Schlagwort-Archive: Partner

Das Digitale auf der geschäftlichen Leinwand

Mit dem Z1 von Konrad Zuse Anfang der Vierziger des letzten Jahrhunderts ist der erste elektronische Rechner entstanden. Der fünfte Kondratieff, der die Informationstechnologie zum disruptiven Veränderer der Wirtschaft und der Gesellschaft erklärte, begann jedoch erst ab den 1970ern. Der Zugang zum weltweiten Netz ist heute mit allen möglichen mobilen Endgeräten zu jeder Zeit von überall möglich. Zusammen mit den gigantischen Rechnerleistungen heutiger Computer häuft sich im Moment eine große Welle zur Umsetzung lange bekannter Konzepte an: die Automatisierung der Abläufe, Embedded Systems in allen bewegten und unbewegten Objekten, die Datenverwaltung in der Wolke sowie die Verarbeitung von unvorstellbar großen Datenmengen mit Big Data. Doch was bedeuten alle diese Ansätze für die geschäftliche Leinwand?

Jedes Geschäft lässt sich mit dem Business Model Canvas abbilden. In den folgenden Stichpunkten wird der Schwung der digitalen Transformation betrachtet.

  • Kunden
    Bereits im Zuge von E-Business vor über zwanzig Jahren wurden drei Kundenbereiche identifiziert: Business, Consumer und Government. Business beschreibt die gewerblichen Unternehmen, Consumer die privaten Abnehmer und Government die staatlichen/öffentlichen Institutionen. Am Anfang sollten Unternehmungen die digitale Wirklichkeit der eigenen Klientel ergründen. Wie digitalbereit sind die Kundenbereiche? Wo und wann sind die Kunden aktiv? Was wollen die Kunden?
  • Kundenbeziehungen
    E-Business hat frühzeitig die möglichen Kundenbeziehungen ausgearbeitet: nämlich alle möglichen Kombinationen der Achsen Business, Consumer und Government (i.e. B2B, B2C, B2G, C2B, C2C, C2G, G2B, G2C, G2G). Für die meisten Felder existieren bekannte Beispiele, wie Amazon (B2C), eBay (C2C). Der Blick auf die eigenen Beziehungsstrukturen und deren Grad der Digitalisierung liefert erste Ansatzpunkte für die digitale Transformation. Welche Beziehungen gibt es bzw. wären noch denkbar? Wie, wann und wo möchte der Kunde mit dem Anbieter in Kontakt treten? Welche Art von Digitalisierung wird benötigt?
  • Kanäle
    Der Weg, über den die Beteiligten miteinander in Kontakt treten, wird durch die bisherige Routine bestimmt. Diese Kanäle reichen von persönlichen Besuchen, Telefonanrufen, Publikationen, Messeauftritten bis hin zum Internet. Es ist von Vorteil, alle möglichen Kanäle zu nutzen. Welche Medien werden bereits genutzt? Welche Kanäle sollten entwickelt werden?
  • Angebote
    Die Angebote teilen sich in zwei Gruppen. 1) Materielle Produkte und Vor-Ort Dienstleistungen sowie 2) digitalisierbare Produkte und Fern-Dienstleistungen. Während die zweite Gruppe die rein digitalen Angebote umfasst, lässt sich die erste Gruppe mit digitalen Bausteinen erweitern, z.B. die Fernwartung einer Maschine, die 24-Stunden-Hotline, Online-Trainings. Die digitalen Chancen der Angebote sind häufig nicht klar. Welche Teile des Sortiments können digitalisiert werden? Welche neuen, digitalen Leistungen passen ins Programm?
  • Einnahmequellen
    Zusätzlich zum Kerngeschäft bieten das angehäufte Wissen und die Kontakte weitere Einnahmequellen. Die digitale Transformation erschließt diese informationslastigen Chancen. Welche digitalen Einnahmequellen gibt es im Bereich der Angebote? Was kann man mit dem vorhandenen Wissen zusätzlich verdienen? Was kann man mit den Kontakten machen?
  • Aktivitäten
    Es ist immer wieder überraschend, wie weit bzw. wie wenig die internen Möglichkeiten der IT genutzt werden. So findet weiterhin Wertschöpfung mit althergebrachten, papierbasierten Verfahren statt. Spätestens, wenn die Kunden mit den langsamen, manuellen Abläufen nicht mehr zufrieden sind und wenn eine engere Einbindung gewünscht wird, bleibt nichts anderes übrig, als sich digital anzupassen. Die betroffenen Aktivitäten lassen sich aus den digitalisierbaren Angeboten ableiten. Welche Abläufe sind teil oder voll automatisierbar? Wie erfolgt die Transformation?
  • Ressourcen
    Digitale Unternehmen verfügen über virtuelle Ressourcen, d.h. die IT mit ihren Netzwerken. Ein Blick auf den Grad der internen Digitalisierung, die bereits automatisierten Abläufe, die Datenlandschaft und die Anwendungen, zeigt schnell den Handlungsdruck. Welche Abläufe sind bereits IT-basiert? Welche Daten stehen zur Verfügung? Welche Anwendungen haben eine digitale Zukunft?
  • Schlüsselpartner
    Die Beteiligten bei der Leistungserbringung sind die internen und externen Mitarbeiter. Sie brauchen in der digitalen Welt neue Fähigkeiten, wie ausgeprägte Kundenorientierung, lebenslanges Lernen, Teamfähigkeit, Veränderungsmanagement sowie IT-spezifische Kenntnisse bzgl. Computerbedienung, Datensicherheit, Datenanalyse, Internet usw. Wer sind die internen und externen Partner? Welche Fähigkeitsprofile gibt es bzw. sind erforderlich? Welche Fähigkeiten fehlen?
  • Kostenstruktur
    Die digitale Transformation gibt es nicht umsonst. Die Einsparungen bei den Ausgaben und die Steigerungen des Umsatzes lassen sich nicht über Nacht realisieren. Betrachtet man Amazon, so wächst zwar der Umsatz beständig, aber die Gewinne entwickeln sich nicht entsprechend. Bevor man mit der digitalen Transformation beginnt, braucht man ein ehrliches Commitment bzgl. der Kosten. Wo entstehen welche Aufwände? Wie lange darf die digitale Transformation dauern? Was kostet ein Verzicht auf Digitalisierung?

