Lernen von den Ältesten

Bevor man anfängt, die schlechtzumachen, die in den vergangenen 2500 Jahren am meisten Konstanz bewiesen haben, sollten wir mal einen unbefangenen Blick auf sie werfen, da sie über lange Zeit nach mehr oder weniger ähnlichen Werten leben – die Chinesen. Die fünf Konstanten (1) Menschlichkeit, (2) Rechtschaffenheit, (3) Sittlichkeit, (4) Aufrichtigkeit und (5) Weisheit dienen den Renmin (dem chinesischen Menschen/ Volk) als Richtschnur:

  • In ihren Beziehungen zu anderen
  • Mit entsprechendem Pflichtbewusstsein
  • Freundlichkeit
  • Ehrlichkeit und
  • Präzisem Ausdruck.

Auf die Wuchangs baut das Verhalten auf – das starke Gefühl der Zu­gehörigkeit, das politische System oder die Sozialkredite. Die völlige Zentralisierung und die Unabhängigkeit von Wahlversprechen ermöglicht es der Führung, ambitionierte Ziele zu setzen und zu verwirklichen – auch wenn der Umgang mit Menschenrechten dabei auf der Strecke bleibt.

Löst man sich von der allgemeinen Polemik gegenüber dem chinesischen Drachen bezüglich des politischen Systems und wie sie mit Widerständen umgehen, gibt es einiges zu lernen von dem zweieinhalb tausend Jahre alten konfuzianischen Mindset.

