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Aktive und passive Leistungsbestandteile

Die Produkte und Dienstleistungen, die das eine Unternehmen liefert und das andere Unternehmen beschafft, bestehen immer aus einer eigentlichen Leistung mit den aktiven Bestandteilen sowie zusätzlichen Leistungen, den passiven Bestandteilen, die quasi automatisch mitgeliefert werden. Erst die vollständige Berücksichtigung aller Aspekte schafft sachliche Vergleichbarkeit. Auf der Seite der Lieferanten ergeben sich hieraus die Argumente für die Preisgestaltung. Auf der Seite der Kunden leiten sich daraus die Kriterien zur Auswahl und Entscheidung ab. Die Zeit, um die aktiven und passiven Leistungsbestandteile umfassend zu beschreiben und in einen Preisvergleich zu berücksichtigen, ist auf beiden Seiten gut angelegt.

PassivAktiv

Um alle Aspekte einer Leistung verstehen beziehungsweise vergleichen zu können, sollten die aktiven und passiven Bestandteile eines Angebots im Einzelnen aufgeführt werden.

  • Aktive Bestandteile
    Die aktiven Bestandteile einer Leistung sind die Funktionen, für die ein Kunde sich vorrangig interessiert. Produkte werden benutzt (z.B. das Auto, das Smartphone, der Kochtopf) oder verbraucht (z.B. Benzin, Nahrungsmittel, Strom). Dienstleistungen werden personenbezogen (z.B. eine Beratung oder eine Pflege) oder sachbezogen (z.B. die Wartung, die Instandhaltung) durchgeführt und können weder gelagert noch übertragen werden. Auch wenn diese Bestandteile offensichtlich sind, sollten ALLE beschrieben sein.
  • Passive Bestandteile
    Die passiven Bestandteile einer Leistung sind die Aspekte, die zusätzlich zu den augenfälligen Aktiven mitgeliefert werden. Im wesentlichen sind das die Qualitäten der Leistung (z.B. die Zuverlässigkeit, die Sicherheit, die Wirtschaftlichkeit, die Marke, die Erfahrung) und Informationen (z.B. die Konzepte, das Branchen-Know-how, die Beziehungen), die sich im Zuge der Erbringung der Leistung ergeben. Sie sind selten sichtbar und lassen sich nur schwer belegen. Aus diesem Grund fällt das Fehlen dieser Aspekte, wenn überhaupt, erst spät auf, z.B. nach einer Panne oder einem Qualitätstest. Um diese bei der Auswahl zu berücksichtigen, sollten die passiven Bestandteile geschätzt werden, z.B. indem das Risiko betrachtet oder der Mehrwert beurteilt wird.

Der Verfall der Preise durch die billige Herstellung der aktiven Bestandteile in Ländern mit günstigen Produktionsbedingungen (z.B. geringe Lohnkosten, fehlende Umweltstandards), führt dazu, das die passiven Bestandteile an Bedeutung gewinnen. Der Wert einer Marke, die Sicherheit oder die Zuverlässigkeit einer Leistung werden immer häufiger zu einem Bestandteil des Mehrwerts für den Kunden. Es lassen sich dadurch höhere Preise verargumentieren, die nichts mehr mit dem eigentlichen Warenwert zu tun haben. So spielt der Ruf von Unterhaltungselektronik eine wichtigere Rolle als deren faktische Nachhaltigkeit (z.B. wenn der Akku nicht austauschbar ist, wie bei manchen Produkten der Firma Apple). Die Sicherheit zur Vermeidung von Gefahren oder die Reduzierung der Unfallfolgen sind auch wichtige Kriterien beim Kauf eines Autos. Das Gleiche gilt für Services. Die höheren Tagessätze einer renommierten Unternehmensberatung werden hingenommen, obwohl die eingesetzten Mitarbeiter, über eine vergleichbare Ausbildung verfügen, wie die Arbeitnehmer einer kleinen Firma, die weniger kosten.