Fazit: Der komplette Business Model Canvas ist von der digitalen Transformation betroffen. Die bereits erreichte digitale Durchdringung und Readiness aller Bausteine entscheiden über die zu erwartenden Aufwände. Der erste Schritt in die digitale Zukunft ist die bewusste Entscheidung aller Beteiligten für die notwendigen Anstrengungen. Die digitale Leinwand bietet den erforderlichen Überblick.

The digital on the Business Model Canvas

With the Z1 of Konrad Zuse in the early forties of the last century, the first electronic computer was created. However, the fifth Kondratiev that announced the information technology as a disruptive change in the economy and society started not before the 1970s. The access to the global network is possible anytime, anywhere with mobile devices of all kinds. Together with the gigantic computing power of today’s computers, a big wave to implement well-known concepts is being piled up: the automation of processes, embedded systems in all moving and unmoved objects, data management in the cloud as well as the processing of unimaginably huge amounts of data with Big Data. But what do all these approaches mean for the commercial Canvas ?

Every business can be depicted on the Business Model Canvas. In the following bullet points, the momentum of the digital transformation is considered.

  • Customer
    Already in the course of e-business more than twenty years ago, three customer areas were identified: business, consumer and government. Business describes the commercial enterprises, consumer the private customers and government the state/public institutions. In the beginning ventures should explore the digital reality of their own clientele. How digital are the customer areas? Where and when are the customers active? What do the customers want?
  • Customer relationships
    E-business already elaborated the possible customer relationships at an early stage: namely, all possible combinations of the axes business, consumer and government (i.e. B2B, B2C, B2G, C2B, C2C, C2G, G2B, G2C, and G2G). For most fields famous examples are available, like Amazon (B2C), eBay (C2C). A look at one’s own relationship structures and the degree of its digitization provides initial starting points for the digital transformation. What relationships exist or are possible? How, when and where does the customer wants to get in contact with the provider? What kind of digitization is needed?
  • Channels
    The path through which the participants get in contact with each other is determined by the previous routine. These channels range from personal visits, telephone calls, publications, trade shows, to the Internet. It is an advantage to use all possible channels. Which media is already used? Which channels should be developed?
  • Propositions
    The proposals are split into two groups. 1) Physical products and on-site services as well as 2) digitizable products and remote services. While the second group comprises purely digital propositions, the first group can be extended with digital building blocks, e.g. the remote maintenance of a machine, the 24-hour hotline, online training. The digital opportunities of the propositions are often not clear. Which parts of the assortment can be digitized? Which new digital services fit into the product range?
  • Revenue streams
    In addition to the core business, the accumulated knowledge and contacts provide additional sources of revenue. The digital transformation opens up these information-rich opportunities. Which digital sources of income are available in the field of the propositions? What else can one earn with the existing knowledge? What can you do with the contacts?
  • Activities
    It is always surprising how far or how little the internal possibilities of the IT are used. Thus, value creation continues to take place with traditional, paper-based practices. At the latest when the customers are no longer satisfied with the slow, manual processes and if a closer involvement is desired, nothing else remains but adapting digitally. The affected activities can be derived from the digitizable proposals. Which processes are partly or fully automatable? How does the transformation take place?
  • Resources
    Digital companies have virtual resources, i.e. the IT with its networks. A look at the degree of internal digitization, the already automated processes, the data landscape and the applications quickly shows the need for action. Which processes are already IT-based? What data is available? Which applications have a digital future?
  • Partners
    The participants in the provision of deliverables are the internal and external co-workers. They need new skills in the digital world, such as strong customer focus, lifelong learning, teamwork, change management as well as IT-specific knowledge of computer literacy, data security, data analysis, the Internet, etc. Who are the internal and external partners? Which skill profiles are there or are required? Which skills are missing?
  • Cost structure
    The digital transformation is not free of charge. The savings in expenditure and the increases in sales can not be realized overnight. Looking at Amazon, sales are growing steadily, but profits are not developing in the same way. Before you start with the digital transformation, you need an honest commitment concerning the costs. Where do the expenses arise? How long may the digital transformation take? What is the cost of not digitizing?

Bottom line: The complete Business Model Canvas is affected by the digital transformation. The already achieved digital penetration and readiness of all components determine the expected effort. The first step into the digital future is the conscious decision of all involved people for the necessary efforts. The Business Model Canvas provides the required overview.