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Der Teig – die ideale Metapher für VUKA

In der realen Welt unterscheiden wir zwischen festen, flüssigen und gasförmigen Stoffen. Unser allgemeiner Menschenverstand suggeriert klare Abgrenzungen. Viele Stoffe zeigen jedoch ein schwer vorhersagbares Verhalten: beispielsweise der Teig, der, abhängig von vielen Einflüssen unvorhersagbar durch die Finger rinnt. Alles, was Sie tun können, ist es, auf seine Beschaffenheit zu reagieren. Die Geschäftswelt muss sich heutzutage mit Rahmenbedingungen beschäftigen, die sich ähnlich verhalten wie diese nicht-newtonschen Fluide. Diese Unwägbarkeiten sind unter dem Begriff VUKA zusammengefasst.

Abhängig von den verfügbaren Daten der aktuellen Gegebenheiten und der Vorhersagbarkeit der Zukunft lassen sich vier VUKA-Bereiche ausmachen, die zwar für alle zeitliche Reichweiten gelten, aber jeweils einen eigenen Planungshorizont haben.

  • Volatilität
    Volatil, d.h. wechselhaft und instabil, verhalten sich Hinweise, die sich unentwegt ändern. Dies macht sie nutzlos zur Berechnung von möglichen Zukünften. Entscheidungen können nur auf Basis von unerwarteten, kurzfristigen Variablen getroffen werden. Es bleibt einem nichts anderes übrig, als zu beobachten und Lösungen zu erfinden.
    Der geschickte Umgang mit der Flüchtigkeit von Entscheidungsgrundlagen erfordert einen langfristigen Rahmen sowie die Verfügbarkeit von Mitteln und Freiräumen.
  • Unsicherheit
    Unsicher sind Mitteilungen, wenn sie unvollständig oder nicht nachweisbar sind. Dadurch wird die aktuelle Situation unklar. Die Entscheidungen erfolgen ohne die ausschlaggebenden Hinweise oder zumindest aufgrund von vagen Faktoren. Um die Beschlussfassung zu verbessern, müssen die Daten erhärtet und begründet werden.
    Die unsicheren Situationen können mithilfe von einem kurzfristigen Rahmen von Festlegungen sowie durch die Erschließung von neuen Quellen und Perspektiven bewältigt werden.
  • Komplexität
    Komplexe Sachverhalte sind unüberschaubar und unzuverlässig, da eine Flut von Daten parallel angeboten werden. Die Vorausschau wird dadurch fuzzy. Entscheidungen leiden unter konkurrierenden, wichtigen Faktoren, die einbezogen werden müssen. Zur Verbesserung tragen die Gliederung und Kategorisierung von Hinweisen bei.
    Ein mittelfristiger Rahmen bestehend aus stimmigen Modellen sowie der Anpassung des internen Leistungsvermögens an die externe Vielfalt fördern eine bessere Verarbeitung der Komplexität.
  • Ambiguität
    Mehrdeutige Informationen sind die Grundlage für Missverständnisse, da sie unterschiedlich ausgelegt werden können und unbeweisbar sind. Die Entscheidungen fallen auf Basis von unsicheren, vieldeutigen Bedingungen. Die Vieldeutigkeit wird verringert durch eingegrenzte und definierte Mitteilungen.
    Die Festlegung eines Ad-Hoc-Rahmens ermöglichen Experimente jenseits der täglichen Routinen und Regeln. Viele Experimente führen zu besseren Ergebnissen.

Fazit: Die Annahme, dass wir meistens über ausreichend Hinweise verfügen, sollte mit der Flut an Daten der Vergangenheit angehören. Die vollumfassende Transparenz gibt es nicht. Begründungen, die sich auf Fakten berufen, sind von vorneherein kritisch zu betrachten, da die Entscheidungen auf den zufällig wahrgenommenen Gegebenheiten basieren. Es mag irritieren, aber wir sollten uns bewusst machen, dass wir nicht alle Teile und Beziehungen kennen und berücksichtigen können. Die sich ergebende Vagheit der Situationsbeschreibung reicht von Ambiguität über Unsicherheit und Komplexität bis zur Volatilität. Damit finden Entscheide IMMER auf Basis von unsicheren oder fehlenden Daten statt – spätestens bemerkbar, wenn eine falsche Entscheidung mit den fehlerbehafteten Hinweisen der Experten begründet wird. Erfahrene Bäcker verarbeiten ihren Teig nicht nur nach dem Rezeptbuch, sondern passen sich überwiegend an die jeweilige Beschaffenheit des Teigs an. Die verschiedenen VUKA-Dimensionen bieten ebenfalls Aufsatzpunkte, um auf gegenwärtige Umstände und das Gebaren der Beteiligten antworten zu können. Das macht den Teig zur idealen Metapher für VUKA.

Das Fadenkreuz – die ideale Metapher für das Zielen

Ein Ziel zu erreichen oder zu treffen ist schwierig ohne entsprechende Zielvorrichtung. Dabei reicht es nicht, das Ziel zu erkennen und anzuvisieren. Es ist auch erforderlich, sich an den vorhandenen Gegebenheiten auszurichten. Bei einem Schuss über eine weite Distanz gehört die Berücksichtigung der Entfernung und des Seitenwindes dazu. Auf lange Distanz wird ein Geschoß durch die Gravitation und etwaige Fallwinde nach unten gezogen. Gleichzeitig bewirken Seitenwinde, dass das Projektil auf die Seite geschoben wird. Erfahrene Schützen berücksichtigen die erkennbaren Einflüsse – soweit möglich im Vorhinein und in jedem Fall aufgrund der Beobachtung des Ergebnisses. Der Schuss wird dann entsprechend nachjustiert. Auch im Geschäftsleben sollten die Verantwortlichen nicht ohne zu zielen agieren.

