Archiv der Kategorie: Kommunikation

Kommunikation besteht aus Wahrnehmung, Denkmodellen und Kommunikationsverhalten.

Public Relations braucht das fertige Produkt

Im angloamerikanischen Raum unterstützen risikobereite Anleger Start-ups. Diese Gründenden erarbeiten ihre vorbereitenden Bausteine so gut wie möglich: die Geschäftsidee, das Businessmodell und den Businessplan. Je früher Investoren sich beteiligen, desto größer ist ihr RoI. Für den Erhalt von Fördermitteln müssen die Start-ups die Geldgeber von ihrem Angebot überzeugen – ohne praktische Nachweis. Im Interesse einer frühzeitigen Unterstützung antizipieren die Gründer die zu erwartende Geschäftsentwicklung, obwohl sie noch kein fertiges Produkt haben.

Die etwaigen Geldgeber sollten so früh wie möglich überzeugt werden, um die Vorbereitung des Betriebs zu verbessern. Allerdings reicht eine vage Idee nicht, da viele Unwägbarkeiten zu überzogenen Versprechungen und Erwartungen führen. Die Anbietenden brauchen eine besonnene Schätzung, was sie tatsächlich in welcher Stückzahl, auf welche Art, an wen verkaufen können. Das Marketing erfolgt bei den Stakeholdern (Geldgebern, Partnern, Lieferanten, Fachleuten und der Öffentlichkeit), sobald die folgenden Grundlagen beschrieben sind.

