Augenhöhe ist für keinen umsonst

Treffen wir auf andere Menschen, liegt es in der Natur der Sache, dass wir uns in körperlichen, kulturellen und geistigen Eigenschaften unterscheiden – wie Größe, Gewicht, Alter, Herkunft, Sprache, Kulturkreis, Schicht, Einstellungen, Fähigkeiten, Aktivitäten und so weiter. Selbst bei nahen Verwandten ergeben sich mit der Zeit immer mehr Unterschiede. Entsprechend wünschen sich viele einen gleichberechtigten und respektierten Umgang miteinander. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass diese angestrebte Augenhöhe für keinen umsonst ist.

Augenhoehe

Eigentlich geht es vor allem darum, dass man ergebnisoffen, vertrauensvoll und mit Respekt gemeinsame Sache macht. Die alternativen Positionen sind für manche unangenehm. Dabei entscheiden vor allem die Protagonisten, in welcher Position sie sich befinden. Neben der gleichberechtigten Ebene bestehen die folgenden Sichten.

  • Froschperspektive
    Für diejenigen, die aus dieser Perspektive die Zusammenarbeit betrachten, entsteht manchmal ein Gefühl von Unterlegenheit. Unterstellt man, dass der andere diese Situation herbeigeführt hat, fühlt man sich erniedrigt. Zwar bietet diese Position die bequeme Stellung, für nichts zuständig zu sein, aber trotzdem streben die meisten mindestens Augenhöhe an.
  • Vogelperspektive
    Aus diesem Blickwinkel entsteht bei den Betreffenden schnell mal das Gefühl von Überlegenheit. Diese Sichtweise entsteht nicht so häufig aus anderen, die einen auf den Sockel stellen, sondern aus dem Gefühl von Überheblichkeit. Die Illusion die Zügel in der Hand zu halten, bedeutet jedoch nicht, dass die jeweilige Person sich auch verantwortlich fühlt. Alleine das damit verbundene Ansehen verhindert oft, sich auf einer Ebene zu treffen.

Besteht das Einvernehmen sich auf Augenhöhe zu treffen, folgt daraus ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

  • Aufgaben gemeinsam verteilen
    Bei den Aufgaben geht es meistens nicht darum sie unbedingt übernehmen zu wollen, sondern eher sie loszuwerden. Augenhöhe bedeutet hier, dass man die Wahl der Tätigkeiten gleichberechtigt durchführt. Die Pflichten werden nicht einfach von oben delegiert und nicht einfach von unten abgelehnt. Dies erfordert eine sachliche Herangehensweise bei der Verteilung. Es sollten einerseits die Wünsche berücksichtigt werden und andererseits die Einsicht bestehen, bestimmte Dinge erledigen zu müssen.
  • Kompetenz an die handelnde Person
    Die Befugnis etwas tun zu dürfen ist eher ein Aspekt, um den gerungen wird. Jeder möchte die Kompetenz haben zu wählen und zu entscheiden. Augenhöhe bedeutet hier, eine vernünftige Zuordnung der Befugnis zu finden. Ein Ansatz ist dabei den Ausführenden die Kompetenzen zu geben, die sie zur Ausführung benötigen.
  • Die eigene Handlung verantworten
    Die Verantwortung wiederum ist etwas, dass man gerne abgibt, da die Konsequenz im schlimmsten Fall der Verlust der eigenen Stellung ist. Auf Augenhöhe bedeutet hier, dass man eine entsprechende Verteilung der Verantwortung erreicht. Der Übergeordnete trägt die Verantwortung für die Aspekte, die dem Untergeordneten vorgegeben werden. Der Untergeordnete übernimmt die Verantwortung für sein eigenes Tun, ohne sich beispielsweise auf einen Befehlsnotstand berufen zu können.

Ein hilfreicher Ansatz ist die Bündelung von Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung in einer Hand. Damit werden die Übernahme einer Aufgabe und die daran geknüpfte Befugnis mit der Verantwortung für die Erfüllung gekoppelt. Die Aufgabe hat damit im Falle des Scheiterns mögliche negative Folgen. Dies motiviert den Aufgabeträger, die Aufgabe zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen und natürlich den Lohn einzustreichen.

Fazit: Grundsätzlich gilt das Menschenrecht, nachdem wir alle gleich sind. Dies reicht jedoch im Alltag nicht aus, um Augenhöhe zu erreichen. Es gibt Dinge, die aufgrund einer bestehenden Hierarchie geregelt werden müssen. Augenhöhe ist dabei für keinen umsonst zu haben. Beide Seiten müssen sich darum bemühen. Die Aufgaben, Kompetenz und Verantwortung hierbei zusammenpassend in eine Hand zu legen ist eine geschickte Lösung.

Level playing field is for no one free

When we meet other people, by nature we differ in physical, cultural and mental characteristics – height, weight, age, origin, language, culture, class, attitudes, abilities, activities and so on. Even close relatives develop more and more differences over time. Respectively many people desire an equal and respectful interaction with each other. On closer look it appears that this desired level playing field is for no one free.

Augenhoehe

Actually it is mainly a matter of making common cause in a spirit of no prejudging, of mutual confidence and with respect. The alternative positions are unpleasant for some people. Although the protagonists decide, in which position they are, apart from having equal level there are the following point of views.

  • Worm’s-eye view
    For those people, who look at cooperation from this perspective, a feeling of inferiority becomes sometimes apparent. If one supposes that the other one caused this situation, one feels degraded. This position offers the comfortable position of not being responsible, but nevertheless most people strive at least for level playing field.
  • Bird’s-eye view
    From this point of view these people develop quickly the feeling of superiority. This aspect does not often come from others, who put someone up on the pedestal, but from one’s arrogance. The illusion of having things firmly under control does not mean that the respective person also feels responsible. The associated reputation often prevents that everybody can meet on common ground.

Agreeing to meet on level playing field results in mutual give and take.

  • Jointly assigning tasks
    Tasks are mainly not a matter of taking over, but rather of getting rid of them. Level playing field means in this case that the selection of an activity is done equally. The obligations are not simply delegated from the top and are not simply rejected from the bottom. This requires an objective approach for the assignment. On the one hand the wishes should be taken into account and on the other hand the insight should exist that certain things have to be done.
  • Authority to the acting person
    The right of doing something is more likely what people struggle for. Everyone wants to have the authority to select and to decide. Level playing field means here to find a reasonable power allocation. One approach is to provide people the authority that they need to fulfill their tasks.
  • Taking responsibility for the own acts
    The responsibility in turn is something that one would like to delegate, since the consequences are in the worst case the loss of the own position. On level playing field means that one achieves the appropriate distribution of the responsibility. The superordinate have the responsibility for the aspects that they set for subordinates. The subordinate takes the responsibility for its own doing, without being able to refer for example to a necessity to obey orders.

A helpful approach is the bundling of tasks, authority and responsibility in one hand. That way taking over a task includes the authority attached to it and the responsibility for the fulfillment. The task has thereby possible negative consequences in case of the failure. This motivates the person in charge to fulfill the task with a successful conclusion and then, of course, pocket the wages.

Bottom line: In principle the human right is valid, since we are all equal. However, this is not sufficient to reach level playing field in daily life. There are things that must be regulated due to an existing hierarchy. Level playing field is for no one free. Both sides must strive for it. Putting the tasks fittingly in one hand is a smart solution.