Die zu berücksichtigenden Aspekte sind beim Zielen eines Geschützes und dem Geschäftsleben ähnlich.

  • Klare Sicht
    Im Interesse von hoher Treffsicherheit ist es entscheidend, das Ziel vor Augen zu haben. Der klare Weitblick wird möglich durch ausreichend Licht, geringe Lufttrübung und einen angemessenen Vergrößerungsfaktor. Technische Geräte verbessern die Sicht zusätzlich: z.B. Nachtsichtgeräte, Wärmekameras oder Radargeräte.
    Die vielfältigen Aspekte, die das Geschäftsleben bestimmen, erlauben nur in seltenen Fällen eine klare Sicht auf die Aufgaben – z.B. auffällige Stolperfallen, ungeschickte Arbeitsteilung oder unsinnige Abläufe.
    In fast allen Fällen wird eine Ist-Analyse benötigt, um die Schwachstellen sichtbar zu machen – z.B. Auswertung von verfügbaren Daten, Befragung der Belegschaft und der Kunden oder Beobachtung des Geschäftsgeschehens.
    In diesen Fällen zeigen Zielvorrichtungen immer nur einen bestimmten Ausschnitt des Zielgebiets.
  • Zielgenauigkeit
    Das sogenannte Fadennetz, das die Ausrichtung auf das Ziel ermöglicht, muss mühelos lesbar sein und das Ziel nur minimal verdecken. Um Diskrepanzen leichter einschätzen zu können, gibt es nicht allein den zentralen Zielpunkt, sondern zusätzliche Skalen auf der x- und y-Achse, die es möglich machen, sich an Abweichungen anzupassen.
    Da geschäftliche Aktivitäten genauso mit unerwarteten Einflüssen klar kommen müssen, sollten auch hier die Zielvorrichtungen genaue Anpassungen des Ziels möglich machen – z.B. durch verschiedene Szenarien, Aktionen und Teilnehmer.
    Auf jeden Fall müssen die Zielgeräte akkurate Anpassungen ermöglichen.
  • Vorrauschauende Anpassung
    Je weiter ein Ziel entfernt ist, desto größer werden Einflüsse, die auf das Geschoß einwirken. Bei Fernschüssen erfolgt das über die Ermittlung von Nebeneffekten: z.B. der Entfernung, der Bewegung des Zielobjekts, der natürlichen Parabel des Geschosses und Windverhältnissen. Erfahrene Schützen berechnen aus den Faktoren eine Abweichung vom zentralen Zielpunkt und richten sich in dem Fadennetz entsprechend aus.
    Auch geschäftliche Maßnahmen müssen immer die Einflussfaktoren mitberücksichtigen: z.B. eingeschränkte Ressourcen, starre Abläufe und IT sowie die Akzeptanz der Mitarbeiter.
    In jedem Fall geht es darum, unbeabsichtigte Folgen zu vermeiden, indem das eigentliche Ziel möglichst genau erreicht wird.
  • Zielverfolgung
    Das Fadenkreuz dient nicht nur zur Zielausrichtung, sondern auch zur Beobachtung, ob das gewünschte Ziel erreicht wird. Abhängig von der Entfernung dauert es, bis man die Auswirkungen sehen kann. Verfehlt man das Ziel, wird im Fadennetz neu angepasst gezielt und ein weiterer Schuss ausgelöst.
    Eigentlich sollten die geschäftlichen Maßnahmen ebenfalls verfolgt werden, um möglichst früh nachjustieren zu können: z.B. weitere Mitarbeiter und Bereiche einbinden, Aufgaben erweitern oder mehr Mittel bereitstellen.
    Es gilt immer, dass mit dem Schuss das Zielen nicht endet. Die Zielverfolgung und -nachjustierung sind für die Zielerreichung unabdinglich.

Fazit: Das Fadenkreuz ist ein wichtiges Instrument der Zielerreichung. Es bietet eine klare Sicht auf das Ziel, schafft die Voraussetzungen für die Zielgenauigkeit, ermöglicht vorausschauende Anpassungen und die Zielverfolgung. Aktionen, die ohne ein derartiges Instrument stattfinden, haben geringe Trefferwahrscheinlichkeit – außer jemand verfügt über so viele Mittel, dass sieer eine Garbe in die Richtung des Zielortes abgibt, in der Hoffnung, dass ein Geschoß trifft.
Im Geschäftsleben brauchen Initiativen ein entsprechendes Zielen. Das Verständnis der Ausgangssituation, inklusive der bestehenden Einflüsse, ist genauso entscheidend wie die vorausschauende Anpassung der Handlungen an die ermittelten Bedingungen. Das Zielen endet nicht mit der Freigabe und dem Start der Initiative, sondern erfordert im Anschluss die regelmäßige Zielverfolgung, um frühzeitig nachzuregeln oder weitere Maßnahmen aufzusetzen. Das Fadenkreuz eines Zielfernrohrs ist ein gutes Beispiel für die Aufgaben im Rahmen des Zielens.  Das macht das Fadenkreuz zu einer idealen Metapher für das Zielen.