  • Solvente Kunden
    Es gibt kein Geschäft ohne Abnehmer, die willig und in der Lage sind zu bezahlen. Abhängig von der Preisklasse des Angebots sind einerseits die ausgeschlossen, die es sich nicht leisten können. Start-ups können eine aufwendige Beratung ohne entsprechende Förderung nicht bezahlen. Andererseits sind auch diejenigen ausgeschlossen, die nicht genug Exklusivität bekommen, selbst für einen hohen Preis. Der Kundschaft ist bei Luxusgütern der Zusatznutzen des Außergewöhnlichen wichtiger als der sowieso vorausgesetzte praktische Nutzwert.
    Sorgen Sie dafür, dass Sie den benötigten Umsatz mit Ihrer Klientel erreichen.
  • Lieferbare Leistungen
    Die Leistungen, wie Güter und Dienste oder ein Mix aus beidem, sollten unter Berücksichtigung der Kunden vorbereitet sein. Das beginnt mit der Gestaltung des Angebots (inklusive Verwendung, Herstellbarkeit, Gütekriterien), geht über die verschiedenen Handbücher, bis hin zu der Verpackung (inklusive Verkaufs-, Um- und Transportverpackung).
    Stellen Sie sicher, dass Ihre Angebote so durchdacht sind, dass sie das liefern, was Sie den Kunden versprechen.
  • Belastbare Abläufe
    Je umfangreicher Ihr Angebot ist, desto vielfältiger sind die erforderlichen Abläufe. Dabei ist es unerheblich, ob und wer sie durchführt – intern oder extern. In jedem Fall brauchen Sie die erforderlichen Abläufe (i.e. Entwicklung, Herstellung, Vertrieb, After-Sales und unterstützende, wie Einkauf, Logistik, HR, IT). Waren sind stärker von reibungslosen Abläufen abhängig als Dienstleistungen, da sie vom Einsatz der Mitarbeiter abhängen. Mit Schulungen und einem unterstützenden Backoffice, standardisieren Sie Ihr Angebot und können die meisten Aspekte während der Arbeit lösen.
    Sorgen Sie dafür, dass Ihre Vorgänge druckbar beschrieben sind, damit alle Beteiligten auf der gleichen Grundlage arbeiten.
  • Fähige Mitarbeitende
    Die „einfachen“ Jobs verschwinden oder vielmehr werden von „intelligenten“ Maschinen übernommen. Dies bedeutet, dass die Modernen Zeiten von Charlie Chaplin vorbei sind. Die Menschen vertreten zukünftig Ihr Unternehmen an den Nahtstellen zu Internen (zwischen verschiedenen Bereichen) und Externen (zu Kunden, Partnern und Lieferanten). Dabei treffen Sie die Entscheidungen, die den obsolet gewordenen, übergeordneten Ebenen vorbehalten waren. Dies erfordert ausreichende Kenntnisse und Fertigkeiten und vor allem Soft Skills.
    Sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeitenden UND SIE so geschult sind, damit sie die inneren und äußeren Schnittstellen beherrschen.
  • Eine intakte Infrastruktur
    Die erforderliche Infrastruktur beginnt nicht erst an den Grenzen Ihres Geländes. Die äußeren Netzanbindungen (i.e. Verkehrswege, Energieversorgungen, Telekomnetze) müssen passen und bereits bei der Standortwahl berücksichtigt werden. Ein Produktentwickler kann heute nicht mit 3D-Programmen arbeiten, wenn kein Breitbandanschluss zur Verfügung steht. Innerhalb Ihres Unternehmens brauchen Sie angemessene Wege, beispielsweise für die In-/Outbound-Logistik, und Lagerflächen. Nicht zu vergessen die Digitalisierung der Aufgaben. Ihre gesamte IT ist betroffen (inklusive interne Netze, cross-funktionale Systeme, barrierefreie Zugänge, auch für die externen Partner, und Ihre Webpräsenz). Das gilt nicht nur für einen Konzern, sondern auch für die kleine Bäckerei mit ihrer Kasse, dem Bestellsystem, usw.
    Sorgen Sie dafür, dass Sie die wesentlichen Bestandteile vor dem Start getestet haben, alles einsatzbereit ist und die Mitarbeitenden ihre Rollen kennen.
  • Eine wirksame Außendarstellung
    Erst jetzt ist der Moment gekommen, die Werbemaschine mit Inhalten zu versorgen. Angebote werden anhand der beschriebenen Kundengruppen bepreist. Die Abläufe sind harmonisiert. Die Mitarbeitenden können das Unternehmen nach außen vertreten. Ihre Infrastruktur funktioniert. Jetzt können Sie erfüllbare Versprechen geben.
    Sorgen Sie dafür, dass Sie eine einfache, einheitliche Außendarstellung haben, ohne Über- oder Untertreibungen.
  • Belastbares Durchhaltevermögen
    Das Wichtigste kommt zum Schluss. Das neue Geschäft ist beim Start noch nicht auf Flughöhe. Die Einnahmen sind noch nicht so hoch wie angestrebt. Die Mitarbeitenden sind noch nicht eingearbeitet. Vieles läuft nicht wie gewünscht. In diesem Moment ist es entscheidend, dass alle hart daran arbeiten, die Fehler zu beheben. Dies braucht einen entsprechenden Teamgeist, unterstützende Führung und ein starkes Commitment von allen.
    Sorgen Sie dafür, dass trotz der Schwierigkeiten während des Anlaufs der Einsatz der Mitarbeitenden erhalten bleibt und Fehler zeitnah nachjustiert wird.

Fazit: Der Blick auf den Marktschreier zeigt uns eine Person, die schon alle vorbereitenden Maßnahmen hinter sich hat. Die Produkte sind verkaufsfertig und er weiß, was zu tun ist. Seine Kasse besteht aus einem Geldbeutel voller Wechselgeld. Der mobile Verkaufstisch kann überall aufgebaut werden – sofern er sich als fliegender Händler angemeldet hat. Alle Bestandteile sind vorhanden, wenn sein Stand öffnet. Hoffentlich sind die Umstehenden in der Lage, seine Preise zu bezahlen. Ab jetzt kann er seine Kunden durch seine Außendarstellung mitreißen, denn Public Relations braucht das fertige Produkt.

Falsche Konfiguration

In den Vierzigerjahren sagte Thomas J. Watson voraus, dass die Welt nicht mehr als fünf Computer benötigte. In den USA gab es 1969 über 69.000 Großrechner. In Deutschland waren es 1971 über 8.000.  Vor über vierzig Jahren ersetzten Personal Computer die grünen Host-Bildschirme. Heutzutage laufen Anwendungen in der Cloud. Wir gehen davon aus, dass das Netz stabil läuft und alle Anwendungen jederzeit erreichbar sind. Dann fiel am 4.10.2021, 18:00 MESZ, Facebook, Instagram und WhatsApp für sechs Stunden aus. Nach Stunden erfuhr die Welt, dass eine falsche Konfiguration der Grund für den Ausfall war.

