept), Ressourcen (Teekanne, Warmwasserbereiter und Koch) und andere Dinge (Wasser, Teebeutel und Energie).

Der Prozess definiert die Funktion. In diesem Fall die oberste Ebene, die ‚Teezubereitung‘-Funktion.

Die Ausgabe dokumentiert die Ergebnisse des Prozesses. Ergebnisse sind Tee, schmutzige Utensilien und ungenutzte Energie.

Auf Basis des Diagramms ist es möglich, den Prozess mit allen wesentlichen Elementen einzurichten. Üblicherweise wird das Diagramm bis auf die operative Ebene mit mehreren Diagrammen verfeinert.

teapotIPO d

2)       Wirkungsdiagramm

Das Wirkungsdiagramm fokussiert auf Was-passiert. Zu diesem Zweck wird das System mit Variablen und Beziehungen beschrieben.

Die Variablen sind Zustandsindikatoren (normalerweise Umsatz, Qualitäten, Kosten, Akzeptanz). In unserem Beispiel Verfügbarkeit und Mengen. Diese Parameter werden beeinflusst durch die Beziehungen.

Die Beziehungen dokumentieren zwei Arten von Abhängigkeiten – Steigerungen und Reduzierungen. Der sich ergebende Einfluss bestimmt die Veränderung des empfangenden Indikators in der gleichen Richtung wie der Sender (+) oder in der entgegengesetzten Richtung (-). In unserem Beispiel: je mehr Wasser verfügbar ist, desto mehr Wasser kann erhitzt werden. Je mehr Wasser erhitzt wird, desto weniger Wasser ist verfügbar (-).

Auf Basis dieses Diagramms kann das Verhalten des Systems über die Zeit untersucht werden.

teapotsys d

Fazit: Der Zweck des EVA-Diagramms ist eher die Implementierung eines Prozesses. Die Intention des Wirkungsdiagramms ist es, das Verhalten des Systems über die Zeit zu verstehen. Die Funktionalitäten können nicht ausgetauscht werden.

P.S.: Systems Thinking ist ein etablierter Weg, um alle Arten von Systemen zu untersuchen. Hier sind ein paar Pioniere – Fritjof Capra, Peter Senge, Daniel Kim, Donella Meadows, Frederic Vester, Harmut Bossel.