Archiv der Kategorie: Vernetztes Denken

In diesem Bereich geht es um systemisches Denken, Chaos und Komplexität.

Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe versus Wirkungsdiagramm

Der folgende Text liefert einige Beispiele für eine Diskussion, die in Englisch bei Linkedin ( http://ow.ly/xQAJl ) stattfindet. Die Diskussion dreht sich um das folgende Beispiel http://ow.ly/xQBE6 .

1)       Eingabe-Verarbeitung-Ausgabe Diagramm (EVA)

Das EVA-Diagramm fokussiert mehr auf Was-wird-benötigt als auf Wie-kann-man-es-tun. Zu diesem Zweck besteht das Diagramm aus: Eigabe, Verarbeitung und Ausgabe.

Die Eingabe bietet alle Aspekte, die für den Prozess benötigt werden. Dies können Information, Steuerung, Ressourcen und andere Dinge sein. In dem Beispiel finden sich Steuerung (Rezept), Ressourcen (Teekanne, Warmwasserbereiter und Koch) und andere Dinge (Wasser, Teebeutel und Energie).

Der Prozess definiert die Funktion. In diesem Fall die oberste Ebene, die ‚Teezubereitung‘-Funktion.

Die Ausgabe dokumentiert die Ergebnisse des Prozesses. Ergebnisse sind Tee, schmutzige Utensilien und ungenutzte Energie.

Auf Basis des Diagramms ist es möglich, den Prozess mit allen wesentlichen Elementen einzurichten. Üblicherweise wird das Diagramm bis auf die operative Ebene mit mehreren Diagrammen verfeinert.

teapotIPO d

2)       Wirkungsdiagramm

Das Wirkungsdiagramm fokussiert auf Was-passiert. Zu diesem Zweck wird das System mit Variablen und Beziehungen beschrieben.

Die Variablen sind Zustandsindikatoren (normalerweise Umsatz, Qualitäten, Kosten, Akzeptanz). In unserem Beispiel Verfügbarkeit und Mengen. Diese Parameter werden beeinflusst durch die Beziehungen.

Die Beziehungen dokumentieren zwei Arten von Abhängigkeiten – Steigerungen und Reduzierungen. Der sich ergebende Einfluss bestimmt die Veränderung des empfangenden Indikators in der gleichen Richtung wie der Sender (+) oder in der entgegengesetzten Richtung (-). In unserem Beispiel: je mehr Wasser verfügbar ist, desto mehr Wasser kann erhitzt werden. Je mehr Wasser erhitzt wird, desto weniger Wasser ist verfügbar (-).

Auf Basis dieses Diagramms kann das Verhalten des Systems über die Zeit untersucht werden.

teapotsys d

Fazit: Der Zweck des EVA-Diagramms ist eher die Implementierung eines Prozesses. Die Intention des Wirkungsdiagramms ist es, das Verhalten des Systems über die Zeit zu verstehen. Die Funktionalitäten können nicht ausgetauscht werden.

P.S.: Systems Thinking ist ein etablierter Weg, um alle Arten von Systemen zu untersuchen. Hier sind ein paar Pioniere – Fritjof Capra, Peter Senge, Daniel Kim, Donella Meadows, Frederic Vester, Harmut Bossel.

Wachstum findet auf Kosten Anderer statt

Wachstum entwickelt sich in Unternehmen zu der einen, bestimmenden Kennzahl. Alle Anstrengungen dienen nur noch dazu, den Gewinn, den Umsatz, die Marktanteile, die Produktivität zu erhöhen. Das System ist Teil einer Umwelt, hat definierte Grenzen und tauscht Energie mit anderen Systemen aus. Innerhalb des Systems tauschen die Teilsysteme Energie aus.

Woher kommt eigentlich diese Energie für das Wachstum?

Wachstum

Beispiele für Systeme sind:

  • Lebewesen, die Nahrung benötigen;
  • Maschinen, die Treibstoff brauchen;
  • Flusssysteme, die durch Nebenflüsse und Regen anschwellen;
  • Familien, die durch Nachwuchs wachsen;
  • Unternehmen, die expandieren.

Grundsätzlich wird jegliches Wachstum nur durch Hinzufügen von Energie von außen geschaffen. Lebewesen nehmen Ihre Energie durch Essen und Trinken zu sich. Entfällt die Nahrung für lange Zeit, stirbt der Organismus. Das Auto, das nicht mehr betankt wird, bleibt stehen. Sobald Bäche und andere Flüsse versiegen und der Regen ausbleibt, trocknet ein Fluss aus. Familien ohne Nachkommen sterben aus. Unternehmen erweitern sich, in dem sie neue Märkte erschließen, Wettbewerber vom Markt verdrängen oder Unternehmen aufkaufen. Innerhalb des Systems verschiebt sich die Energie ebenfalls, das heißt sie ordnet sich neu an. Dabei wachsen einzelne Subsysteme. Allerdings steigt die Gesamtenergie des Systems dadurch nicht. Die Neuverteilung führt sogar zu einem Energieverlust, der sich aus dem Aufwand für die Veränderungen ergibt.

Im Unternehmen zeigt sich diese Verschiebung von Energie an vielen Stellen.

  • Bei der Übernahme von Unternehmen wächst der Umsatz, die Gewinne, die Marktdurchdringung, das Beschaffungsvolumen und die Mitarbeiterzahl auf Kosten der damit verbunden Investitionen und der Mitarbeiter, die die Verschmelzung nicht ‚überleben‘.
  • Die Reorganisation von Abläufen kosten die Energie der Veränderungsanstrengungen und der Mitarbeiter, die wegfallen.
  • Neue Technologien kommen von außen und erzeugen den Abfluss von Energie in Form von liquiden Mitteln. Darüber hinaus bezahlen wieder die Mitarbeiter einen Teil der Zeche durch den Verlust ihrer bisherigen Aufgabe, entweder durch Versetzung oder durch Entlassung.

Fazit: Um zu wachsen, benötigen Sie Energie von außen. Jegliches Wachstum findet auf Kosten von Anderen statt. Internes Wachstum bringt dem Gesamtsystem nichts, da die Energie nur von der rechten in die linke Tasche wechselt beziehungsweise durch die Anstrengungen einfach verloren geht.