  • Wer keine Ausdauer hat bei Kleinigkeiten, dem misslingt der große Plan
    Die Anbindung Chinas an die internationalen Märkte unter den Titeln One Belt, One Road oder Die neue Seidenstraße (zu Land und zu Wasser) bündelt verschiedene Vorhaben. Es kanalisiert die Anstrengungen langfristig in Richtung wirtschaftlicher Expansion. Im Westen ist die Ausrichtung auf lange Zeiträume verloren gegangen. Gleichzeitig werden Großprojekte durch überbordende Bürokratie und private Widerstände verunmöglicht. In der Folge werden die Entscheider für kurzfristiges Wohlverhalten belohnt, dass sich an den lautesten und nicht an den mehrheitlichen Bedürfnissen orientiert.
    Wir sollten uns im Westen darauf besinnen, dass das Wohl der Mehrheit, Entschiedenheit und Ausdauer Voraussetzungen für unseren Fortschritt sind. Dies erfordert einen Masterplan, der beispielsweise die Bildung fördert, eine funktionierende Infrastruktur und den Erhalt der Wettbewerbsvorteile sicherstellt.
  • Eine tönende Trommel muss nicht stark geschlagen werden
    Die fortwährende Kritik an den Verhältnissen in China zeugt von einem fehlenden Verständnis der kulturellen Besonderheiten Asiens. Wenn das Sozialkredit-System als Big Brother is watching in Misskredit gebracht wird, übersehen viele die entsprechenden Maßnahmen zur Beobachtung im Westen – z.B. Überwachungskameras in England, flächendeckende Überwachung der Kommunikation und des Verkehrs in Deutschland oder die US-amerikanische übermächtige NSA. Im Gegensatz dazu setzt das chinesische System auf uralte Werte (siehe die fünf Konstanten), die beispielsweise die Einführung des Sozialkredit-Systems einfacher machen. Vor allem wenn es verknüpft wird mit der angestrebten Verdoppelung des Pro-Kopf-Einkommens bis 2035.
    Wir sollten uns von dem Grundgedanken lösen, alles dem wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen und wenigen Superreichen unterzuordnen. Viabel bleiben wir nur, wenn wir den nachfolgenden Generationen die Zukunftschancen erhalten, indem wir uns mehr auf die langfristige Sicherung der Leistungsfähigkeit aller konzentrieren, eine gemeinsame (beispielsweise eine europäische) Identität schaffen und die Spaltung der Gesellschaft in Habende und Habenichtse verhindern. Ein fruchtbarer Gemeinsinn ermöglicht Vorteile für alle, wenn sämtliche Interessengruppen an einem Strick ziehen.
  • Das eine Tun und das andere nicht lassen
    Im Gegensatz zu den kulturell benachbarten 27 europäischen Staaten besteht China aus 90 ethnischen Gruppen oder 56 offiziellen Nationalitäten. Es erstreckt sich zwar über fünf Zeitzonen, hat jedoch nur eine Uhrzeit, die Pekings. Berücksichtigt man die über 1,4 Millionen Menschen, dann werden sich die inneren Schwierigkeiten nachvollziehbar. Denkt man dann noch an die asiatische Mentalität des Yin und Yangs, dann beeindrucken die Ergebnisse von Ein Land, zwei Systeme oder die neue Maßnahme der Zwei Kreisläufe – in anderen Worten: der Modus, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen.
    Wir könnten viel von solchen an sich widersprüchlichen Ansätzen profitieren, anstelle dogmatisch dem einen Weg Jeder für sich zu folgen. Die EU hat weniger Schwierigkeiten, sich mit unterschiedlichen Mentalitäten auseinanderzusetzen. Ärger entsteht durch die nationalen Egoismen. Europa hat sich, beispielsweise durch seine Verteilung der Kompetenzen oder das Veto-Recht handlungsunfähig gemacht. Nur wenn die Nationalstaaterei zugunsten der Vereinigten Staaten von Europa aufgelöst wird, gibt es eine Zukunft für alle – der europäische Markt hat die richtige Größe, basiert auf einer gemeinsamen Kultur und verfügt über eine etablierte Wirtschaft.
  • Nutze alle Möglichkeiten
    Mit seinem Made in China 2025 (MIC) zielt China auf die Vorherrschaft in wichtigen Bereichen – entschlossene Digitalisierung (z.B. Netzinfrastruktur, Halbleiter); Einführung von Kryptowährung; Weiterentwicklung der Verkehrssysteme (z.B. Hochgeschwindigkeitszüge, Elektromobilität, Raumfahrt); Ausbau der IT-Kompetenzen (z.B. Künstliche Intelligenz, Quanten-Computer, Roboter und Automatisierung); Leistungssteigerungen in der Landwirtschaft.
    Wir haben zwar vergleichbare Handlungsbedarfe, sind aber aufgrund fehlender Entschiedenheit und persönlichem Profitstreben, nicht in der Lage, über Lippenbekenntnisse hinauszugehen. Es bleibt bei in die Zukunft verschobene Vorhaben, die sich wiederholt verzögern. Wir schöpfen den angehäuften Rahm der Wirtschaft ab und verteilen den Wohlstand von unten nach oben um. Dies führt unweigerlich zum wirtschaftlichen Infarkt – spätestens, wenn bisherige Vorsprünge aufgebraucht sind. In Abwandelung eines verbrannten Mottos brauchen wir ein Europe First, das von ALLEN mitgetragen und unterstützt wird – frei von nationalen und persönlichen Anliegen.
  • Nach den Steinen tastend den Fluss überqueren
    Die Zukunft liegt verborgen im Nebel der Möglichkeiten. Allerdings sind die nächsten Aufsatzpunkte erkennbar. Entsprechend hatte Deng Xiaoping die Devise ausgegeben Nach den Steinen tastend den Fluss überqueren. Mit seinen aktuell über 40 Millionen Studierenden und den Millionen Studienabschlüssen der vergangenen Jahre verfügt China über ein überwältigendes Reservoir an Wissensarbeitern. Mit dieser Flut an Wissen errichten sie im Rahmen der Initiative China Standards 2035 die Grundlagen für die Zukunft. Die meisten Patentaktivitäten finden mit über 1,4 Millionen laut WIPO in China statt (gefolgt von USA mit über 600 Tsd, Japan mit über 300 Tsd., Süd-Korea mit fast 220 Tsd. und Deutschland mit über 67 Tsd. Patenten).
    Wir erkennen an den Zahlen, wer das zukünftige Geschehen bestimmt. Um weiterhin die eigenen Chancen zu sichern, müssten die Europäer die Schwerpunkte genauso konsequent vorgegeben und verfolgen, wie China. Wenn das nicht gelingt, verlieren wir weiter an Substanz. Das gilt für die Leistungsfähigkeit der Menschen und Wirtschaft, die Abdeckung der Kommunikationsnetze, die Ausnutzung der westlichen Mentalität und dem angestammten Qualitätsverständnis.