Ohne Zweifel lag es an irgendwelchen falschen Einstellungen. Über die Hintergründe erfahren wir jedoch nichts. Entscheidend ist das Übernehmen von Verantwortung. Allerdings bleibt stets Raum für Auslegungen – wenn nicht sogar für Verschwörungstheorien. Falsche Einstellwerte haben viele mögliche Ursachen.

  • Bedienfehler
    Es gibt keine menschgemachten Dinge, die fehlerfrei sind. Eventuell liegt es am Programmcode oder den Einstellungen eines Servers oder den Anpassungen für das Internet. Sichtbar wird häufig nicht der ursprüngliche Fehler, sondern erst Folgen, die untersucht werden müssen. Währenddessen verbreiten sich die Auswirkungen. Dies führt in kürzester Zeit zu vielen Ausfällen, die am Ende zurückgerollt werden müssen. In jedem Fall waren es falsche Einstellungen.
  • Sabotage
    Ein Bedienfehler passiert ohne Absicht. Wenn jemand mutwillig eine Störung herbeiführt, fühlt sich der Störfall erstmal an wie ein Bedienfehler. Die schlechten Absichten führen jedoch dazu, dass die Sabotierenden ihre Taten von langer Hand vorbereiten und entsprechend verschleiern. Es kann etwas dauern, bis die Agierenden enttarnt sind. Inwieweit die wirklichen Gründe je bekannt werden, ist offen. In jedem Fall waren es falsche Einstellungen.
  • Fehlfunktionen
    Störungen führen schnell zu Vorfällen, die Ausfälle bewirken, die Ausfälle bewirken und so weiter. Da sich die Fehler mit Lichtgeschwindigkeit verbreiten, muss nicht nur der ursprüngliche Defekt behoben werden, sondern auch alle nachfolgenden. Sobald die Server nicht mehr erkannt werden, dauert es Stunden, um die ursprünglichen Zustände herzustellen. In jedem Fall waren es falsche Einstellungen.
  • Gescheiterte Integration
    Wenn komplexe IT-Systeme zusammenwachsen, kommt es schnell zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten. Um diese zu beseitigen, werden die Parameter nachgeregelt. Dies kann dann zu weiteren Fehlern führen, die sich aufschaukeln. Wenn IT-Systeme ausfallen, dauert es, bis das Setting angepasst und die Systeme wieder hochgefahren sind. In jedem Fall waren es falsche Einstellungen.
  • Sicherheitslecks
    Falsche Einstellungen führen zu offenen Hintertüren, die von Hackern genutzt werden. Dabei ist es unerheblich, ob sie private, kommerzielle oder politische Absichten verfolgen. Jedes Programm hat eine Sicherheitslücke, die mit dem passenden Code ausgenutzt werden kann. Dass die Hintertüren offen stehen, bemerken die Betreiber erst, nachdem sich ein Vorfall ereignet hat. Für uns Anwender ist es jedoch wichtig zu wissen, ob unsere Daten sicher sind. In jedem Fall waren es falsche Einstellungen.

Fazit: Facebook hat mit seiner Übernahme der Verantwortung professionell reagiert. Allerdings bleibt offen, was hinter der falschen Konfiguration steckt. Mit einfachen Bedienfehlern muss man leben, da sie menschlich sind – wenn auch die Anzahl durch gutes Training reduziert wird. Sabotierende sind bereits schwer zu finden – trotz der vielen Log-Dateien. Fehlfunktionen sind Schicksal, da sie sich aus der komplexen Interaktion von IT-Systemen und -Modulen ergeben und niemand sie vorhersehen kann. Werden die IT-Systeme auf eine neue Version umgestellt oder harmonisiert werden, dann entstehen unvorhersehbare Fehler. Besonders unangenehm sind Sicherheitsschwächen, wenn personenbezogene Daten gespeichert sind. Die tatsächlichen Gründe verstehen nur Experten und bleiben im Dunkeln, um eigene Schwächen zu verschleiern. Die schnelle Bekanntgabe, dass es sich um eine falsche Konfiguration des Anbieters handelte, ist der einzige Weg verantwortlich zu reagieren – auch wenn wir nicht wirklich wissen, was es war.