Fazit: Der Wert von Produkten und Services wird immer mehr von schwer greifbaren Aspekten bestimmt. Deshalb müssen die Spezifikation der Anforderungen und die Auswahl von Leistungen vorab näher bestimmt werden, um die Angebote sachlich vergleichbar zu machen.

Fünf Ohrenspitzer

Das Gespräch ist ein wichtiges Werkzeug, um Gedanken auszutauschen. Dabei sollten Sie die eigenen Aussagen so formulieren, dass die Gesprächspartner in der Lage sind, die Bedeutung zu verstehen. Die zweite wichtige Aufgabe ist es zuzuhören. Nur wenn Aussagen aufmerksam gehört und verarbeitet werden, bekommt man mit, welche Standpunkte die Anderen haben und wie sie die eigene Sicht unterstreichen. Bestimmte Floskeln sagen dabei viel aus. Diese sogenannten Ohrenspitzer sind ein Schlüssel zu den Einstellungen der Gesprächspartner.

Ohrenspitzer

Die folgenden fünf Ohrenspitzer sind Beispiele für die Magie der Worte, die die eigentlichen Botschaften umrahmen.

  • Ja, aber …
    Das positive Feedback, das durch ein ‚Ja‘ erzeugt wird, ist immer willkommen. Das nachfolgende ‚aber‘ verkehrt jedoch die zustimmende Rückmeldung ins Negative. Dieses ‚Nein‘ durch die Blume wird manchmal überhört und führt zu langwierigen Missverständnissen.
    Beispiel: Ja, das ist ein sehr starkes Argument, aber es sprechen doch viele Gründe dagegen.
  • Jeder weiß, dass …
    Ambali Sanogo, in Burkina Faso, weiß es sicher nicht. Damit weiß es wohl nicht JEDER. Und trotzdem wird diese Floskel gerne eingesetzt, um das Gesagte zu betonen und jeden Widerspruch von Anfang an zu ersticken. Wer will schon zeigen, dass er es nicht weiß, wenn es alle wissen.
    Beispiel: Jeder weiß, dass Tatsachen unumstößlich sind.
  • Mir ist wichtig, …
    So manche Politikerin erkämpft sich Sendeminuten, indem sie anderen mit dem persönlichen Bedürfnis, das Wichtige unbedingt sagen zu müssen, das Wort abschneidet. Auffällig ist diese Floskel, wenn sie regelmäßig wiederholt wird.
    Beispiel: Mit ist wichtig, an dieser Stelle nochmals auf die Notwendigkeit hinzuweisen.
  • Ehrlich gesagt …
    Beginnt eine Bemerkung mit diesen Worten, kann man davon ausgehen, dass jemand die Wahrheit sagt. Gleichzeitig könnte man misstrauisch werden bezüglich sonstiger Aussagen. Muss man davon ausgehen, dass alle Aussagen, die nicht mit dieser Floskel eingeleitet sind, unehrlich sind?
    Beispiel: Ehrlich gesagt fehlt mir jedes Verständnis für dieses Verhalten.
  • Nach gründlicher Überlegung habe ich mich entschieden zu prüfen, ob …
    Da bei den Zuhörern die Aufmerksamkeit nach den ersten Worten sinkt, nutzen vor allem politisch orientierte Sprecher so eine Einleitung. Manche Zuhörer hören nur die Entscheidung, ohne auf den eigentlichen Inhalt der Entscheidung zu schauen. Dadurch erscheint so mancher Nichtentscheider als zupackende Persönlichkeit.
    Beispiel: Nach gründlicher Überlegung habe ich mich entschieden zu prüfen, ob diese Entscheidung überhaupt berücksichtigt werden kann.

Fazit: Sobald Sie einen dieser Ohrenspitzer hören, seien Sie aufmerksam, denn es stecken zusätzliche Informationen zwischen den Zeilen, die unter Umständen der Botschaft eine andere Bedeutung geben. Die Ohrenspitzer offenbaren die eigentliche Absicht.