Fazit: Im Wesentlichen geht es in diesem Beitrag darum, sich von dem polarisierenden Blick auf China zu lösen. Es wäre besser zu erkennen, dass China in den vergangenen sechzig Jahren seinen BIP nach RMB verfünfhundertfacht hat. In der gleichen Zeit hat sich der deutsche BIP vereinundzwanzigfacht. Auch wenn China auf einem sehr niedrigen Niveau gestartet ist, werden wir uns in diesem Jahrzehnt damit auseinandersetzen müssen, dass China die Führung in der Wirtschaft übernehmen wird. Vor allem aufgrund seiner beharrlich umgesetzten Initiativen: One Belt, One Road; Social Credit System; Dual Circulation; Made in China 2025 (MIC). Um weiterhin wirtschaftlich von Bedeutung zu bleiben, ist es erforderlich, einen Masterplan in Europa zu entwickeln und konsequent umzusetzen. Hierfür dürfen bürokratische und gesellschaftliche Widerstände nicht weiter ausgesessen, sondern aus dem Weg geräumt werden. Die Kernthemen sind die Förderung der Qualifizierung aller, die konsequente Beseitigung der Bevorzugung von Kapital und Industrie, die lückenlose Digitalisierung sowie die Entwicklung und der Einsatz von Zukunftstechnologien. Um das zu erreichen, können wir von denen lernen, die am längsten unterwegs sind und es im Moment am besten machen.

Learning from the elders

Before we start denigrating those who have demonstrated the most consistency over the past 2500 years, let’s take an unbiased look at them since they have lived by more or less similar values for so long – the Chinese. The five constants of (1) humaneness, (2) righteousness, (3) morality, (4) integrity, and (5) knowledge serve as a guide for the Renmin (the Chinese people):

  • In their relations with other people
  • With a corresponding sense of duty
  • Friendliness
  • Honesty and
  • Precise expression.

The behavior is built on these Wuchang’s – a strong sense of ­belonging, the political system, and the social credits. Full centralization and independence from electoral promises enable the leaders to set and realize ambitious goals – even if dealing with human rights falls by the wayside.

If you let go of the general polemics toward the Chinese dragon regarding the political system and how they deal with resistance, there is a lot to learn from the two and a half thousand-year-old Confucian mindset.

  • If you do not have perseverance with small things, the big plan will fail
    China’s connection to international markets bundles various projects. It aligns efforts in the long run under One Belt, One Road, or The New Silk Road (on land and water) towards economic expansion. In the West, the focus on long time horizons has been lost. At the same time, large-scale projects are made impossible by excessive bureaucracy and private resistance. As a result, decision-makers are rewarded for short-term good behavior towards the loudest rather than the majority’s needs.
    In the West, we should remember that the majority’s welfare, decisiveness, and perseverance are prerequisites for our progress. This requires a masterplan that promotes, for example, education and ensures an operational infrastructure and the preservation of competitive advantages.
  • A sounding drum needs no heavy beating
    The ongoing criticism of the conditions in China shows a lack of understanding of Asian cultural peculiarities. When the social credit system is discredited as Big Brother is watching, many oversee the corresponding measures of observation in the West – e.g., surveillance cameras in England, extensive monitoring of communications and road traffic in Germany, or the U.S. overbearing NSA. In contrast, the Chinese system counts on ancient values (see the five constants), which make it easier to introduce, for example, the social credit system, mainly when it is linked to the targeted doubling of per capita income by 2035.
    We should move away from the basic idea of subordinating anything to companies‘ economic success and a few super-rich people. We will only remain viable when we preserve future generations‘ future opportunities by focusing more on securing the long-term performance of all, creating a joint (for example, a European) identity, and preventing the societal division into haves and have-nots. A fruitful community spirit enables benefits for everybody when all stakeholders pull together one rope.
  • Do one thing and not letting the other
    In contrast to the culturally neighboring 27 European countries, China comprises 90 ethnic groups or 56 official nationalities. While it spans five time zones, it has only one time, that of Beijing. If we consider the more than 1.4 million people, then the internal difficulties become understandable. If you think about the Asian mentality of Yin and Yang, the results of One Country, Two Systems, or the new measure of Dual Circulations, the results are impressive – in other words, the mode of doing one thing and not letting the other.
    We could benefit a lot from such inherently contradictory approaches instead of dogmatically following the everybody for oneself. The E.U. is less struggling with different mentalities. Trouble arises from national egoisms. For example, Europe has made itself incapable of acting due to its distribution of authority or veto power. Only if the nation stating is dissolved in favor of the United States of Europe will there be a future for all – the European market has the right size, is based on a common culture, and has an established economy.
  • Utilize all opportunities
    With its Made in China 2025 (MIC), China aims to dominate in key areas – determined digitalization (e.g., network infrastructure, semiconductors); introduction of cryptocurrency; further development of transport systems (e.g., high-speed trains, electromobility, space travel); expansion of I.T. capabilities (e.g., Artificial Intelligence, Quantum Computing, Robots, and Automation); performance improvements in agriculture.
    Although we have comparable needs for action, we cannot go beyond lip service due to a lack of decisiveness and pursuit of personal gains. We are left with projects that are repeatedly delayed into the future. We skim off the accumulated cream of the economy and redistribute wealth from the bottom to the top. This leads inevitably to an economic infarction – at the latest when previous advances have been eaten up. In modifying a burnt motto, we need a Europe First that is carried and supported by ALL – free from national and personal concerns.
  • Cross the river by feeling for stones
    The future lies hidden in the mist of possibilities. However, the following touchdown points are recognizable. Accordingly, Deng Xiaoping had issued the motto Cross the river by feeling for stones. With its current student population of more than 40 million and the millions of graduates in recent years, China has an overwhelming knowledge worker reservoir. With this flood of knowledge, they are building the future foundations as part of the China Standards 2035 The most patent activity takes place in China with over 1.4 million according to WIPO (followed by the USA with over 600k, Japan with over 300k, South Korea with almost 220k, and Germany with over 67k patents).
    We can see from the numbers who is determining future matters. To secure our opportunities, the Europeans would have to set and pursue the priorities just like China. If we fail to do this, we will continue to lose substance. This applies to people’s performance and the economy, the communications networks coverage, the exploitation of the Western mentality, and the inherited understanding of quality.

Bottom line: In essence, this post is about moving away from the polarizing view on China. It would be better to recognize that China has increased its GDP by RMB five hundredfold in the past sixty years. Within the same time, Germany’s GDP has increased twenty-onefold. Even though China started at a shallow level, we will have to deal in this decade with China taking the lead in the economy. It is mainly because of its persistently implemented initiatives: One Belt, One Road; Social Credit System; Dual Circulation; Made in China 2025 (MIC). To remain economically significant, it is necessary to develop and consequently implement a masterplan in Europe. Therefore, bureaucratic and social resistances do not have to continue to be sat out but must be solved. The core issues are the support of qualification for all, the consistent elimination of the preferential treatment of capital and industry, seamless digitization, and future technologies‘ development and use. To achieve this, we can learn from those who have been on the road the longest and are doing it currently at best.